Rechnungswesen
Rechnungswesen
Vergleich Fibu-Bebu
| Fibu | Bebu |
| Ganze Unternehmung (betrieblich & neutral) | Nur Betrieb |
| Externe und interne Adressaten | Interne Adressaten |
| Buchhalter | Controller |
| Arbeitet für Staat, Eigentümer, ext. Stakeholder | Arbeitet für Entscheidungsträger |
| Ziel: Gläubigerschutz | Ziel: Wie gut haben wir im Betrieb gearbeitet? Aufbereitung der Daten, so dass Entscheidungsträger bessere Entscheidungen treffen können |
| Obligatorisch gemäss OR | "Freiwillig" (Bei grösseren Firmen können gewisse Infos nur durch Bebu ausgewiesen werden, welche gesetzlich verlangt werden) |
Fibu
Regelwerke
Weil die Bewertung der Aktiven und des Fremdkapitals bei der Ermittlung des Eigenkapitals und des Periodenerfolgs von grosser Bedeutung ist, enthält das OR Bestimmungen zur Bewertung. Die Vorsicht ist der wichtigste Bewertungsgrundsatz im OR (Gläubigerschutz). Dies im Unterschied zu den anerkennten Rechnungslegungsstandards wie Swiss Gaap Fer wo die Wahrheit zum führenden Prinzip erhoben wird (Schutz der Investoren). Folgende Grundsätze werden für dich Buchführung vom OR vorgeschrieben: Vorsicht, Wahrheit, Fortführung (Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit) und Stetigkeit (immer gleiche Darstellungsform und Bewertungsgrundsätze).
Massgebend beim Vorsichtsprinzip ist das Realitätsprinzip (Gewinne dürfen erst ausgewiesen werden, wenn sie durch den Verkauf erzielt worden sind), das Imparitätsprinzip (Verluste müssen dem gegenüber bereits gezeigt werden, wenn deren Eintritt möglich ist) und das Niederstwertprinzip.
Das OR schreibt vor, die Fibu klar und verständlich, vollständig, verlässlich und vorsichtig zu führen. Weiter muss sie das Wesentliche enthalten.
Im Gegenzug zum Steuergesetz, werden keine Abschreibungsvorschriften erlassen. Das oberste Gebot des OR ist der Gläubigerschutz. Daher wird bei einem Konkurs das Geld wie folgt verteilt: Mitarbeiter, Gläubiger (Lieferanten etc.), Staat, Aktionäre.
Überblick
Allgemein gültige Vorschrift (OR 957):
- für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ab einem jährlichen Erlös von Fr. 500'000.-- (einfache EU's müssen lediglich Einnahmen und Ausgaben sowie eine Vermögensübersicht erstellen)
- für juristische Personen wie AG's und GmbH's
- Die Rechnungslegung erfolgt im Geschäftsbericht. Dieser enthält die Jahresrechnung (Einzelabschluss), die sich aus der Bilanz, der Erfolgsrechnung und dem Anhang zusammensetzt. (Muss innerhalb von 6 Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres erstellt und dem zuständigen Organ vorgelegt werden)
Rechnungslegung für grössere Unternehmen (OR 961):
- Bilanzsumme 20 Mio., Umsatzerlös 40 Mio., 250 Vollzeitstellen
- diese Unternehmen müssen zusätzlich eine Geldflussrechnung erstellen sowie einen Lagebericht verfassen, der den vergangen und künftig erwarteten Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage der Unternehmung darstellt
Abschluss nach anerkanntem Standard (OR 962)
- Da das OR den Gläubigerschutz in den Vordergrund stellt, wurden zum Schutz der Investoren nicht staatliche Standards ins Leben gerufen. Börsenkotierte Unternehmen müssen zusätzlich einen Abschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung erstellen. Bei nicht börsenkotierten Unternehmen können mind. 20% der Gesellschafter einen solchen Abschluss verlangen.
- Der Abschluss soll ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanzierungs-, und Ertragslage der Unternehmung vermitteln, die so genannte True-and-Fair-View.
- Anerkannte Standards sind die Swiss Gaap Fer (ca. 250 Seiten, nur in der Schweiz angewandt), die IFRS (Europa Standard, heute weltweit in über 100 Ländern, ca. 3000 Seiten) und die US Gaap (hauptsächlich in den USA, ca. 30'000 Seiten).
- Diese Rechnungslegungsstandards haben das Ziel, die Transparenz und Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen zu fördern. Sie stellen Normen auf zur Darstellung und Bewertung von Abschlüssen. Diese Abschlüsse benötigen Jahresbericht, Bilanz, Erfolgsrechnung, Geldflussrechnung, EK-Nachweis, Anhang gross (falls Börsenkotiert zusätzlich Corp. Governent Ausweis)
Bilanz
Die Bilanz ist eine Momentaufnahme, in der die Aktiven den Passiven gegenüber gestellt werden. Sie zeigt die Vermögenslage der Unternehmung. Die Passivseite zeigt, wie die finanziellen Mittel bereitgestellt wurden; die Aktivseite orientiert über die augenblickliche Verwendung dieser Mittel. Die Bilanz ist nach Liquidierbarkeit gegliedert.
Stichtag
| Aktiven (Vermögen) | Passiven (Schulden)
|
| Umlaufvermögen (bis 1 Jahr)
Flüssige Mittel (inkl. Wertschriften) Forderungen (Guthaben bei Kunden) Vorräte Anlagevermögen ("Frozen") Finanzielles Anlagevermögen Materielles Anlagevermögen (Sachanlagen) Immaterielles Anlagevermögen (z.B. Goodwill)
|
Fremdkapital Kurzfristiges Fremdkapital (bis 1 Jahr) Langfristiges Fremdkapital (z.B. Rückstellungen)
Aktienkapital Kapitalreserven Gewinnreserven |
Die Bilanz kann auch in Staffelform aufgezeigt werden:
Aktiven
-Fremdkapital
=Eigenkapital (Reinvermögen)
Ziel der Bilanz: Vermögenlage resp. Schuld-/Forderungsverhältnisse der Unternehmung an einem bestimmten Stichtag darzustellen.
Finanzierung
Die Möglichkeiten der Finanzierung:
Aussenfinanzierung
- Kreditfinanzierung (z.B. Aufnahme von Bankkrediten)
- Beteiligungsfinanzierung (z.B. Ausgabe von Aktien)
Innenfinanzierung
- Selbstfinanzierung (Zurückbehalten von Gewinnen)
- Finanzierung aus freigesetztem Kapital (z.B. Verkauf von Liegenschaften)
Goodwill
Goodwill bezeichnet den Wert, der bei einer Übernahme einer AG mehr bezahlt wird, als sie effektiv Wert hat. Demgegenüber steht Badwill als Wert, der zu wenig bezahlt wird (z.B. Mülldeponie Kölliken wird für symbolischen Fr. gekauft).
Goodwill und Badwill werden im Normalfall über 5 Jahre abgeschrieben.
Rückstellungen
Rückstellungen werden für erwartete Verbindlichkeiten gegenüber Dritten gemacht (z.B. Prozessrückstellungen). Sie sind kein Cash! Der Gegenwert ist auf der Aktivseite in irgendeiner Form vorhanden.
Reserven
Die Reserven enthalten nicht ausgeschüttete Gewinne. Sie sind kein Cash! Der Gegenwert ist auf der Aktivseite in irgendeiner Form vorhanden. Kann zur Deckung von Verlusten genutzt werden.
Gewinn
Reingewinn = Ertrag > Aufwand
Grundsätzlich eine rein wertmässige Grösse. Gewinn ist nicht zwangsläufig Cash; sondern kann auch rein bewertungsmässig zustande kommen.
2 Möglichkeiten zur Verwendung des Gewinns:
- Nicht ausschütten: Reingewinn wird in die Rücklagen/Reserven gebucht. D.h. Verbindlichkeit gegenüber Eigentümer steigt.
- Ausschütten: Hierzu benötigt die Unternehmung aber Cash!
Beteiligungen
Eigentum von bis zu 20% Aktien einer Unternehmung: Aufführung als Wertschriften
Eigentum von 20-49.99% der Aktien einer Unternehmung: Aufführung als Anteile an assoziierten Gesellschaften
Eigentum von über 50% der Aktien einer Unternehmung: Vollintegration in Bilanz
Erfolgsrechnung
Im Gegenzug zur Bilanz ist die Erfolgsrechnung eine Periodenrechnung, welche die Aufwände den Erträgen gegenüberstellt. Als Differenz resultiert der Erfolg (Gewinn oder Verlust). Da die Kapitalgeber und andere Anspruchsgruppen laufend über den Geschäftsverlauf und den daraus resultierenden Erfolg orientiert sein wollen, werden Abrechnungs- und Erfolgsperioden festgelegt. Dies kann sehr schwierige zeitliche Abgrenzungsprobleme mit sich bringen. Die Erfolgsrechnung zeigt auf eine strukturierte Weise einen Zusammenzug aller Wertverschiebungen, die im Laufe einer Periode in einem Unternehmen angefallen sind.
Ziel der Erfolgsrechnung: Ausweis des Erfolgs (Gewinn oder Verlust) der einzelnen Geschäftsperiode durch Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag.
1.1-31.12.2014
| Aufwand
________________________________________ |
Ertrag
|
Am Ende der Periode wird wieder bei 0 begonnen. Nach OR wird zwischen betrieblichen und betriebsfremden sowie ausserordentlichen Aufwänden und Erträgen unterschieden. Zusätzlich wird in Hauptbetrieb und Nebenbetrieb aufgeteilt. Schematisch ergibt dies folgende Gliederung:
Beispiel einstufige und dreistufige Erfolgsrechnung
| Einstufige Erfolgsrechnung | Dreistufige Erfolgsrechnung |
| Warenertrag100 + Liegenschaftenertrag 15 =Gewinn 10 |
Warenertrag 100 -Warenaufwand -60 =Unternehmensgewinn 10 |
x Gemeinaufwand
xx Neutraler Aufwand und Ertrag
Dieses Beispiel zeigt, dass bei der einstufigen Erfolgsrechnung nicht sichtbar wird, dass der Betrieb verlustbringend ist. Der Unternehmensgewinn kommt nur dank positiven Einfluss von neutralem Erfolg (nicht zum betrieblichen Kernbereich gehörend) zu Stande. Je nach Branche und Informationsbedürfnissen ist eine andere Anzahl Stufen zweckmässig. Erfolgsrechnungen von Handelsbetrieben sind meist dreistufig (1 Stufe: Bruttogewinn, 2. Stufe: Betriebserfolg, 3 Stufe: Unternehmenserfolg).
International und in Geschäftsberichten ist die Staffelform gebräuchlich:
Mehrstufige Erfolgsrechnung nach Gesamtkostenverfahren
Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen
+/- Bestandesänderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen bzw. nicht fakturierten DL
=Betrieblicher Ertrag aus Lieferungen und Leistungen
-Material- und Warenaufwand sowie Aufwand für Drittleistungen
-Personalaufwand
-Übriger Betriebsaufwand (ohne Abschreibungen und Zinsen)
=Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA)
-Abschreibungen
=Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT)
+/- Zinsaufwand und Zinsertrag
=Betriebsergebnis vor Steuern (EBT)
+/- Aufwand und Ertrag von Nebenbetrieben
+/- Betriebsfremder Aufwand und Ertrag
+/- Ausserordentlicher Aufwand und Ertrag
=Unternehmenserfolg vor Steuern
-direkte Steuern
=Unternehmenserfolg
--> Gibt Aufschluss auf die Frage: "Warum haben sich in der Bilanz die Positionen unten rechts verändert?"
Geldflussrechnung
Die Geldflussrechnung (auch Mittelflussrechnung genannt) zeigt als zeitraumbezogene Rechnung die Ursachen für die Zunahmen und Abnahmen der Geldbestände (flüssige Mittel) in einer Periode. Als Saldo ergibt sich die Veränderung der flüssigen Mittel in der Berichtsperiode. Sie ist wie die Erfolgsrechnung eine dynamische Rechnung. Die Geldflussrechnung ist freiwillig, wird aber nach den gängigen Standarts (IAS, FER, US-GAAP) zwingend verlangt.
Ziel der Geldflussrechnung: Ausweis der Ursachen und des Umfangs des Mittelzuflusses und des Mittelabflusses
Wer braucht sie?
- Management zur finanziellen Führung
- Finanzanalytiker
- Banken / Kreditgeber
1.1-31.12.2014
| Einnahmen (Mittel-Zufluss)
|
Ausgaben (Mittel-Abfluss)
_______________________________________
|
Ursachen von Einnahmen und Ausgaben
Es gibt drei Ursachen für Einnahmen: Innenfinanzierung (z.B. Zahlungen von Kunden, Zinszahlungen von Kreditnehmern), Aussenfinanzierung (z.B. Aufnahme von Hypotheken, Ausgabe von Anleihen, Aktienkapitalerhöhung) und Desinvestierung (z.B. Barverkauf von Maschinen oder Beteiligungen)
Es gibt drei Ursachen für Ausgaben: Innenfinanzierung (z.B. Zahlungen an Lieferanten, Lohnzahlungen, Zinszahlungen), Definanzierung (Rückzahlung von Hypotheken, Aktienkapitalherabsetzung) und Investierung (Kauf einer Maschine oder Beteiligungen)
Darstellung in Staffelform:
Geldfluss aus Betriebstätigkeit (Geschäftstätigkeit, Cashflow, Innenfinanzierung)
+/- Geldfluss aus Investitionstätigkeit
+/- Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit
=Zunahme oder Abnahme der flüssigen Mittel
Die Geldflussrechnung schliesst als dritte Jahresrechnung die Informationslücken von Bilanz und Erfolgsrechnung, indem sie Aufschluss gibt über
- die Liquiditätsentwicklung
- die Investierungsvorgänge
- die Finanzierungsmassnahmen
innerhalb vergangener oder künftiger Geschäftsperioden.
Im OR fehlen detaillierte Vorschriften zur Geldflussrechnung. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass dieselben Regeln gelten, wie von den anerkannten Standarts verlangt.
--> Gibt Aufschluss auf die Frage: "Warum haben sich in der Bilanz die Positionen oben links verändert?"
Cashflow
Zufluss aus Geschäftstätigkeit
-Abfluss wegen Geschäftstätigkeit
= Cash Flow
(Geldfluss aus Geschäftstätigkeit: Schafft es das Unternehmen mit seiner Kerntätigkeit Cash zu generieren?
Zufluss aus Geschäftstätigkeit
-Abfluss wegen Geschäftstätigkeit
+Zufluss wegen Desinvestitionen
-Abluss wegen Investitionen
=Free Cash Flow
(Frei verfügbare Geldmittel: Welche Geldmittel stehen dem Unternehmen zum manöverieren/agieren zur Verfügung?
Zufluss aus Geschäftstätigkeit
-Abfluss wegen Geschäftstätigkeit
+Zufluss wegen Desinvestitionen
-Abluss wegen Investitionen
+Zufluss aus Finanzierung
-Abfluss Definanzierung und Gewinnausschüttung
=Wie haben sich die Geldmittel der Unternehmung verändert?
Cash darf niemals ausgehen!
Kontenrahmen KMU
Offizielle Version: https://www.bdo.ch/media/filer_public/6c/6f/6c6f9aa4-552e-40e8-93ae-281267e63828/schulkontenrahmen_veb_ch.pdf
Liquidität
Eine gesunde Liquidität
- macht die Unternehmung flexibler und gibt dem Management mehr Handlungsspielraum, um den langfristigen Fokus auf Marktchancen, Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit zu behalten
- verbessert die Liquiditäts- und Finanzierungskennzahlen, die von den Banken für die Einschätzung der Kreditwürdigkeit und der Festlegung der Konditionen verwendet wird
- erhöht die Kapitalrentabilität und damit die Attraktivität des Konzerns für Aktionäre und Investoren
- fördert die Profitabilität
Die interne Wertschöpfungskette mit den Funktionen Beschaffung, Produktion und Vertrieb bietet verschiedene Hebel um Liquiditätspotentiale zu erschliessen.
- Management von Roh-, Halbfertig und Fertigwaren (Verkürzung der Durchlaufzeit z.B. durch Just-in-Time-Anlieferungen oder durch bessere Bedarfsprognosen)
- gezielte Festlegung der Zahlungskonditionen (z.B. Skonto, Kreditlimitprozess, klar strukturierter Mahnprozess)
- Management der Lieferantenverbindlichkeiten optimieren (Begrenzung der Lieferantenzahl, umfassende Lieferantenbeurteilung). Es sollte gegenwärtig nur in dem Mass Einkaufsmaterialien bestellt werden, wie konkreter Bedarf vorhanden ist. Das steht aber häufig in Widerspruch zu wirtschaftlichen Bestellgrössen und ausgehandelten Mengerabatten. Lösungsansätze: Lieferant übernimmt Management des Lagerbestandes des Kunden und bleibt solange im Besitz der Ware, bis diese vom Kunden bezogen wurden. Mengerabatte lassen sich am einfachsten am Jahresende in einer Gesamtbetrachtung berechnen. Rechnungen werden erst nach 45 oder 60 Tagen bezahlt.
--> Collect early and pay late!