VWL
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Aktuelles
- Probleme Euro-Raum: Wachstumsschwäche / Hohe Verschuldung / Hohe Arbeitslosigkeit
- Euro-Zone: 19 Länder http://de.wikipedia.org/wiki/Eurozone
- EU-Staaten: 28 Länder http://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliedstaaten_der_Europ%C3%A4ischen_Union
- Investitionsquote CH: 24% (guter Wert) http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/21/02/ind32.indicator.71503.3208.html
- Der Erdölpreis ist u.a. infolge neuer Massnahmen zur Förderung gestiegen, daher sinkt der Erdölpreis. Der tiefe Preis führt dazu, dass die Inflation sinkt (da weniger Konsum, bzw. Ausgaben). --> Gefahr von Arbeitslosigkeit
Einführung
Knappheit, Tausch, Güter und Produktionsfaktoren
Die Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich mit dem Problem der Knappheit und mit dem Tausch. Knappheit: Die Knappheit charakterisiert das Verhältnis zwischen den verfügbaren Mitteln und den Bedürfnissen. Die Bedürfnisse sind unbegrenzt. Gemäss Bedürfnispyramide von Maslow werden die folgenden Bedürfnisse unterschieden: Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Wertschätzungsbedürfnisse, Selbstverwirklichungsbedürfnisse. Tausch: Güter sind – in aller Regel – das Ergebnis eines Produktionsprozesses und dienen der Bedürfnisbefriedigung. Güter sind begrenzt. Durch Tausch versuchen wir jene Güter zu erhalten, die uns mehr wert sind als das, was wir dafür hergeben müssen. Die Güter werden wie folgt unterschieden:
Produktionsfaktoren: Arbeit, natürliche Ressourcen, Kapital, Wissen
Arbeitsteilung und Spezialisierung entschärfen das Knappheitsproblem, weil sich dadurch die Produktivität und damit das Gütervolumen erhöhen lässt.
Damit die Arbeitsteilung und der Tausch funktioniert, benötigt man Geld. Es hat die Funktion als Zahlungsmittel, als Rechnungseinheit und als Wertaufbewahrungsmittel. Alle drei Funktionen, die durch das Geld ermöglicht werden, helfen mit, die sogenannten Transaktionskosten zu senken (Kosten die entstehen, wenn man ein Tauschgeschäft abwickeln will. Z.B. für Suche von Tauschpartnern, Informationsbeschaffung über Anbieter etc).
Homo oeconomicus
Der Mensch muss täglich Entscheidungen treffen, da seine Bedürfnisse unbegrenzt, die Güter aber begrenzt sind. Die Volkswirtschaftslehre interessiert die Frage, wie entschieden wird. Sie hat daher das Model des „Homo oecomomicus“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein vereinfachtes Menschenbild, welches davon ausgeht, dass der Mensch stets nach einem ökonomischen Prinzip handelt (ein bestimmtes Ziel soll mit minimalen Aufwand erreicht werden, bzw. bei vorgegebener Aufwandsmöglichkeit soll ein möglichst hohes Ziel erreicht werden). Dieser modellhafte und idealtypische Mensch ist absolut rational und materiell orientiert, kennt weder Vorlieben, noch Vorurteile oder immaterielle Präferenzen und verfügt zudem über umfassende Marktinformation. Weiter ist ein wichtiger Einflussfaktor das eigennützige Handeln. In der Praxis hat sich diese Vereinfachung des Menschenbildes kaum bewährt, zumal sich gezeigt hat, dass viele Entscheidungen auf immaterielle Faktoren beruhen (Image, Gruppendynamik etc). Die Ökonomie bemüht sich deshalb laufend, ihr Menschenbild zu erweitern, zu verfeinern und realitätsnah zu gestalten, um Vorgänge in Wirtschaft und Gesellschaft besser erklären zu können.
Eine rationale Entscheidung erfordert ein Abwägen der Vor- und Nachteile aller verschiedenen Möglichkeiten. Eine Entscheidung kostet den Verzicht auf den Nutzen der nicht gewählten Alternative. Diesen Verzicht bezeichnen die Ökonomen als Opportunitätskosten. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Opportunitätskostenprinzip ist, dass nichts gratis ist.
Aufgaben der Volkswirtschaftslehre
Beschreiben, erklären, prognostizieren (z.B. KOF ETH, SECO) und zielgerichtetes beeinflussen (z.B. Nationalbank, economiesuisse) von wirtschaftlichen Vorgängen. Dabei besteht die Kunst darin, kurzfristige und langfristige Auswirkungen der Massnahmen zu berücksichtigen und die Folgen für alle, nicht nur für Einzelne, zu bedenken.
Ziele
Das magische Sechseck: Vollbeschäftigung (ab einer Arbeitslosenquote von 2%), Wirtschaftswachstum (Teuerung von 2% wird als gut erachtet), Umweltqualität, Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht, Preisstabilität, Sozialer Ausgleich (Gini-Koeffizient = Einkommensverteilung auf die Bevölkerung. Je höher Koffizienz, desto höher die Schere). Es ist schwierig, alle Ziele gleichzeitig zu erreichen. Drei Zielbeziehungen lassen sich unterscheiden: Zielharmonie, Zielneutralität, Zielkonkurrenz.
Weitere Ziele können hinzu kommen. Z.B. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft.
Opportunitätskosten und Austauschbeziehungen (Trade-offs: Wird das eine besser wird sogleich das andere schlechter) prägen die Entscheidungen zwischen verfügbaren Möglichkeiten.
Anreize und ihre Wirkung
Die VWL hat sehr unterschiedliche „Werkzeuge“ zur Verfügung ( MwSt., Handelsabkommen, Kartellverbote, Subventionen, Stipendien etc.). Das Streben des Menschen nach seinem eigenen Vorteil macht ihn besonders empfindlich für Anreize. Allerdings sind politische Steuerungsversuche immer von ungewissen Nebenfolgen begleitet. Als z.B. Gebühren für Kehrichtsäcke eingeführt wurden, nahm zwar die Anzahl Säcke ab, dafür hat das Gewicht zugenommen, wilde Deponien vermehren sich und Abfalltransporte in Nachbargemeinden traten auf. Der Mensch handelt aber nicht nur, wenn er von aussen einen Anreiz erhält, also aus extrinsischer Motivation. Er tut auch vieles aus sich selbst heraus, aus instrinsischer Motivation.
Die Preisbildung: Nachfrage
Die Nachfrage eines Gutes wird durch folgende Faktoren beeinflusst: Preis, Nutzenvorstellung, Preis anderer Güter, Einkommen, Erwartungen für die Zukunft (z.B. erwartete Preissteigerung). Die Annahme, dass sich nur ein Faktor verändert und alles andere gleich bleibt wird „ceteris paribus“ genannt.
In den meisten Fällen gilt: Je günstiger ein Gut (ceteris paribus), desto mehr wird vom Gut nachgefragt bzw. gekauft. Je teurer das Produkt ist, desto weniger wird im Normalfall gekauft. Eine Ausnahme stellen so genannte Giffen-Güter dar, bei denen die Nachfrage steigt, wenn das Gut teurer wird und umgkehrt. Dieses Phänomen kann vor allem bei Luxus- bzw. Prestigegütern beobachtet werden. Formal gesehen entspricht die Nachfragekurve dem Grenznutzen bzw. der Zahlungsbereitschaft des Nachfragers im entsprechenden Punkt. D.h. sie zeigt für jede Menge an wieviel der Nachfrager maximal zu bezahlen bereit ist, um eine weitere Einheit des Gutes zu bekommen. Beispiel:
Die obenstehende Grafik zeigt Annas Brotnachfrage. Bei einem Preis von 6 Fr. pro Stück ist für Anna das Brot zu teuer, sie kauft überhaupt kein Brot und kauft lieber andere Produkte mit ihrem Geld. Je tiefer der Stückpreis liegt, umso mehr Brote kauft Anna. Wie die Kurve zeigt ist Anna z.B. bereit bei einem Preis von 2 Franken 4 Brote zu kaufen. Wie man an der Kurve erkennen kann, wird Anna aber nie mehr als 6 Brote kaufen, auch wenn sie diese geschenkt bekäme. Diese Menge wird Sättigungsmenge genannt. Anna kann ganz einfach nicht mehr Brote brauchen. (Das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen wird auch das erste Gossensche Gesetz genannt).
Verschiebung der Nachfragekurve
Eine Bewegung auf der Kurve stellt sich dann ein, wenn sich der Marktpreis verändert, alles andere aber gleich bleibt.
Dies ist nicht zu verwechseln mit einer Verschiebung der Kurve. Eine Verschiebung der Nachfragekurve bedeutet, dass der Nachfrager bei jedem Preis bereit ist eine grössere bzw. kleinere Menge nachzufragen. Verschieben kann sich die Nachfragekurve aus folgenden Gründen:
- Höhere/Tiefere Nutzeneinschätzung
- Trends
- Steigende/sinkende Preise von Substitutionsgüter (Güter mit denen man andere Güter ersetzt (z.B. Butter und Margarine))
- Steigende/sinkende Preise von Komplementärgüter (Güter die sich ergänzen und deshalb zusammen gehören (z.B. Autos und Reifen))
- Höhere/tiefere Einkommen
- Erwartete Preissteigerungen / -senkungen
Die Nachfragekurve lässt sich sowohl für eine Person als auch für den gesamten Markt ermitteln. Dabei ist die Marktnachfrage nichts anderes als eine Zusammenfassung aller Nachfragekurven derjenigen, die auf diesem Markt als Nachfrager auftreten. Die Nachfragekurve des Marktes verschiebt sich demzufolge auch, wenn sich die Anzahl Nachfrager verändert, bzw. wenn die Bevölkerung wächst.
Die Preisbildung: Angebot
Die angebotene Menge eines Gutes wird durch folgende Faktoren beeinflusst: Preis, Kosten (z.B. Löhne, Material), Technologie, Staat (z.B. Steuerlast).
Die angebotene Menge eines Gutes steigt in der Regel mit steigenden Preisen und nimmt umgekehrt bei sinkenden Preisen ab.
Im Normalfall steigt die Angebotskurve mit zunehmender Menge an. Je höher der Preis ist umso höher wird also auch die angebotene (produzierte) Menge sein.
Peter hat eine kleine Backstube mit einem kleinen Backofen in dem er verschiedene Produkte wie Brote, Kuchen, Gipfel etc. backen kann. Gemäss der in der Grafik dargestellten Angebotskurve, wird Peter keine Brote backen, wenn er dafür 0 oder nur 1 Franken bekommt. Dann backt er lieber andere Produkte oder arbeitet gar nicht und geniest die Freizeit. Für 2 Franken ist Peter bereit 10 Brote zu backen. Mehr aber nicht, denn es ist für ihn lukrativer seinen kleinen Ofen auch noch dafür zu nutzen andere Gebäcke herzustellen. Mit steigendem Marktpreis für das Brot wird Peter immer mehr Brot backen und dafür zum Beispiel weniger Kuchen oder Gipfel. Denn am Brot verdient er inzwischen mehr. So bäckt er bei 3 Franken 20 Brote oder bei 4 Franken 30 Brote. Mit zunehmendem Preis wird er den Backofen schliesslich nur noch dazu nutzen Brote zu backen und keine anderen Produkte mehr herstellen. Er wird sogar einen zweiten Ofen kaufen und eine teure Hilfskraft einzustellen. Deshalb steigt die Angebotskurve für ein Gut mit zunehmendem Preis an. Es ist klar, dass eine zweite Hilfskraft weniger zur Produktionssteigerung beiträgt, als der vorher eingestellte (der Grenzertrag sinkt). Bei 10 Angestellten kann die Produktion sogar kleiner werden, weil sich die Arbeiter gegenseitig auf den Füssen stehen. Dieses Phänomen wird als Ertragsgesetz bezeichnet: Wird der Einsatz eines Produktionsfaktors bei Konstanz der Menge der übrigen Faktoren erhöht, so nimmt der Output (Etrag) zunächst mit steigenden, dann mit fallenden Grenzerträgen zu, bis schliesslich der Output sinkt, der Grenzertrag also negativ wird. (Grenzertrag: Der zusätzliche Gewinn, der aus dem Verkauf eines Produkts (einer kleinen Menge eines Produkts) resultiert).
Steigende Grenzkosten korrespondieren also mit fallenden Grenzerträgen – und umgekehrt.
Auch die Angebotskurve lässt sich sowohl für einen Anbieter ermitteln als auch für den gesamten Markt. Dabei ist das Marktangebot nichts anderes als eine Zusammenfassung aller Angebotskurven derjenigen, die auf diesem Markt als Anbieter auftreten. Die Angebotskurve des Marktes verschiebt sich deshalb, wenn neue Anbieter auftreten oder sich bisherige Anbieter aus dem Markt zurück ziehen.
Verschiebung der Angebotskurve
Eine Bewegung auf der Kurve stellt sich dann ein, wenn sich der Preis verändert, alles andere aber gleich bleibt. Dies gilt es nicht zu verwechseln mit einer Verschiebung der Kurve. Gründe für eine Rechts-/Linksverschiebung der Kurve (nach links = Reduktion Produktion):
- Sinkende/Steigende Faktorkosten (z.B. Löhne, Zinsen)
- Fortschritte/Rückschritte in den Produktionsverfahren
- Positive/negative externe Einflussgrössen (z.B. gute Weinernte infolge schönem Wetter)
- Staatliche Massnahmen (z.B. Zollreduktion, Steuererhöhung)
- Erwartete Preissenkung / -erhöhung
Hintergrund für den Verlauf der Angebotskurve
Kurze Frist
Variable Kosten: Kosten die für jedes Stk. dazu kommen (z.B. Rohmaterialkosten, Löhne)
Fixkosten: z.B. Miete, Zins
Langfristig sind alle Kosten variabel. Gebäude können erweitert oder anders genutzt, neue Maschinen gekauft, verkauft oder verschrottet werden. In der langen Frist können sogar Firmen gegründet und aufgelöst werden.
Die Grenze zwischen der kurzen und der langen Frist ist von Branche zu Branche unterschiedlich (bei einem Flughafen z.B. länger als bei einem Kopierladen).
Der kurzfristige Kostenverlauf:
- Grenzkosten = zusätzliche Kosten für die Produktion einer Einheit
Die Grenzkosten fallen dort, wo die Produktion im Team effizienter und damit kostengünstiger ist, als wenn Einzelne isoliert an der Arbeit sind.
Wenn die Produktion mit der Ausweitung immer weiter an die Grenzen ihrer bestehenden Anlagen stösst, steigen die Grenzkosten wieder, da die Schranken steigen (z.B. Arbeiter stehen sich auf den Füssen, Maschinen besetzt --> Wartezeiten). Das Gesetz vom abnehmenden Grenzprodukt: Wird der Einsatz von (variablen) Ressourcen erhöht, während andere (fixe) Ressourcen unverändert bleiben, so kann zwar das Grenzprodukt zunächst zunehmen und dann auf hohem Niveau bleiben. Doch früher oder später werden Schranken erreicht, die bewirken, dass das Grenzprodukt abnimmt. Die Produktion, die mit zusätzlichen variablen Ressourcen erzielt werden kann, wird also immer kleiner und könnte schliesslich sogar negativ werden.
Der langfristige Kostenverlauf: Gewinnmaximierung
Wie entwickeln sich die Erträge und Kosten, wenn der Einsatz aller Ressourcen im selben Ausmass erhöht wird?
- Sehr oft führt eine Verdoppelung des gesamten Ressourceneinsatzes einfach auch zur Verdoppelung der Produktion (z.B. Einstellung eines zweiten Zahnarztes). D.h. die Skalenerträge (=Änderung des Produktionsergebnisses durch proportionale Änderung aller Ressourceneinsätze) bleiben konstant.
- Interessanter ist es, wenn das Produktionsergebnis überproportional zum Einsatz aller Ressourcen steigt (=zunehmende Skalenerträge). Z.B. durch Fertigungsstrassen oder ähnliches. Doppelt so starke Motoren sind meistens nicht doppelt so teuer. Wenn die Skalenerträge steigen, sinken mit der Ausdehnung der Produktion die langfristigen Durchschnittskosten.
- Es gibt auch Fälle, wo die Skalenerträge sinken (z.B. wenn die schwerfälligen Unternehmen grosse Koordinations- und Kontrollarbeit des Managements erfordern).
Wenn ein Unternehmen das Stadium erreicht hat, wo ein vergrösserter Einsatz aller Ressourcen die Durchschnittskosten nicht mehr sinkt, hat es die langfristig optimale Betriebsgrösse erreicht.
Ein gewinnmaximierendes Unternehmen dehnt seine Produktion bis zu jenem Punkt aus, wo die Grenzkosten dem Verkaufspreis entsprechen. Es sind demnach die Grenzkosten, die das Verhältnis von Preis zu angebotener Menge bestimmen. Die Grenzkostenkurve wird zur Angebotskurve.
Langfristiges Betriebsminimum: Kritische Preisuntergrenze, bei welcher der Umsatz genau den Gesamtkosten entspricht (kein Gewinn) Kurzfristiges Betriebsminimum: Kritische Preisuntergrenze, bei welcher der Umsatz genau den variablen Kosten entspricht; und der Verlust genau den Fixkosten.
Mit freiem Marktzutritt werden die Gewinne wegkonkurriert:
Herrscht vollständiger Wettbewerb, tendiert der Marktpreis zum langfristigen Betriebsminimum.
Preiselastizität
Das Elastizitätenkonzept ist ganz allgemein auf die Messung der Reaktion einer Grösse infolge einer Veränderung einer anderen Grösse ausgelegt. Wir kennen Preiselastizitäten in der Nachfrage, im Angebot sowie bei Einkommensänderungen.
Nachfrage:
Um Preise festsetzen zu können (od. Fragen zu beantworten wie "Wann sind die Preise am höchsten, bei den üblichen Preisen, bei Preiserhöhungen oder Preissenkungen"), müssen wir wissen, wie sich die Nachfrage in Abhängigkeit des Preises verändert. Verlangt das Unternehmen zu viel, laufen die Kunden weg, verlangt es zu wenig, werden Erträge verschenkt. In obigem Beispiel wird der Preis von 40.- auf 30.- gesenkt (-25% ; Preis kommt immer unten). Die Nachfragekurve zeigt, dass die Nachfrage um 10'000 Ticket zunimmt (+50% von 20'000 = 30'0000). Bei der Preissenkung erhöhen sich demnach die Gesamteinnahmen um 100'000.--.
Da die Nachfragekurve negativ geneigt ist, muss auch die Preiselastizität negativ sein. Meistens lässt man allerdings die negativen Vorzeichen weg. Eine Elastizität von 2 bedeutet, dass bei dieser Preissenkung die Menge überproportional steigt, nämlich 2 Mal stärker als der Preis prozentual sinkt. Ist der Elastizitätwert grösser als 1, sprechen wir von einer elastischen Nachfrage, weil eine Preisänderung zu einer überproportionalen Änderung der nachgefragten Menge führt.
Die Preiselastizität der Nachfrage ist von folgenden Faktoren abhängig: Substitution (je mehr Substitute zur Verfügung stehen, desto höher ist die Preiselastizität), Wichtigkeit (le lebensnotwendiger, desto geringer die Elastizität), Anteil der Ausgaben für dieses Gut am Haushaltsbudget (je geringer dieser Anteil, desto geringer die Elastizität), Zeitaspekt (Je geringer die betrachtete Zeitperiode, desto höher die Elastizität der Nachfrage. Der Grund dafür ist, dass die Suche nach möglichen Substitutionen eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.), Produkte mit welchen einkommensschwächere Segmente angesprochen werden reagieren elastischer, da sie preissensitiver einkaufen. Eine positive Elastizität entsteht auch, wenn man den Preis als Qualitätsindikatior betrachtet. Auch wenn zwischen Preis und Qualität kein zwingeder Zusammenhang besteht, gehen Kunden bei gewissen Produkten und Dienstleistungen davon aus, dass das bessere mehr kostet (vor allem wenn Qualität schwer messbar). Einen gegenteiligen Einfluss haben die Komplementärgüter. So ist die Nachfrage nach Benzin relativ unelastisch, weil die Autofahrer bereits sehr viel in das Auto (Komplementärgut) investiert haben und deshalb auch bei hohem Preis Auto fahren.
Angebot:
Veränderung der angebotenen Menge in % / Veränderung des Preises in % = Preiselastizität des Angebots
Die Preiselastizität des Angebots misst die relative Änderung der angebotenen Menge infolge einer relativen Änderung des Preises. Elastisch sind gut haltbare und lagerfähige Produkte sowie Güter, die rasch in einer beliebigen Menge hergestellt werden können (z.B. Büroklammern). Je weniger lagerfähig ein Produkt ist (z.B. Erdbeeren) und je weniger sich die Produktion steuern lässt (z.B. Boden), desto unelastischer ist die Preiselastizität des Angebots. Im kurzfristigen Fall (z.B. frische Fische) kann das Angebot nur schwer oder gar nicht variiert werden. Die Elastizität ist deshalb 0. Im langfristigen Fall aber ist nicht nur eine Anpassung des Angebots, sondern auch der Eintritt oder Austritt von Anbietern möglich.
Raktion der Nachfrager auf Einkommensänderungen:
Die Einkommenselastizität der Nachfrage gibt an, um wie viel sich die Nachfrage nach einem Gut prozentual verändert, wenn sich das Einkommen ändert. Für den Unternehmer wäre es nicht nur äusserst wertvoll, die Preiselastizität der Nachfrage, sonder auch die Einkommenselastizität zu kennen. Dadurch könnte er seine Chancen im wirtschaftlichen Aufschwung als auch seine Risiken bei einem Abschwung richtig beurteilen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Erhöhung der Nahrungsmittelpreise um 1% die Konsumnachfrage um lediglich 0.05% sinken. Die Gesamtausgaben für Nahrungsmittel sind also relativ fix. Sinkende Preise erhöhen deshalb nicht den Konsum. sondern bewirken vor allem Veränderungen bei den Marktanteilen der verschiedenen Anbieter.
Keine Elastizitäten weisen Waren für den täglichen Gebrauch wie z.B. Salz und Toilettenpapier auf. Bei „normalen“ Güter ist die Elastizität positiv, doch bestenfalls im Verhältnis zur Einkommenssteigerung. Bei Luxusgütern ist die Elastizität hoch, d.h. die Nachfrage verändert sich prozentual stärker als das Einkommen. Schliesslich kommt es auch vor, dass mit steigendem Einkommen die Nachfrage nach einem Gut zurückgeht. Solche Güter nennt man inferiore Güter. Paradebeispiele: Kartoffeln und Bohnen
Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage
Modell der vollkommenen Konkurrenz:
- Homogene Produkte (lassen sich nicht voneinander unterscheiden)
- Grosse Anzahl Marktteilnehmer
- Freier Zutritt / (Marktaustritt)
- Marktteilnehmer sind bezüglich Preisen und Mengen informiert (sehr theoretisch; jemand ist immer besser informiert)
Der Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve wird als Marktgleichgewicht bezeichnet.
Die Preise sorgen also bei vollkommener Konkurrenz dafür, dass das Ergebnis effizient ist. Effizienz bedeutet, dass im Marktgleichgewicht alle Pläne in Erfüllung gehen und keine Ressourcen verschwendet werden. (Einschub: Staatliche Höchstpreise liegen immer unter Gleichgewichstpreis / Mindestpreise (z.B. Landwirtschaft) unter Gleichgewichtspreis)
Bei der Analyse der Auswirkungen eines Ereignisses auf das Marktgleichgewicht ist gemäss folgenden 3 Schritten vorzugehen:
- Entscheiden ob das Ereignis die Nachfragekurve, die Angebotskurve oder sogar beide Kurven verschiebt
- Entscheiden, in welche Richtung sich die entsprechende Kurve verschiebt
- Untersuchen der Wirkungen der Verschiebungen im Diagramm auf den Gleichgewichtspreis und die –menge
Preispolitik eines Monopolisten
Im Gegensatz zu Unternehmen auf Märkten mit vollständiger Konkurrenz kann der Monopolist den Marktpreis beeinflussen, weil er Alleinanbieter im Markt ist. Eine Preisänderung wirkt sich bei einem Monopolisten immer auf zweifache Weise auf seinen Gewinn aus. Einerseits kann er bei einem tieferen Preis eine grössere Menge verkaufen und so seinen Gewinn steigern (Mengeneffekt). Andererseits verliert er durch den Preiseffekt mit jeder Preissenkung auch einen Teil seines bisherigen Gewinns. Dies weil er auch den Kunden, die bereits beim höheren Preis das Produkt kauften, das Produkt nun günstiger verkauft. Der Monopolist muss bei seiner Preissetzung also immer beide Effekte - sowohl den Mengen- als auch den Preiseffekt - beachten. Um den optimalen Preis zu finden, bestimmt der Monopolist zuerst die Menge, die er verkaufen möchte. Diese bestimmt er so, dass bei der letzten verkauften Einheit die Grenzkosten gerade dem Grenzertrag entsprechen. In einem zweiten Schritt bestimmt er anhand der Nachfragefunktion, der er sich gegenüber sieht, den Preis mit dem er genau die optimale Menge verkaufen kann. Dazu ein Beispiel: Nehmen wir an Beck Peter ist der Inhaber der einzigen Bäckerei in der Stadt. Peter hat somit innerhalb der Stadt eine Monopostellung auf Brot. Die folgende Abbildung stellt seine Situation grafisch dar:
Die Abbildung zeigt die Nachfragefunktion, der sich Peter gegenüber sieht. Daraus ergibt sich die Grenzertragskurve. Die Grenzertragskurve zeigt, wie viel Peter mit dem weiteren Verkauf eines Brotes verdient. Zudem sind seine Grenzkosten eingezeichnet, die in diesem Fall immer 2 CHF pro Brot sind. Vereinfachend nehmen wir zusätzlich an, dass Peter keine Fixkosten habe.Peter fragt sich nun, wie teuer er sein Brot verkaufen soll, damit er den grössten Gewinn macht. Beginnen wir bei 8 CHF pro Brot. Zu diesem Preis könnte er nur 10 Brote verkaufen und sein Gewinn wäre 60 CHF (10 x 8 CHF - 10 x 2 CHF Grenzkosten). Bei einem Preis von 8 CHF pro Brot stimmen aber der Grenzertrag und die Grenzkosten noch nicht überein. Peter verdient mehr, wenn er mehr Brot produziert. Wenn er fünf Brote mehr backen und den Brotpreis auf 7 CHF senken würde, würde er einen Gewinn von 75 CHF machen (15 x 7 CHF - 15 x 2 CHF). Der Ertrag steigt im Vergleich zu vorher um 25 CHF (15 x 7 CHF - 10 x 8 CHF), während die Kosten nur um 10 CHF steigen (5 x 2 CHF). Durch die Preissenkung erhält Peter einen zusätzlichen Gewinn von 15 CHF. Dabei kann Peter sowohl den Preiseffekt als auch den Mengeneffekt beobachten. Durch den Preiseffekt wird sein Gewinn um 10 CHF kleiner, weil er auch "die ersten zehn" Brote nun für 7 CHF anstatt 8 CHF verkaufen muss. Dank dem Mengeneffekt aber steigt sein Gewinn um 25 CHF, weil er fünf weitere Brote mit je 5 CHF Gewinn pro Brot verkaufen kann. Peter führt diese Überlegungen nun immer weiter fort bis er zu dem Punkt kommt, an dem seine Grenzkosten gleich dem Grenzertrag sind. Bei Peter ist das bei einer Menge von 20 Broten der Fall. Wenn er jetzt noch ein Brot mehr herstellen möchte, würde sich sein Gewinn wieder reduzieren. Peter wird also seinen Gewinn maximieren, wenn er genau 20 Brote verkauft. Nun überlegt sich Peter, zu welchem Preis er diese 20 Brote verkaufen kann. Diese Überlegung ist recht einfach. Anhand seiner Nachfragefunktion sieht er, dass er genau dann 20 Brote verkaufen wird, wenn sie je 6 CHF kosten. In der Grafik entspricht die Menge von 20 Broten der grössten Fläche des Gewinnrechtecks.
Die Bedingung für die Gewinnmaximierung des Monopolisten lautet deshalb: Grenzerlös (der zusätzliche Umsatz aus dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit) = Grenzkosten (zusätzliche Kosten für die Produktion einer zustätzlichen Einheit)
Der Schnittpunkt, auch Cournatscher Punkt genannt, ist hierbei bei einem höheren Preis als bei der vollkommenen Konkurrenz.
Preisbildung im Wettbewerb
Wer im monopolistischen Wettbewerb steht, hat zwar, gleich wie ein Monopolist, einen Einfluss auf seinen Verkaufspreis. Doch der freie Marktzutritt garantiert für einen weitreichenden Unterschied: Langfristig werden keine Gewinne gemacht.
Bei einem Oligopol stehen auf einem Markt nur einige wenige Anbieter als Rivalen gegenüber. Alle kennen und beobachten einander. Was immer einer tut, hat einen Einfluss auf den anderen. Die Player schätzen die gesamte Marktnachfrage ab, berechnen den Grenzumsatz, vergleichen ihn mit den Grenzkosten der beteiligten Unterhemen und erhalten so eine Vorstellung, wo die gewinnmaximalen Preise liegen können. Zwar könnten die Oligopolisten den Preis und (zusammen) den Gewinn eines Monopolisten erzielen, wenn es ihnen gelänge zusammenzuspannen. Doch für einen Einzelnen würde es sich durchaus lohnen, mit etwas tieferen Preisen den Rivalen Kunden abzujagen oder sie sogar zu ruinieren. Kooperation wäre also einträglich, sie kann aber jederzeit durch ausscherende Unternehmen gefährdet werden.
Marktformen
Bei den extremen Formen des Monopol und der vollkommenen Konkurrenz ist die Analyse der Preisbildung relativ einfach. Bei vielen anderen Marktformen ist diese Analyse viel komplizierter und in einigen Fällen überhaupt nicht möglich. Ein Überblick über die Marktformen:
Die Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz und des Monopols sind in Wirklichkeit selten erfüllt (Viele Monopole wurden in CH privatisiert; z.B. Swisscom, Post. Ein Monopol hat z.B. noch die Bilag). Die am häufigsten anzutreffenden Marktformen sind das Oligopol und die monopolistische Konkurrenz. Innovative Unternehmer sind die Schlüsselfaktoren für die Dynamik der Wirtschaft und des Wettbewerbs.
Ein Oligopol ist eine Marktform mit einigen wenigen Anbietern für ein Gut (Angebotsoligopol), z.B. Autombile bestimmter Klasse, Computer, Zigaretten. Die Menge die ein Anbieter und seine wenigen Konkurrenten auf den Markt bringen, beeinflussen immer auch den Preis, ähnlich wie bei einem Monopol. In der Folge sind auf einem oligopolistischen Markt die Reaktionen der Anbieter auf einander von grosser Bedeutung. Zudem wird auch immer eine kleinere Menge als bei vollständiger Konkurrenz angeboten, was zu einem entsprechenden Wohlfahrtsverlust führt.
Auf einem Markt mit monopolistischer Konkurrenz bieten zwar alle Unternehmen vergleichbare Produkte an, d.h. Produkte, die grundsätzlich denselben Bedürfnissen dienen. Dennoch sind diese Produkte differenziert, also nicht genau gleich. Sie können sich z.B. im Bezug auf die Qualität, ihr Design oder sonstige Produkteigenschaften unterscheiden. (Z.B. Bücher, Coca Cola). Somit hat jeder Anbieter ein Monopol auf seinem Produkt. Da es aber Dutzende oder Hunderte Produkte gibt, welche einen ähnlichen Nutzen bieten, lassen sich die Produkte einzelner Hersteller relativ einfach durch andere austauschen. Die Anbieter auf einem Markt mit monopolistischer Konkurrenz verfügen so zwar über einen gewissen Spielraum zur Preissetzung und Preisstrategie. Dennoch sind sie aber eingeschränkt durch die Konkurrenz mit anderen Anbietern vergleichbarer Produkte.
Das Problem der Arbeitslosigkeit
Das Gut welches am Arbeitsmarkt gehandelt wird ist die Arbeitskraft der Menschen. Der Preis der dafür bezahlt wird ist der Lohn. Der Arbeitsmarkt ist jedoch kein Markt wie jeder andere. Er zeichnet sich durch folgende Besonderheiten aus:
- heterogenes Angebot --> jede Arbeitskraft ist ein Individuum mit unterschiedlichen Eigenschaften
- Teilnahme am Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer "überlebenswichtig"
- Beeinflussung der vertraglichen Abmachungen durch Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände sowie von zahlreichen Gesetzen
- Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist eine abgeleitete Nachfrage, weil sie von der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen abhängt
Das klassische Modell des Arbeitsmarktes
Die von links unten nach rechts oben verlaufende Kurve stellt das Angebot an Arbeitskräften dar. Die Opportunitätskosten für Freizeit steigt bei steigenden Löhnen an, deshalb auch die Nachfrage nach Arbeit. Wer zum Lohn im Marktgleichgewichtspreis (L1, M1) nicht zur Arbeit motiviert werden kann, ist freiwillig arbeitslos (lebt von anderen Einnahmequellen wie z.B. Eltern oder Partner).
Die Nachfragekurve verläuft entgegengesetzt. Ein Unternehmer fragt alle Arbeitskräfte nach, deren Wertschöpfung die Lohnkosten übersteigen. Je kleiner der Lohn, desto grösser ist deshalb die Anzahl Beschäftigter.
Bei flexiblen Löhnen gibt es im klassischen Arbeitsmodell keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit.
Würde man den Lohn nun „künstlich“ anheben, etwa durch einen gesetzlichen Mindestlohn, dann entstünde eine Lücke, weil immer nur die „kürzere“ Seite zum Zuge kommt. Das ist beim Lohn L2 die Nachfragekurve. Die als „Arbeitslosigkeit“ markierte Differenz beschreibt den Angebotsüberhang an Arbeitskräften..
Das keynesianische Modell des Arbeitmarktes
Die keynesianische Witschaftstheorie interpretiert Arbeitslosigkeit als die Folge von mangelnder Nachfrage auf den Gütermärkten. Löhne und Gehälter sind nicht nur Kosten, sondern auch Einkommen und damit reale Kaufkraft. Wenn allen Arbeitnehmern einen tieferen Lohn ausbezahlt wird, sinkt auch die Konsumgüternachfrage. Wenn der Rückgang der Konsumnachfrage nicht durch eine Erhöhung der Investitionen, der Exporte und der Staatsnachfrage kompensiert wird, kommt es zu einem Rückgang der Gesamtnachfrage mit Auswirkungen auf die Preise, Zinsen etc. Eine Rezession mit deflationären Folgen ist nicht auszuschliessen. Zudem zweifeln Keynesianer an der Lohnflexibilität, wie sie im klassischen Arbeitsmarktmodell angenommen wird. Lohnrigidäten (Lohnstarre) führen bei Störungen am Arbeitsmarkt zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Gründe für starre Löhne:
- Institutionelle Faktoren: Gesetzliche Mindestlöhne, Arbeitsmarktregulierungen wie Kündigungs- oder Sozialplanvorschriften sowie flächendeckende Gesamtarbeitsverträge
- Das "Insider-Outsider-Modell": "Insider" (Arbeitsplatzbesitzer vertreten durch Gewerkschaften setzten Lohnerhöhungen für sich durch, anstatt durch Lohnkürzungen den "Outsidern" (Arbeitslosen) eine Chance auf einen Arbeitsplatz zu eröffnen. Für die Unternehmen lohnt es sich nicht, auf die tieferen Lohnforderungen der Arbeitslosen einzugehen, weil sie in ihre Beschäftigten investiert haben (Einarbeitung, Weiterbildung etc.)
- Die Effizienzlohntheorie: Grundlegend für die Effizienzlohntheorie ist, dass die Produktivität eines Beschäftigten positiv vom gezahlten Lohn abhängt (Motivation). Zudem erhält eine Unternehmung, die mehr Lohn zahlt, mehr Bewerbungen und kann aus den qualifiziertesten Bewerbern aussuchen. Weiter muss sie weniger Kündigungen entgegen nehmen und kann so Such-, Einstellungs- und Weiterbildungskosten sparren.
Typen von Arbeitslosigkeit
- Friktionelle Arbeitslosigkeit: Für die Wirtschaftspolitik unproblematisch. Ursachen: saisonale Nachfrageschwankungen (z.B. im Tourismus oder Landwirtschaft) oder in Stellenwechseln und damit verbundenen Suchprozessen
- Konjunkturelle Arbeitslosigkeit: Arbeitslosigkeit infolge Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Temporär.
- Strukturelle Arbeitslosigkeit: Ursachen: Anpassungen der Produktionsstruktur und Produktionstechniken. Diese setzen eine neue Qualifikation der Arbeitgeber voraus (z.B. PC-Kenntnisse). (Mismatch-Arbeitslosigkeit: In der Schweiz sorgt seit einer Zeit der schweinbare Wiederspruch zwischen steigender Erwerbslosgikeit einerseits und erhöhter Erwerbstätigkeit andererseits für Irritationen. Öknomen sprechen von Mismatch-Arbeitslosigkeit. Die Erwerbslosen erfüllen das Anforderungsprofil der Arbeitgeber nicht, weshalb sie auf ausländische Erwerbstätige zurückgreifen).
- Sockelarbeitslosigkeit: Jeder konjunkturelle Einbruch ruft einen Anstieg an Arbeitslosen hervor, der am Ende der anschliessenden Erholungsphase einen Restbestand, einen Sockel an Arbeitslosen, zurücklässt. Sockelarbeitslosigkeit ist also jenes Niveau der Arbeitslosigkeit, das in konjunkturneutralen Phasen besteht. Sie setzt sich aus der friktionellen und strukturellen Arbeitslosigkeit zusammen.
Die Beveridge-Kurve
Die Beveridge-Kurve (nach William Henry Beveridge) ist ein einfaches ökonomisches Modell, das a) den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen zeigt und b) friktionelle und konjunkturelle Arbeitslosigkeit gegenüberstellt.
Die vertikalen Achse misst die offenen Stellen. Auf der horizontalen Achse wird die Anzahl der Arbeitslosen eingetragen. Alle Punkte, die auf der Winkelhalbierenden liegen, zeichnen sich dadurch aus, dass in genau gleich großem Umfang Arbeitslosigkeit und offene Stellen auftreten. Alle Punkte auf dieser Geraden entsprechen der Sockelarbeitslosigkeit (friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit). Punkte auf der Beveridge-Kurve rechts der Winkelhalbierenden stellen Ungleichgewichte dar, in welchen Stellenmangel vorherrscht (konjunkturelle Arbeitslosigkeit), Punkte links der Winkelhalbierenden dagegen kennzeichnen Ungelichgewichte mit Stellenüberhang.
Die Beveridge-Kurve für die Schweiz
Ursachen für Zunahme der Sockelarbeitslosigkeit
In einem flexiblen Arbeitsmarkt sollte es gar nicht zu einer unfreiwilligen Arbeitslosigkeit kommen. Die Sockelarbeitslosigkeit nimmt jedoch stetig zu. Gründe dafür:
- Regulierungen des Arbeitsmarktes
- Rasanter Strukturwechsel (je mehr z.B. die technologische Entwicklung zum Verlust von Arbeitsplätzen für Unqualifizierte führt, desto mehr verlieren Unqualifizierte ihre Stelle und finden keine neue Beschäftigung mehr).
Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
Leider gibt es zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit kein allgemein gültiges Rezept. Je nach Analyse fällt die Therapie anders aus. Zudem spielen Wertvorstellungen eine Rolle, so dass auch Empfehlungen von Ökonomen unterschiedlich ausfallen können. Die Bekämpfung kann direkt auf dem Arbeitsmarkt oder indirekt auf dem Gütermarkt ansetzen:
Ansatzpunkte auf dem Gütermarkt
- Stärkung der Wettbewerbskraft (Befreiung der Volkswirtschaft von all jenen Schutzzäunen, Verboten und weiterem protektionistischen Ballast, die den Marktkräften hinderlich sind)
- Erhöhung der Standortattraktivität (politische und monetäre Stabilität, ein ungehinderter Markzutritt gegen aussen, gute Infrastruktur, Rechtssicherheit, niedrige Steuern, gutes Aus- und Weiterbildungssystem)
- Steigerung der Innovationsfähigkeit und der Produktivität durch die Unternehmer
- Beschäftigungsprogramme: Staatliche Ausgabenerhöhung, Steuererleichterung etc. (mit Vorsicht: mögliche prozyklische Wirkung)
Ansatzpunkte auf dem Arbeitsmarkt
- Flexibilität des Arbeitsmarktes: „Mehr Markt für den Arbeitsmarkt“, weniger gesetzliche Regelungen wie verbesserter Kündigungsschutz
- Bildungspolitik: Lebenslanges Lernen
- Arbeitszeitverkürzungen: „Wenn nicht mehr alle Arbeit haben muss eben die verbleibende Arbeit auf mehr Hände verteilt werden“. Geteilte Meinungen zu diesem Thema, da Arbeitsvolumen kein Kuchenstück ist, welches einfach umverteilt werden kann (Themen Erhöhung Lohnstückkosten, Lohnrückgänge für Arbeitnehmer).
- Ausländerpolitik: Je stärker die Zuwanderer Substitute für die vorhanden Arbeitskräfte sind, um so bedrohlicher erscheinen sie; sind sie dagegen Komplemente, so helfen sie mit, die Produktivität und damit auch die Entlohnung der Einheimischen zu steigern.
Begriffe, Quoten, Statistiken
- Arbeitslos: Als arbeitslos werden die Personen erfasst, die bei der Arbeitsverwaltung als arbeitslos registriert sind. (Arbeitslose sind nicht gleich Erwerbslose)
- Stellensuchende: Als Stellensuchende gelten neben den registrierten Arbeitslosen auch eingeschriebene Stellensuchende, die entweder nicht sofort vermittelbar sind und/oder über Arbeit verfügen (Beschäftigungsprogramme, Umschulung, Zwischenverdienst etc.)
- Erwerbsperson: Die Erwerbspersonen umfassen das Arbeitskräfteangebot – also Erwerbstätige, registrierte und nicht registriere Arbeitslose im Alter zwischen 15-64 Jahren
- Arbeitslosenquote: Arbeitslose in % der Erwerbspersonen. Die Quote wird monatlich vom SECO erfasst. Für internationale Vergleiche ungeeignet.
- Erwerbslosenquote: Erwerbslose in % der Erwerbspersonen. Wird vom Bundesamt für Statistik mittels Arbeitskräfteerhebung (SAKE) ermittelt. Es gelten alle Personen zwischen 15-64 als erwerbslos, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren, in den vergangenen vier Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären. Für internationale Vergleiche geeignet.
- Erwerbsquote: Erwerbspersonen in % der Bevölkerung (15-64 Jahre). Diese Quote zeigt, wie viel Prozent einer Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter entweder eine Stelle haben oder eine suchen. Die Differenz zu 100% sind die Nichterwerbspersonen (Personen die nicht arbeiten wollen oder können, z.B. aus Krankheitsgründen)
- Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige in % der Bevölkerung (15-64 Jahre). Die Erwerbstätigenquote zeigt, wie viel Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Arbeitsprozess integriert sind.
- Statistik der Erwerbstätigen des Bundesamt für Statistik: personenorient, d.h. jede erwerbstätige Person wird einmal erfasst (auch wenn sie zwei Jobs hat). Als Erbwerbstätig gilt, wer mind. 1 Std./Woche einer bezahlten Arbeit nachgeht oder unentgeltlich in einem Familienbetrieb tätig ist. --> liefert strukturelle Infos
- Beschäftigungsstatistik des Bundesamt für Statistik: Stellenorientiert, d.h. jede besetzte Stelle wird erfasst. Die Beschäftigten werden anhand des Beschäftigungsgrades unterteilt. –> liefert konjunkturelle Infos
Die Arbeitsmarktentwicklung in der Schweiz
- 1920-1945: Hohe Arbeitslosigkeit infolge Wirtschaftskrisen
- 1646-1973: Praktisch keine Arbeitslosigkeit; die herrschende Knappheit an Arbeitskräften wurden im Ausland kompensiert.
- 1974-2010: Die Jahre sind gekennzeichnet durch einen strukturellen Umbruch und einen tendenziellen Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit.
In den 90er Jahren hat sich der Arbeitsmarkt verändert. Im Unterschied zu früheren Wirtschaftskrisen führen nämlich seither vergleichsweise moderate Rückgänge der Erwerbstätigen zu einem erheblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Gründe dafür liegen vorwiegend bei folgenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt:
- Ausländerpolitik: In früheren Rezessionsphasen waren ausländische Arbeitskräfte stark überproportional von Beschäftigungseinbussen betroffen. Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutete die erzwungene Rückkehr ins Herkunftland. Die Schweiz exportierte ihre Arbeitslosen. In den 80er und 90er Jahren stieg die Anzahl der Niedergelassenen von 30% auf 60% an. Heute haben wir mit der EU ein Personalfreizügigkeitsabkommen, über dessen Ausgestaltung zurzeit neu verhandelt wird.
- Frauenrolle: In Rezessionsphasen erfüllten früher die Frauen - ähnlich wie die Ausländer - eine Pufferfunktion. Die Pufferfuktion ist mit der steigenden Erwerbsquote der Frauen und dem steigenden Bildungsgrad im Laufe der Zeit verschwunden.
- Arbeitslosenversicherung: In der Schweiz wurde 1977 die Arbeitslosenversicherung obligatorisch. Dies machte die Existenz der Arbeitslosigkeit sichtbar.
Trotz diesen Veränderungen ist die Erwerbslosenquote mit 4% im Vergleich zum Ausland (EU-Durchschnitt 10%) relativ tief. Dies dank einer zurückhaltenden Regulierung von Arbeitsverhältnissen, gesunden Staatsfinanzen, einem guten Bildungssystem sowie einer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, welche der Eingliederung in den Arbeitsmarkt höchstmögliche Priorität einräumt.
Lohnniveau
Die Löhne und der Lebensstandart sind im letzen Jahrhundert so stark gestiegen, weil die Produktivität massiv gesteigert werden konnte. Die Unterschiede in der Arbeitsproduktivität sind auch für die Lohndifferenz zwischen den Branchen mitentscheidend. Löhne wiederspiegeln Knappheitsverhältnisse, deshalb können diese bei aussergewöhnlichen Begabungen wie Sportler oder Schauspieler sehr hoch ausfallen.
Auch bei Managerlöhnen werden Knappheitsverhältnisse wiederspiegelt. Jedoch sind hier einige Marktunvollkommenheiten zu beobachten: So herrscht beispielsweise zwischen Managern und Eigentümern eine asymmetrische Informationsverteilung bezüglich der Arbeitsproduktivität der Manager, was dazu führt, dass die Manager den Lohn zu ihren Gunsten beeinflussen können. Zudem ist für einen funtkionierenden Markt hohe Transparenz eine wichtige Voraussetzung, die im Managermarkt nicht gegeben ist.
Trends
- In der Schweiz gibt es immer mehr Frauen, die einen Beruf ausüben
- Teilzeitarbeit nimmt zu - Wöchentliche Arbeitszeit nimmt an
- Löhne steigen und werden flexibler
- Starke Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte








