VWL
VWL
Aktuelles
- Probleme Euro-Raum: Wachstumsschwäche / Hohe Verschuldung / Hohe Arbeitslosigkeit
- Verschuldung CH: 39-40%. Im internationalen Vergleich ein guter Wert.
- Verschuldung DE: 80-90% vom BIP. Hat zugenommen (Rente (Leute werden älter; aber immer weniger Leute helfen zahlen (ab 60er Jahren Pille)), Bildung, Gesundheitskosten etc. steigen)
- Verschuldung Griechenland 170%, Italien 130%; weitere Euro Länder auch sehr hoch. Hohes Problem. Ausgaben des Staates müssen reduziert werden --> Schuldenbremse
- Euro-Zone: 19 Länder http://de.wikipedia.org/wiki/Eurozone
- EU-Staaten: 28 Länder http://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliedstaaten_der_Europ%C3%A4ischen_Union
- Der Erdölmenge ist u.a. infolge neuer Massnahmen zur Förderung gestiegen, daher sinkt der Erdölpreis. Der tiefe Preis führt dazu, dass die Inflation sinkt (da weniger Konsum, bzw. Ausgaben). --> Gefahr von Arbeitslosigkeit
- Masseneinwanderungsinitiative am 9.2. gab einen "Ruck" durch die CH. Ähnlich wie beim EU-Nein im 1992. Die bisherigen Hauptfeiler der bilateralen Verträge mit der EU beinhalten Freiheiten betreffend Kapitalverkehr, DL-Verkehr, Güter-Verkehr und Personenverkehr.
- Die Rating-Agentur Standard & Poors senkte Japans Bonität am 27.1.2011 erstmals seit neun Jahren auf AA- und damit drei Stufen unter der Bestnote von AAA. Denn es fehlte der japanischen Regierung an einem glaubwürdigen Plan, wie sie das Problem der ausufernden Staatsverschuldung in den Griff bekommen wolle. Japan hat heute bereits die schlechteste Haushaltslage aller entwickelten Industriestaaten und ist mehr als dem Doppelten seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet.
- Im Januar 2011 hat sich die Börse von Kairo um 21% verschlechtert. Durch die öffentlichen Proteste gegen das Regime des ägyptischen Machthabers Hosni Mubarak hat sich die Talfahrt der Börse fortgesetzt. Im Vergleich mit Tunesien oder Algerien, wo es jüngst zu Unruhen kam, sind ausländische Anleger im Ägypten im grösseren Umfang mit Porfolioinvestitionen engagiert. Daher verkaufen Ausländer im Moment vermehrt ägiptische Wertpapiere, was zu einer erwähnten Talfahrt der Börse von Kairo führt.
- Dotcom-Blase: Internetfirmen in den USA machten keinen Gewinn, Aktien waren aber sehr hoch. Viele Fehlinvestitionen. http://www.finanz-lexikon.de/dotcom-blase_1449.html
- BRICS-Staaten (Vereinigung aufstrebender Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) http://www.finanz-lexikon.de/dotcom-blase_1449.html
- Griechenland: Problem Euro: Externe Abwertung nicht mehr möglich, da an Währung gebunden. Interne Kürzungen notwendig.
- Laffer-Kurve: Steuersatz muss gesenkt werden, damit Einnahmen höher: https://de.wikipedia.org/wiki/Laffer-Kurve
- Kapitalverkehrskontrolle: Verbot das Ausländer in CH CHF kaufen können (riesen Eingriff in Markt) https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalverkehrskontrolle
- FED hat Vollbeschäftigung und Preisstabilität als Ziel. Daher zurzeit Nullzinspolitik. Amerikanischer Wirtschaft geht es aber nicht all zu schlecht. Arbeitslosigkeit 5.5% (CH 3.5%). Der Dollar wird stärker. --> Aufgrund der hohen Devisenreserven ist dies für die SNB gut.
- Euro hingengen wird schwächer; ENB pumpt Geld um Konsum anzuregen (Ziel höhere Preise)
- 15.1.: Schweiz ist gegenüber EU teurer geworden (ca. 15 Rp. = relativ viel). Wahrscheinlich wird der Tourismus dies stark merken. Bei der Industrie werden die Auswirkungen unterschiedlich sein. Die Maschinenindustrie wird dies auch schmerzhaft zu spüren erhalten; die Riesen wie z.B. Roche eher weniger (rechnen in Dollar). Das Wirtschaftswachstum wird tendenziell etwas zurück gehen. Die CH ist troztdem gut aufgestellt mit polit. Stabilität, schnell, diversifiziert.... dies wird helfen den Schock gut zu überwinden.
- Die CH war bislang punkto Wachstum auf hohem Niveau. Wir sind in den letzten Jahren gewachsen, da Einwanderung "umgemünzt" werden konnte. Nun wachst aber die Bevölkerung nicht mehr... Weiteres Wachstum schwierig! Es müssten mehr Leute arbeiten --> Frauenproblem. (CH 8 Mio. Einwohner, Amerika 320 Mio. Einwohner, Indien 1.3 Mrd.)
- Politische Ruhe in Europa haben wir nicht zuletzt der EU zu verdanken
- Nachschlagewerk aktuelle Themen: https://www.vimentis.ch
- Bundesräte und Departemente:
Einführung
Knappheit, Tausch, Güter und Produktionsfaktoren
Die Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich mit dem Problem der Knappheit und mit dem Tausch. Knappheit: Die Knappheit charakterisiert das Verhältnis zwischen den verfügbaren Mitteln und den Bedürfnissen. Die Bedürfnisse sind unbegrenzt. Gemäss Bedürfnispyramide von Maslow werden die folgenden Bedürfnisse unterschieden: Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Wertschätzungsbedürfnisse, Selbstverwirklichungsbedürfnisse. Tausch: Güter sind – in aller Regel – das Ergebnis eines Produktionsprozesses und dienen der Bedürfnisbefriedigung. Güter sind begrenzt. Durch Tausch versuchen wir jene Güter zu erhalten, die uns mehr wert sind als das, was wir dafür hergeben müssen. Die Güter werden wie folgt unterschieden:
Produktionsfaktoren: Arbeit, natürliche Ressourcen, Kapital, Wissen
Arbeitsteilung und Spezialisierung entschärfen das Knappheitsproblem, weil sich dadurch die Produktivität und damit das Gütervolumen erhöhen lässt.
Damit die Arbeitsteilung und der Tausch funktioniert, benötigt man Geld. Es hat die Funktion als Zahlungsmittel, als Rechnungseinheit und als Wertaufbewahrungsmittel. Alle drei Funktionen, die durch das Geld ermöglicht werden, helfen mit, die sogenannten Transaktionskosten zu senken (Kosten die entstehen, wenn man ein Tauschgeschäft abwickeln will. Z.B. für Suche von Tauschpartnern, Informationsbeschaffung über Anbieter etc).
Homo oeconomicus
Der Homo oeconomicus steht für Nutzenoptimierung. Der Mensch muss täglich Entscheidungen treffen, da seine Bedürfnisse unbegrenzt, die Güter aber begrenzt sind. Die Volkswirtschaftslehre interessiert die Frage, wie entschieden wird. Sie hat daher das Model des „Homo oecomomicus“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein vereinfachtes Menschenbild, welches davon ausgeht, dass der Mensch stets nach einem ökonomischen Prinzip handelt (ein bestimmtes Ziel soll mit minimalen Aufwand erreicht werden, bzw. bei vorgegebener Aufwandsmöglichkeit soll ein möglichst hohes Ziel erreicht werden). Dieser modellhafte und idealtypische Mensch ist absolut rational und materiell orientiert, kennt weder Vorlieben, noch Vorurteile oder immaterielle Präferenzen und verfügt zudem über umfassende Marktinformation. Weiter ist ein wichtiger Einflussfaktor das eigennützige Handeln. In der Praxis hat sich diese Vereinfachung des Menschenbildes kaum bewährt, zumal sich gezeigt hat, dass viele Entscheidungen auf immaterielle Faktoren beruhen (Image, Gruppendynamik etc). Die Ökonomie bemüht sich deshalb laufend, ihr Menschenbild zu erweitern, zu verfeinern und realitätsnah zu gestalten, um Vorgänge in Wirtschaft und Gesellschaft besser erklären zu können.
Eine rationale Entscheidung erfordert ein Abwägen der Vor- und Nachteile aller verschiedenen Möglichkeiten. Eine Entscheidung kostet den Verzicht auf den Nutzen der nicht gewählten Alternative. Diesen Verzicht bezeichnen die Ökonomen als Opportunitätskosten. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Opportunitätskostenprinzip ist, dass nichts gratis ist.
Aufgaben der Volkswirtschaftslehre
Beschreiben, erklären, prognostizieren (z.B. KOF ETH, SECO) und zielgerichtetes beeinflussen (z.B. Nationalbank, economiesuisse) von wirtschaftlichen Vorgängen. Dabei besteht die Kunst darin, kurzfristige und langfristige Auswirkungen der Massnahmen zu berücksichtigen und die Folgen für alle, nicht nur für Einzelne, zu bedenken.
Ziele
Das magische Sechseck: Vollbeschäftigung (ab einer Arbeitslosenquote von 2%), Wirtschaftswachstum (Teuerung von 2% wird als gut erachtet), Umweltqualität, Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht, Preisstabilität, Sozialer Ausgleich (Gini-Koeffizient = Einkommensverteilung auf die Bevölkerung. Je höher Koffizienz, desto höher die Schere). Es ist schwierig, alle Ziele gleichzeitig zu erreichen. Drei Zielbeziehungen lassen sich unterscheiden: Zielharmonie, Zielneutralität, Zielkonkurrenz.
Weitere Ziele können hinzu kommen. Z.B. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft.
Opportunitätskosten und Austauschbeziehungen (Trade-offs: Wird das eine besser wird sogleich das andere schlechter) prägen die Entscheidungen zwischen verfügbaren Möglichkeiten.
Anreize und ihre Wirkung
Die VWL hat sehr unterschiedliche „Werkzeuge“ zur Verfügung ( MwSt., Handelsabkommen, Kartellverbote, Subventionen, Stipendien etc.). Das Streben des Menschen nach seinem eigenen Vorteil macht ihn besonders empfindlich für Anreize. Allerdings sind politische Steuerungsversuche immer von ungewissen Nebenfolgen begleitet. Als z.B. Gebühren für Kehrichtsäcke eingeführt wurden, nahm zwar die Anzahl Säcke ab, dafür hat das Gewicht zugenommen, wilde Deponien vermehren sich und Abfalltransporte in Nachbargemeinden traten auf. Der Mensch handelt aber nicht nur, wenn er von aussen einen Anreiz erhält, also aus extrinsischer Motivation. Er tut auch vieles aus sich selbst heraus, aus instrinsischer Motivation.
Die Preisbildung und die Marktwirtschaft
Die Preisbildung
Die Preisbildung: Nachfrage
Die Nachfrage eines Gutes wird durch folgende Faktoren beeinflusst: Preis, Nutzenvorstellung, Preis anderer Güter, Einkommen, Erwartungen für die Zukunft (z.B. erwartete Preissteigerung). Die Annahme, dass sich nur ein Faktor verändert und alles andere gleich bleibt wird „ceteris paribus“ genannt.
In den meisten Fällen gilt: Je günstiger ein Gut (ceteris paribus), desto mehr wird vom Gut nachgefragt bzw. gekauft. Je teurer das Produkt ist, desto weniger wird im Normalfall gekauft. Eine Ausnahme stellen so genannte Giffen-Güter dar, bei denen die Nachfrage steigt, wenn das Gut teurer wird und umgkehrt. Dieses Phänomen kann vor allem bei Luxus- bzw. Prestigegütern beobachtet werden. Formal gesehen entspricht die Nachfragekurve dem Grenznutzen bzw. der Zahlungsbereitschaft des Nachfragers im entsprechenden Punkt. D.h. sie zeigt für jede Menge an wieviel der Nachfrager maximal zu bezahlen bereit ist, um eine weitere Einheit des Gutes zu bekommen. Beispiel:
Die obenstehende Grafik zeigt Annas Brotnachfrage. Bei einem Preis von 6 Fr. pro Stück ist für Anna das Brot zu teuer, sie kauft überhaupt kein Brot und kauft lieber andere Produkte mit ihrem Geld. Je tiefer der Stückpreis liegt, umso mehr Brote kauft Anna. Wie die Kurve zeigt ist Anna z.B. bereit bei einem Preis von 2 Franken 4 Brote zu kaufen. Wie man an der Kurve erkennen kann, wird Anna aber nie mehr als 6 Brote kaufen, auch wenn sie diese geschenkt bekäme. Diese Menge wird Sättigungsmenge genannt. Anna kann ganz einfach nicht mehr Brote brauchen. (Das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen wird auch das erste Gossensche Gesetz genannt).
(Eselsbrücke zur Zeichnung: N)
Verschiebung der Nachfragekurve
Eine Bewegung auf der Kurve stellt sich dann ein, wenn sich der Marktpreis verändert, alles andere aber gleich bleibt.
Dies ist nicht zu verwechseln mit einer Verschiebung der Kurve. Eine Verschiebung der Nachfragekurve bedeutet, dass der Nachfrager bei jedem Preis bereit ist eine grössere bzw. kleinere Menge nachzufragen. Verschieben kann sich die Nachfragekurve aus folgenden Gründen:
- Höhere/Tiefere Nutzeneinschätzung
- Trends
- Steigende/sinkende Preise von Substitutionsgüter (Güter mit denen man andere Güter ersetzt (z.B. Butter und Margarine))
- Steigende/sinkende Preise von Komplementärgüter (Güter die sich ergänzen und deshalb zusammen gehören (z.B. Autos und Reifen))
- Höhere/tiefere Einkommen
- Erwartete Preissteigerungen / -senkungen
Die Nachfragekurve lässt sich sowohl für eine Person als auch für den gesamten Markt ermitteln. Dabei ist die Marktnachfrage nichts anderes als eine Zusammenfassung aller Nachfragekurven derjenigen, die auf diesem Markt als Nachfrager auftreten. Die Nachfragekurve des Marktes verschiebt sich demzufolge auch, wenn sich die Anzahl Nachfrager verändert, bzw. wenn die Bevölkerung wächst.
Die Preisbildung: Angebot
Die angebotene Menge eines Gutes wird durch folgende Faktoren beeinflusst: Preis, Kosten (z.B. Löhne, Material), Technologie, Staat (z.B. Steuerlast).
Die angebotene Menge eines Gutes steigt in der Regel mit steigenden Preisen und nimmt umgekehrt bei sinkenden Preisen ab.
Im Normalfall steigt die Angebotskurve mit zunehmender Menge an. Je höher der Preis ist umso höher wird also auch die angebotene (produzierte) Menge sein.
Peter hat eine kleine Backstube mit einem kleinen Backofen in dem er verschiedene Produkte wie Brote, Kuchen, Gipfel etc. backen kann. Gemäss der in der Grafik dargestellten Angebotskurve, wird Peter keine Brote backen, wenn er dafür 0 oder nur 1 Franken bekommt. Dann backt er lieber andere Produkte oder arbeitet gar nicht und geniest die Freizeit. Für 2 Franken ist Peter bereit 10 Brote zu backen. Mehr aber nicht, denn es ist für ihn lukrativer seinen kleinen Ofen auch noch dafür zu nutzen andere Gebäcke herzustellen. Mit steigendem Marktpreis für das Brot wird Peter immer mehr Brot backen und dafür zum Beispiel weniger Kuchen oder Gipfel. Denn am Brot verdient er inzwischen mehr. So bäckt er bei 3 Franken 20 Brote oder bei 4 Franken 30 Brote. Mit zunehmendem Preis wird er den Backofen schliesslich nur noch dazu nutzen Brote zu backen und keine anderen Produkte mehr herstellen. Er wird sogar einen zweiten Ofen kaufen und eine teure Hilfskraft einzustellen. Deshalb steigt die Angebotskurve für ein Gut mit zunehmendem Preis an. Es ist klar, dass eine zweite Hilfskraft weniger zur Produktionssteigerung beiträgt, als der vorher eingestellte (der Grenzertrag sinkt). Bei 10 Angestellten kann die Produktion sogar kleiner werden, weil sich die Arbeiter gegenseitig auf den Füssen stehen. Dieses Phänomen wird als Ertragsgesetz bezeichnet: Wird der Einsatz eines Produktionsfaktors bei Konstanz der Menge der übrigen Faktoren erhöht, so nimmt der Output (Etrag) zunächst mit steigenden, dann mit fallenden Grenzerträgen zu, bis schliesslich der Output sinkt, der Grenzertrag also negativ wird. (Grenzertrag: Der zusätzliche Gewinn, der aus dem Verkauf eines Produkts (einer kleinen Menge eines Produkts) resultiert).
Steigende Grenzkosten korrespondieren also mit fallenden Grenzerträgen – und umgekehrt.
Auch die Angebotskurve lässt sich sowohl für einen Anbieter ermitteln als auch für den gesamten Markt. Dabei ist das Marktangebot nichts anderes als eine Zusammenfassung aller Angebotskurven derjenigen, die auf diesem Markt als Anbieter auftreten. Die Angebotskurve des Marktes verschiebt sich deshalb, wenn neue Anbieter auftreten oder sich bisherige Anbieter aus dem Markt zurück ziehen.
(Eselsbrücke zur Zeichnung: A)
Verschiebung der Angebotskurve
Eine Bewegung auf der Kurve stellt sich dann ein, wenn sich der Preis verändert, alles andere aber gleich bleibt. Dies gilt es nicht zu verwechseln mit einer Verschiebung der Kurve. Gründe für eine Rechts-/Linksverschiebung der Kurve (nach links = Reduktion Produktion):
- Sinkende/Steigende Faktorkosten (z.B. Löhne, Zinsen)
- Fortschritte/Rückschritte in den Produktionsverfahren
- Positive/negative externe Einflussgrössen (z.B. gute Weinernte infolge schönem Wetter)
- Staatliche Massnahmen (z.B. Zollreduktion, Steuererhöhung)
- Erwartete Preissenkung / -erhöhung
Hintergrund für den Verlauf der Angebotskurve
Kurze Frist
Variable Kosten: Kosten die für jedes Stk. dazu kommen (z.B. Rohmaterialkosten, Löhne)
Fixkosten: z.B. Miete, Zins
Langfristig sind alle Kosten variabel. Gebäude können erweitert oder anders genutzt, neue Maschinen gekauft, verkauft oder verschrottet werden. In der langen Frist können sogar Firmen gegründet und aufgelöst werden.
Die Grenze zwischen der kurzen und der langen Frist ist von Branche zu Branche unterschiedlich (bei einem Flughafen z.B. länger als bei einem Kopierladen).
Der kurzfristige Kostenverlauf:
- Grenzkosten = zusätzliche Kosten für die Produktion einer Einheit
Die Grenzkosten fallen dort, wo die Produktion im Team effizienter und damit kostengünstiger ist, als wenn Einzelne isoliert an der Arbeit sind.
Wenn die Produktion mit der Ausweitung immer weiter an die Grenzen ihrer bestehenden Anlagen stösst, steigen die Grenzkosten wieder, da die Schranken steigen (z.B. Arbeiter stehen sich auf den Füssen, Maschinen besetzt --> Wartezeiten). Das Gesetz vom abnehmenden Grenzprodukt: Wird der Einsatz von (variablen) Ressourcen erhöht, während andere (fixe) Ressourcen unverändert bleiben, so kann zwar das Grenzprodukt zunächst zunehmen und dann auf hohem Niveau bleiben. Doch früher oder später werden Schranken erreicht, die bewirken, dass das Grenzprodukt abnimmt. Die Produktion, die mit zusätzlichen variablen Ressourcen erzielt werden kann, wird also immer kleiner und könnte schliesslich sogar negativ werden.
Der langfristige Kostenverlauf: Gewinnmaximierung
Wie entwickeln sich die Erträge und Kosten, wenn der Einsatz aller Ressourcen im selben Ausmass erhöht wird?
- Sehr oft führt eine Verdoppelung des gesamten Ressourceneinsatzes einfach auch zur Verdoppelung der Produktion (z.B. Einstellung eines zweiten Zahnarztes). D.h. die Skalenerträge (=Änderung des Produktionsergebnisses durch proportionale Änderung aller Ressourceneinsätze) bleiben konstant.
- Interessanter ist es, wenn das Produktionsergebnis überproportional zum Einsatz aller Ressourcen steigt (=zunehmende Skalenerträge). Z.B. durch Fertigungsstrassen oder ähnliches. Doppelt so starke Motoren sind meistens nicht doppelt so teuer. Wenn die Skalenerträge steigen, sinken mit der Ausdehnung der Produktion die langfristigen Durchschnittskosten.
- Es gibt auch Fälle, wo die Skalenerträge sinken (z.B. wenn die schwerfälligen Unternehmen grosse Koordinations- und Kontrollarbeit des Managements erfordern).
Wenn ein Unternehmen das Stadium erreicht hat, wo ein vergrösserter Einsatz aller Ressourcen die Durchschnittskosten nicht mehr sinkt, hat es die langfristig optimale Betriebsgrösse erreicht.
Ein gewinnmaximierendes Unternehmen dehnt seine Produktion bis zu jenem Punkt aus, wo die Grenzkosten dem Verkaufspreis entsprechen. Es sind demnach die Grenzkosten, die das Verhältnis von Preis zu angebotener Menge bestimmen. Die Grenzkostenkurve wird zur Angebotskurve.
Langfristiges Betriebsminimum: Kritische Preisuntergrenze, bei welcher der Umsatz genau den Gesamtkosten entspricht (kein Gewinn) Kurzfristiges Betriebsminimum: Kritische Preisuntergrenze, bei welcher der Umsatz genau den variablen Kosten entspricht; und der Verlust genau den Fixkosten.
Mit freiem Marktzutritt werden die Gewinne wegkonkurriert:
Herrscht vollständiger Wettbewerb, tendiert der Marktpreis zum langfristigen Betriebsminimum.
Preiselastizität
Das Elastizitätenkonzept ist ganz allgemein auf die Messung der Reaktion einer Grösse infolge einer Veränderung einer anderen Grösse ausgelegt. Wir kennen Preiselastizitäten in der Nachfrage, im Angebot sowie bei Einkommensänderungen.
Nachfrage:
Um Preise festsetzen zu können (od. Fragen zu beantworten wie "Wann sind die Preise am höchsten, bei den üblichen Preisen, bei Preiserhöhungen oder Preissenkungen"), müssen wir wissen, wie sich die Nachfrage in Abhängigkeit des Preises verändert. Verlangt das Unternehmen zu viel, laufen die Kunden weg, verlangt es zu wenig, werden Erträge verschenkt. In obigem Beispiel wird der Preis von 40.- auf 30.- gesenkt (-25% ; Preis kommt immer unten). Die Nachfragekurve zeigt, dass die Nachfrage um 10'000 Ticket zunimmt (+50% von 20'000 = 30'0000). Bei der Preissenkung erhöhen sich demnach die Gesamteinnahmen um 100'000.--.
Da die Nachfragekurve negativ geneigt ist, muss auch die Preiselastizität negativ sein. Meistens lässt man allerdings die negativen Vorzeichen weg. Eine Elastizität von 2 bedeutet, dass bei dieser Preissenkung die Menge überproportional steigt, nämlich 2 Mal stärker als der Preis prozentual sinkt. Ist der Elastizitätwert grösser als 1, sprechen wir von einer elastischen Nachfrage, weil eine Preisänderung zu einer überproportionalen Änderung der nachgefragten Menge führt.
Die Preiselastizität der Nachfrage ist von folgenden Faktoren abhängig: Substitution (je mehr Substitute zur Verfügung stehen, desto höher ist die Preiselastizität), Wichtigkeit (le lebensnotwendiger, desto geringer die Elastizität), Anteil der Ausgaben für dieses Gut am Haushaltsbudget (je geringer dieser Anteil, desto geringer die Elastizität), Zeitaspekt (Je geringer die betrachtete Zeitperiode, desto höher die Elastizität der Nachfrage. Der Grund dafür ist, dass die Suche nach möglichen Substitutionen eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, und der Preisvergleich im Internet etc. stattfindet.), Produkte mit welchen einkommensschwächere Segmente angesprochen werden reagieren elastischer, da sie preissensitiver einkaufen. Eine positive Elastizität entsteht auch, wenn man den Preis als Qualitätsindikatior betrachtet. Auch wenn zwischen Preis und Qualität kein zwingeder Zusammenhang besteht, gehen Kunden bei gewissen Produkten und Dienstleistungen davon aus, dass das bessere mehr kostet (vor allem wenn Qualität schwer messbar). Einen gegenteiligen Einfluss haben die Komplementärgüter. So ist die Nachfrage nach Benzin relativ unelastisch, weil die Autofahrer bereits sehr viel in das Auto (Komplementärgut) investiert haben und deshalb auch bei hohem Preis Auto fahren.
Die Kurven sind grundsätzlich erst nachträglich bekannt (Detailhandel und Social Media können im Vorfeld Kurve bereits relativ gut einschätzen).
Angebot:
Veränderung der angebotenen Menge in % / Veränderung des Preises in % = Preiselastizität des Angebots
Die Preiselastizität des Angebots misst die relative Änderung der angebotenen Menge infolge einer relativen Änderung des Preises. Elastisch sind gut haltbare und lagerfähige Produkte sowie Güter, die rasch in einer beliebigen Menge hergestellt werden können (z.B. Büroklammern). Je weniger lagerfähig ein Produkt ist (z.B. Erdbeeren) und je weniger sich die Produktion steuern lässt (z.B. Boden), desto unelastischer ist die Preiselastizität des Angebots. Im kurzfristigen Fall (z.B. frische Fische) kann das Angebot nur schwer oder gar nicht variiert werden. Die Elastizität ist deshalb 0. Im langfristigen Fall aber ist nicht nur eine Anpassung des Angebots, sondern auch der Eintritt oder Austritt von Anbietern möglich.
Raktion der Nachfrager auf Einkommensänderungen:
Die Einkommenselastizität der Nachfrage gibt an, um wie viel sich die Nachfrage nach einem Gut prozentual verändert, wenn sich das Einkommen ändert. Für den Unternehmer wäre es nicht nur äusserst wertvoll, die Preiselastizität der Nachfrage, sonder auch die Einkommenselastizität zu kennen. Dadurch könnte er seine Chancen im wirtschaftlichen Aufschwung als auch seine Risiken bei einem Abschwung richtig beurteilen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Erhöhung der Nahrungsmittelpreise um 1% die Konsumnachfrage um lediglich 0.05% sinken. Die Gesamtausgaben für Nahrungsmittel sind also relativ fix. Sinkende Preise erhöhen deshalb nicht den Konsum. sondern bewirken vor allem Veränderungen bei den Marktanteilen der verschiedenen Anbieter.
Keine Elastizitäten weisen Waren für den täglichen Gebrauch wie z.B. Salz und Toilettenpapier auf. Bei „normalen“ Güter ist die Elastizität positiv, doch bestenfalls im Verhältnis zur Einkommenssteigerung. Bei Luxusgütern ist die Elastizität hoch, d.h. die Nachfrage verändert sich prozentual stärker als das Einkommen. Schliesslich kommt es auch vor, dass mit steigendem Einkommen die Nachfrage nach einem Gut zurückgeht. Solche Güter nennt man inferiore Güter. Paradebeispiele: Schlechter Wein (Kartoffeln und Bohnen)
Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage
Modell der vollkommenen Konkurrenz:
- Homogene Produkte (lassen sich nicht voneinander unterscheiden)
- Grosse Anzahl Marktteilnehmer
- Freier Zutritt / (Marktaustritt) (Markteintrittsbarrieren: z.B. Nespresso Kapseln oder Oral B Zahnbürstenkopf --> Kunden werden gezwungen, dieses Produkt zu kaufen.)
- Marktteilnehmer sind bezüglich Preisen und Mengen informiert (sehr theoretisch; jemand ist immer besser informiert)
Der Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve wird als Marktgleichgewicht bezeichnet.
Die Preise sorgen also bei vollkommener Konkurrenz dafür, dass das Ergebnis effizient ist. Effizienz bedeutet, dass im Marktgleichgewicht alle Pläne in Erfüllung gehen und keine Ressourcen verschwendet werden. (Einschub: Staatliche Höchstpreise liegen immer unter Gleichgewichstpreis / Mindestpreise (z.B. Landwirtschaft) unter Gleichgewichtspreis (Verordneter Stopp der Inflation). Gefahr von falschen Anreizen und Qualitätsverlust.)
Bei der Analyse der Auswirkungen eines Ereignisses auf das Marktgleichgewicht ist gemäss folgenden 3 Schritten vorzugehen:
- Entscheiden ob das Ereignis die Nachfragekurve, die Angebotskurve oder sogar beide Kurven verschiebt
- Entscheiden, in welche Richtung sich die entsprechende Kurve verschiebt
- Untersuchen der Wirkungen der Verschiebungen im Diagramm auf den Gleichgewichtspreis und die –menge
Preispolitik eines Monopolisten
Im Gegensatz zu Unternehmen auf Märkten mit vollständiger Konkurrenz kann der Monopolist den Marktpreis beeinflussen, weil er Alleinanbieter im Markt ist. Eine Preisänderung wirkt sich bei einem Monopolisten immer auf zweifache Weise auf seinen Gewinn aus. Einerseits kann er bei einem tieferen Preis eine grössere Menge verkaufen und so seinen Gewinn steigern (Mengeneffekt). Andererseits verliert er durch den Preiseffekt mit jeder Preissenkung auch einen Teil seines bisherigen Gewinns. Dies weil er auch den Kunden, die bereits beim höheren Preis das Produkt kauften, das Produkt nun günstiger verkauft. Der Monopolist muss bei seiner Preissetzung also immer beide Effekte - sowohl den Mengen- als auch den Preiseffekt - beachten. Um den optimalen Preis zu finden, bestimmt der Monopolist zuerst die Menge, die er verkaufen möchte. Diese bestimmt er so, dass bei der letzten verkauften Einheit die Grenzkosten gerade dem Grenzertrag entsprechen. In einem zweiten Schritt bestimmt er anhand der Nachfragefunktion, der er sich gegenüber sieht, den Preis mit dem er genau die optimale Menge verkaufen kann. Dazu ein Beispiel: Nehmen wir an Beck Peter ist der Inhaber der einzigen Bäckerei in der Stadt. Peter hat somit innerhalb der Stadt eine Monopostellung auf Brot. Die folgende Abbildung stellt seine Situation grafisch dar:
Die Abbildung zeigt die Nachfragefunktion, der sich Peter gegenüber sieht. Daraus ergibt sich die Grenzertragskurve. Die Grenzertragskurve zeigt, wie viel Peter mit dem weiteren Verkauf eines Brotes verdient. Zudem sind seine Grenzkosten eingezeichnet, die in diesem Fall immer 2 CHF pro Brot sind. Vereinfachend nehmen wir zusätzlich an, dass Peter keine Fixkosten habe.Peter fragt sich nun, wie teuer er sein Brot verkaufen soll, damit er den grössten Gewinn macht. Beginnen wir bei 8 CHF pro Brot. Zu diesem Preis könnte er nur 10 Brote verkaufen und sein Gewinn wäre 60 CHF (10 x 8 CHF - 10 x 2 CHF Grenzkosten). Bei einem Preis von 8 CHF pro Brot stimmen aber der Grenzertrag und die Grenzkosten noch nicht überein. Peter verdient mehr, wenn er mehr Brot produziert. Wenn er fünf Brote mehr backen und den Brotpreis auf 7 CHF senken würde, würde er einen Gewinn von 75 CHF machen (15 x 7 CHF - 15 x 2 CHF). Der Ertrag steigt im Vergleich zu vorher um 25 CHF (15 x 7 CHF - 10 x 8 CHF), während die Kosten nur um 10 CHF steigen (5 x 2 CHF). Durch die Preissenkung erhält Peter einen zusätzlichen Gewinn von 15 CHF. Dabei kann Peter sowohl den Preiseffekt als auch den Mengeneffekt beobachten. Durch den Preiseffekt wird sein Gewinn um 10 CHF kleiner, weil er auch "die ersten zehn" Brote nun für 7 CHF anstatt 8 CHF verkaufen muss. Dank dem Mengeneffekt aber steigt sein Gewinn um 25 CHF, weil er fünf weitere Brote mit je 5 CHF Gewinn pro Brot verkaufen kann. Peter führt diese Überlegungen nun immer weiter fort bis er zu dem Punkt kommt, an dem seine Grenzkosten gleich dem Grenzertrag sind. Bei Peter ist das bei einer Menge von 20 Broten der Fall. Wenn er jetzt noch ein Brot mehr herstellen möchte, würde sich sein Gewinn wieder reduzieren. Peter wird also seinen Gewinn maximieren, wenn er genau 20 Brote verkauft. Nun überlegt sich Peter, zu welchem Preis er diese 20 Brote verkaufen kann. Diese Überlegung ist recht einfach. Anhand seiner Nachfragefunktion sieht er, dass er genau dann 20 Brote verkaufen wird, wenn sie je 6 CHF kosten. In der Grafik entspricht die Menge von 20 Broten der grössten Fläche des Gewinnrechtecks.
Die Bedingung für die Gewinnmaximierung des Monopolisten lautet deshalb: Grenzerlös (der zusätzliche Umsatz aus dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit) = Grenzkosten (zusätzliche Kosten für die Produktion einer zustätzlichen Einheit)
Der Schnittpunkt, auch Cournatscher Punkt genannt, ist hierbei bei einem höheren Preis als bei der vollkommenen Konkurrenz.
Preisbildung im Wettbewerb
Wer im monopolistischen Wettbewerb steht, hat zwar, gleich wie ein Monopolist, einen Einfluss auf seinen Verkaufspreis. Doch der freie Marktzutritt garantiert für einen weitreichenden Unterschied: Langfristig werden keine Gewinne gemacht.
Bei einem Oligopol stehen auf einem Markt nur einige wenige Anbieter als Rivalen gegenüber (z.B. Detailhandel, Banken, Telekommunikation etc.). Alle kennen und beobachten einander. Was immer einer tut, hat einen Einfluss auf den anderen. Die Player schätzen die gesamte Marktnachfrage ab, berechnen den Grenzumsatz, vergleichen ihn mit den Grenzkosten der beteiligten Unterhemen und erhalten so eine Vorstellung, wo die gewinnmaximalen Preise liegen können. Zwar könnten die Oligopolisten den Preis und (zusammen) den Gewinn eines Monopolisten erzielen, wenn es ihnen gelänge zusammenzuspannen. Doch für einen Einzelnen würde es sich durchaus lohnen, mit etwas tieferen Preisen den Rivalen Kunden abzujagen oder sie sogar zu ruinieren. Kooperation wäre also einträglich, sie kann aber jederzeit durch ausscherende Unternehmen gefährdet werden.
Marktformen
Bei den extremen Formen des Monopol und der vollkommenen Konkurrenz ist die Analyse der Preisbildung relativ einfach. Bei vielen anderen Marktformen ist diese Analyse viel komplizierter und in einigen Fällen überhaupt nicht möglich. Ein Überblick über die Marktformen:
Die Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz und des Monopols sind in Wirklichkeit selten erfüllt (Viele Monopole wurden in CH privatisiert; z.B. Swisscom, Post. Ein Monopol hat z.B. noch die Bilag). Die am häufigsten anzutreffenden Marktformen sind das Oligopol und die monopolistische Konkurrenz. Innovative Unternehmer sind die Schlüsselfaktoren für die Dynamik der Wirtschaft und des Wettbewerbs.
Ein Oligopol ist eine Marktform mit einigen wenigen Anbietern für ein Gut (Angebotsoligopol), z.B. Autombile bestimmter Klasse, Computer, Zigaretten. Die Menge die ein Anbieter und seine wenigen Konkurrenten auf den Markt bringen, beeinflussen immer auch den Preis, ähnlich wie bei einem Monopol. In der Folge sind auf einem oligopolistischen Markt die Reaktionen der Anbieter auf einander von grosser Bedeutung. Zudem wird auch immer eine kleinere Menge als bei vollständiger Konkurrenz angeboten, was zu einem entsprechenden Wohlfahrtsverlust führt.
Auf einem Markt mit monopolistischer Konkurrenz bieten zwar alle Unternehmen vergleichbare Produkte an, d.h. Produkte, die grundsätzlich denselben Bedürfnissen dienen. Dennoch sind diese Produkte differenziert, also nicht genau gleich. Sie können sich z.B. im Bezug auf die Qualität, ihr Design oder sonstige Produkteigenschaften unterscheiden. (Z.B. Bücher, Coca Cola). Somit hat jeder Anbieter ein Monopol auf seinem Produkt. Da es aber Dutzende oder Hunderte Produkte gibt, welche einen ähnlichen Nutzen bieten, lassen sich die Produkte einzelner Hersteller relativ einfach durch andere austauschen. Die Anbieter auf einem Markt mit monopolistischer Konkurrenz verfügen so zwar über einen gewissen Spielraum zur Preissetzung und Preisstrategie. Dennoch sind sie aber eingeschränkt durch die Konkurrenz mit anderen Anbietern vergleichbarer Produkte.
Die Marktwirtschaft
Wie funktioniert eine Marktwirtschaft
Die drei zentralen Fragen in einer Marktwirtschaft sind:
- Was soll produziert werden?
- Wie soll produziert werden?
- Für wen soll produziert werden?
Darüber, WAS produziert wird, entscheiden die "Frankenstimmen" der Konsumenten. Anreize für die Produktion nachgefragter Güter sind Gewinne. WIE Güter produziert werden, entscheided das Markt- und Preissystem. Die Produzenten trachten danach, der Konkurrenz voraus zu sein, indem sie ihre Kosten durch die effizientisten Produktionsfaktoren minimieren. Das billigste Verfahren verdrängt deshalb immer das teurere. Für WEN die Güter produziert werden, wird auf den Märkten der Produktionsfaktoren entschieden. Angebot und Nachfrage auf diesem Märkten bestimmen die Löhne, die Zinsen und die Gewinne. Sie sind verantwortlich für die Höhe der Einkommen und bestimmen die Kaufkraft der einzelnen Nachfrager an den Gütermärkten.
Eine Metapher von Adam Smith besagt, dass "die unsichtbare Hand" die Handlungen der Individuen derart lenkt, dass der Nutzen aller maximiert wird: Um einen optimalen Gewinn zu erzielen, bietet jeder Produzent das an, was der Konsument kaufen will; durch den Kauf steigert der Konsument wiederum seinen eigenen Nutzen. Die Maximierung des Eigennutzen maximiert so auch das gesellschaftliche Wohl.
Unternehmerisches Handeln besteht aus Entdecken von Chancen, Durchsetzen von Innovationen und Tragen von Risiken. Die Qualität der Unternehmer ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die konjunkturelle Entwicklung und das Wirtschaftwachstum einer Volkswirtschaft oder Region. Unternehmer müssen riskobereit, kreativ und ständig auf der Suche nach neuen Bedürfnissen sein. Mit ihren Erfinungen wird Altes "zerstört" und durch Neues ersetzt. Diese Eigenschaften bringt eine Marktwirtschaft zum Blühen.
Staatliche Eingriffe (als Subventionen, Verbote etc.) ind das komplexe Entscheidungsgefüge der Märkte mit dem Zweck, das Marktergebnis zu verbessern, bleiben oft erfolglos, bzw. haben nicht vorhersehbare Nebenwirkungen. Denn die relativ wenigen staatlichen Entscheidungsträger verfügen über einen Bruchteil an Informationen im Vergleich zu den Millionen von Nachfragern und Anbietern auf den Märkten. Allein diese Tatsache macht deutlich, dass Märkte wo die Marktwirtschaft nicht herrscht (zentrale Entscheidungen), weniger effizient sein müssen. Anders gesagt: je grösser die Wirtschaftsfreiheit, desto grösser ist in der Regel der Wohlstand.
Marktversagen
Die Koordination und Allokation (Zuweisung der Ressourcen an die Herstellung bestimmter Güter) durch den Marktmechanismus kann unter bestimmten Bedingungen unvollkommen sein und zu gesellschaftlich unerwünschten Nebeneffekten führen. Diese fälle werden als Marktversagen bezeichnet. Gründe:
- Wettbewerbsbeschränkungen (Zölle und Einfuhrkontingente, Produkt- und Produktionsnormen, Kooperationen mit Konkurrenten, Preisabsprachen etc.). Die Einschränkung des Wettbewerbs ist oft der einfachere Weg, sich Gewinne bzw. Einkommen zu sichern, als durch die Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit. "Rent seeking" bezeichnet die Absicht, sich über staatliche Regulierungen Vorteile zu verschaffen.
- Öffentliche Güter (Strassenbeleuchtung, Öffentliche Sicherheit, Stadtpark, Luftqualität etc.). Funktioniert bei einem Gut sowohl das Auschlussprinzip (nur derjenige der für das Gut bezahlt kommt auch in den Genuss des Gutes) als auch die Rivalität im Konsum (Nutzung eines Gutes beeinträchtigt Nutzung eines anderen Individums nicht) nicht, spricht man von öffentlichen oder Kollektivgütern. Die einzelnen Nachfrager können sich bei öffentlichen Gütern wie Trittbrettfahrer verhalten.
- Externe Effekte(Verschmutze Luft, Lärm etc.). Verursacht die Produktion oder der Konsum externe Kosten, versagt der Markt. Solche Güter werden in zu grosser Menge hergestellt oder konsumiert, weil in der Kalkulation und Nutzenoptimierung zu tiefe Kosten eingehen.
- Asymmetrische Information. Hat ein Tauschpartner die Möglichkeit und den Anreiz, Kosten auf den Tauschpartner zu überwälzen, liegt ein moral hazard vor (moralisches Risiko). Wer z.B. eine Diebstahl- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen hat, unterlässt mögliche Sicherheitsvorkehrungen oder verspürt sogar den Anreiz, den Schadenfall herbeizuführen. In allen Fällen, bei denen eine Vertragspartei mehr weiss als eine andere, findet eine falsche Auslese (adverse selection) unter den Marktteilnehmern statt und erzeugt ineffiziente Ergebnisse. Im Falle der Versicherung werden sich vor allem diejenigen Personen versichern, die ihr Risiko hoch einschätzen. Diejenigen Personen die ein geringes Risiko aufweisen und interessant für die Versicherung sind, versichern sich nur minimal.
Die Bedeutung der Eigentumsrechte
Es besteht kein Zweifel, dass saubere Luft wertvoll ist, nur hat niemand das Recht dazu, dafür einen Preis zu verlangen, weil es kein Eigentumsrecht an der Luft gibt. Öffentliche Güter - wie eben die Luft - sind nicht rivalisierend im Gebrauch und niemand kann von der Nutzung ausgeschlossen werden. Es gibt auch Güter, bei denen zwar das Auschlussprinzip nicht funktioniert, die aber im Gebrauch rivalisierend sind, man nennt diese Allmendegüter. Ein klassisches Beispiel dafür sind die Fischbestände. Die Fischbestände haben keinen Eigentümer; jedoch nur einer kann den einzelnen Fisch fangen.
Warum ist der Handelswert von Elfenbein eine Existenzbedrohung für den Elefanten, der Handelswert von Fleisch jedoch eine Bestandessicherung für die Kühe? Kühe haben Eigentümer die bemüht sind, den Bestand an Kühen zu pflegen. Elefantenwilderer hingegen haben ein besonderes Interesse daran, den Elefanten zu erlegen, bevor es ein anderer tut.
Weiter würde ohne Eigentumsgewährleistung niemand Investitionen tätigen und niemand hätte einen Anreiz Sorge zu tragen.
Die Rolle des Staates: Festlegen von Spielregeln
Die wohl wichtigste Aufgabe des Staates ist die Schaffung von Voraussetzungen, ohne die eine Marktwirtschaft überhaupt nicht funktionieren kann:
- Garantieren von Eigentum- und Vertragsrechten
- Sicherstellen von Wettbewerb (Abbau/Verhinderung von Martkzutrittsschranken, Kartellgesetz (Fusionskontrolle, Missbrauchsaufsicht, Bekämpfung von Kartellen). In der Schweiz sind zwei Behörden für den Schutz des Wettbewerbs zuständig: die Wettbewerbskommission und die Preisüberwachung.
- Verhindern von Marktversagten (Internalisierung externer Effekte, Bereitstellung öffentlicher Güter, Informationspflichten etc.)
- Gewährleisten einer gerechten Einkommens- und Vermögensverteilung (denn alle die keine Marktleistung erbringen können gehen leer aus, was zu Unruhen führt). Z.B. mittels Sozialhilfe, progressive Steuer etc. Messgrösse: Gini-Koeffizient (0=alle verdienen gleich / 1= eine Person verdient alles)
- Fördern der wirtschaftlichen Stabilität (Stichworte Inflation und Arbeitslosigkeit). Zwingend dafür ist eine politische Stabilität und ein gutes Bildungssystem. Eine Inflation von 2% wird gewünscht (CH momentan Deflation). Eine Inflation wird durch das Drucken von Geld erhöht; falls dies jedoch anschliessend nicht für Konsumgüter ausgegeben wird, handelt es sich um ein Nullsummenspiel.
Staatsversagen
Staatliche Eingriffe bringen die Gefahr, dass Marktversagen durch Staatsversagen ersetzt wird. Dann ist der Staat nicht mehr Wettbewerbsförderer, sondern Wettbewerbsbehinderer.
Folgene Staatstätigkeiten können zu einer Verschlechterung der Funktionsfähigkeit der Marktwirtschaft führen:
- Politisch motivierte Entscheidungen (Politiker handeln eigennützig, z.B. um die Gunst von Wählern zu erhalten. Der Glaube an den besseren Mensch in der Politik als in der Wirtschaft ist weltfremd)
- Regulierungskosten (Verwaltungsapparat, Eingriffe etc.)
- Verzerrung der Allokationseffizienz
Die Frage, wie viel Markt bzw. Staat man wünscht, ist ein gesellschaftspolitischer Entscheid, der mit Opportunitätskosten verbunden ist.
Die Wirtschaftsordnung der Schweiz
Grundlage
Die schweizerische Wirtschaftsordnung scheint nach dem Wortlaut der Verfassung auf dem Fundament des Liberalismus zu stehen, dessen beherrschende Idee die Forderung nach individueller Selbständigkeit und Freiheit ist (Mensch soll ohne staatlichen Einfluss leben können). Das äussert sich in den obersten Staatszielen (Unabhängigkeit des Landes gegen aussen, Ruhe und Ordnung im Innern) als auch im Schutz der Freiheitsrechte (Wirtschaftsfreiheit, Privateigentum, Vertragsfreiheit).
Diverse Verfassungsartikel und darauf abgestützte Gesetze erlauben es aber, von den marktwirtschaftlichen Grundprinzipien abzugehen und die erwähnten Freiheitsrechte einzuschränken. Beispielhaft einige Verfassungsartikel: Erhaltung und Förderung gefährdeter Wirtschaftszweige und Berufe, Preisüberwachung, Mieterschutz, Erhaltung einer gesunden Bauernschaft, Bodenrecht/Raumplanung. Diese Beispiele zeigen, dass bereits in der Bundesverfassung "harte" Einschränkungen der Marktwirtschaft vorgesehen sind.
Der Ruf nach Reform
Die zunehmende weltweite internationale Verflechtung von Märkten und Unternehmungen, die Stärkung der Marktwirtschaft im Ausland, die Technolisierung und Informatisierung verstärken den Wettbewerb zwischen den Nationen. Immer wie mehr Unternehmen verlagern ihre Prozesse ins Ausland. In der Schweiz wurde man sich zugehends bewusst, dass ein ordnungspolitischer Handlungsbedarf besteht. Ziel dieser marktwirtschaftlichen Erneuerungen ist es, die Konkurrenzfähigkeit der Schweiz zu erhöhen und die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes zu verstärken. Das Trainingsprogramm für die "Fitnesskur von Mutter Helvetia" enthält folgende Stossrichtungen:
- Schaffung von wirksamem Wettbewerb und dessen Schutz
- Zugang zu internationalen Märkten sicherstellen
- Gesunde öffentliche Finanzen
- Förderung von Bildung, Forschung und Innovation
Einflussmöglichkeiten von Interessenverbänden und Lobyisten
Die Schweiz wird infolge der zahlreichen Verbände (Economiesuisse, Schweizerische Kaufmännische Verband etc.) häufig als Verbandsdemokratie bezeichnet. Wirtschaftliche Akteure mit gleichen Interessen schliessen sich als Verband zusammen, um dadurch wirtschaftspolitische Macht auszuüben. Ihnen werdem oftmals in frühen Phasen des politisches Prozesses Einflussmöglichkeiten geboten. Wichtige Waffen der Verbände sind zudem Referendum und Initiative.
Auch die Lobbyisten üben eine grosse wirtschaftspolitische Macht aus.
Gesamtwirtschaftliche Entwicklungsprozesse und ihre Erfassung
Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung VGR
Der einfache Wirtschaftskreislauf
Ziel der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung VGR: Leistung einer Volkswirtschaft zahlenmässig erfassen -> Info für Unternehmer, Arbeitnehmer, Konsumenten,Politiker, Wissenschaftler.
Die drei Blickwinkel der VGR:
- Produktionsseite: Angebot
- Einkommensseite: Bezahlung der Produktionsfaktoren
- Verwendungsseite: Nachfrage
Das BIP kann entsprechend auf drei Arten berechnet werden.
Analyse der Produktionsseite
Zentrale Frage: Wer hat die Leistung erbracht? Was bedeutet überhaupt Leistung einer Volkswirtschaft, und wie kann man sie messen?
Gewinn und Umsatz eignen sich nicht als Massstab. Den neben dem Gewinn erbringt eine Unternehmung noch andere Leistungen, wie z.B. Lohnzahlungen, welche für die VWL elementar sind. Der Umsatz beinhaltet Vorleistungen, die von anderen Produzenten bezogen wurden und daher mehrfach gezählt würden.
Was für die VWL interessant ist, ist die Wertschöpfung (die Differenz zwischen dem Wert der gesamten Produktion und den von ihm übernommenen Vorleistungen). --> Je mehr Wertschöpfung, je mehr Bedürfnisse können befriedigt werden.
Wertschöpfung einer Unternehmung:
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Produktionswert (Verkaufspreis) | Wert aller Verkäufe + Wert der Bestandesveränderungen an Fertigprodukten + Wert der selbsterstellten Anlagen. Bewertet zu Marktpreisen, also inklusive indirekte Steuern, aber ohne Subventionen. |
| -Vorleistungen | Alle von einer Unternehmung bezogenen und für die Produktion verbrauchten Güter und Dienstleistungen |
| =Bruttowertschöpfung | Der erarbeitete Mehrwert |
| -Abschreibungen | Wertminderung des Anlagevermögens durch Verschleiss und Alterung |
| =Nettowertschöpfung | Mehrwert, den man maximal verbrauchen könnte, ohne die Vermögenssubstanz der Unternehmung zu gefährden |
Gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung:
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Produktionswert | Wert aller Verkäufe + Wert der Bestandesveränderungen an Fertigprodukten + Wert der selbsterstellten Anlagen aller Unternehmungen, der öffentlichen Haushalte, der Sozialversicherungen und der POoE im Inland. Bewertet zu Marktpreisen, also inklusive Gütersteuern, aber ohne Subventionen. |
| -Vorleistungen | Alle von einer Unternehmung bezogenen und für die Produktion verbrauchten Güter und Dienstleistungen |
| =Bruttoinlandprodukt (BIP) | Summe aller Bruttowertschöpfungen von Unternehmungen, Staat und POoE im Inland (inkl. nicht abzugsfähoge MwSt und Nettoeinfuhrabgaben) |
| -Abschreibungen | Wertminderung des Anlagevermögens durch Verschleiss und Alterung |
| =Nettoinlandprodukt (NIP) | Wertschöpfung, die man maximal verbrauchen könnte, ohne die Vermögenssubstanz der Volkswirtschaft zu gefährden |
Die Leistung der gesamten Volkswirtschaft entspricht der Summe der Wertschöpfung aller Sektoren.
Die VGR unterscheidet folgende Sektoren:
- Nicht finanzielle Kapitalgesellschaften: Alle Kapitalgesellschaften mit Haupttätigkeit in der Produktion von Waren oder nicht-finanziellen DL. Z.B. Chemie, Maschinenindustrie oder Bauwirtschaft
- Finanzielle Kapitalgesellschaften: Alle Kapitalgesellschaften die finanzielle Mittlertätigkeit wahrnehmen. Z.B. Banken, Nationalbank, Versicherungsgesellschaften, Anlagefonds, Pensionskassen, Leasinggesellschaften.
- Staat: Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen. Gemeinsames Merkmal: Produktion von Waren und DL (Z.B. Bildung, Sicherheit, Gesundheit) welche grösstenteils durch Steuern, Sozialbeiträge, etc. finanziert werden. Zur Berechnung nimmt man an, dass die Bruttowertschöpfung der Summe aller Aufwände (z.B. Löhne) abzüglich der Vorleistungen entspricht.
- Private Haushalte: Einzelunternehmen und natürliche Personen. Weil hier keine Markttransaktionen stattfinden, finden die natürlichen Personen keine Berücksichtigung in der VGR.
- Private Organisationen ohne Erwerbszweck POoE: Alle Rechtspersönlichkeiten, die Waren oder DL ohne Erwerbszweck herstellen und anbieten (z.B. Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, Hilfswerke etc.)
- Übrige Welt: die "übrige Welt" ist streng genommen kein Sektor, sondern fasst die übrigen Länder zusammen, mit welchen die inländischen Sektoren durch wirtschaftliche Transaktionen verbunden sind. Die Exporte sind bereits im Produktionswert der Unternehmen enthalten. Die Importe sind Vorleistungen und werden, wie alle anderen Wertschöpfungen auch, vom Produktionswert abgezogen, um die Bruttowertschöpfung zu erhalten.
Um die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung zu erhalten, addieren wir die Wertschöfpung der Kapitalgesellschaften, des Staates, der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck sowie die Wertschöpfung der Einzelunternehmen und Selbständigen aus dem Sektor "Private Haushalte". Daraus ergibt sich folgende Definition des BIP:
Das Bruttoinlandprodukt ist die Gesamtheit aller im Laufe eines Jahres oder Quartals erbrachten Wertschöpfung von Unternehmen, Staat und POoE - innerhalb der geografischen Grenzen eines Landes.
Um etwas über die Wirtschaftskraft zu erfahren, rechnet man das BIP pro Kopf aus. Das BIP pro Kopf der Schweiz ist sehr hoch im Vergleich mit anderen Ländern (69'000.--).
Im 2012 machten 77% des BIP (Produktionsseite) die nicht finaziellen Kapitalgesellschaften und priv. Haushalte, 11% die finanziellen Kapitalgesellschaften, 10% der Staat und 2% die POoE aus.
Die grössten Branchen:
Analyse der Einkommensseite
Jeder Franken Wertschöpfung ist für irgendjemann irgendwo ein Franken Einkommen. Wir können deshalb nicht nur analysieren, wer die Wertschöpfung erstellt hat, sondern auch wie dieser Wertschöpfungskuchen verteilt wird.
Im 2012 wurde das Einkommen wie folgt verteilt: 3% Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen (z.B. Zölle, Schwerverkehrsabgabe etc.), 18% Abschreibungen (Wertminderungen), 18% Nettobetriebsüberschuss (Zinsen, Dividenden, unverteilte Gewinne etc.), 61% Arbeitnehmerentgelt (Lohnquote).
Was wir nicht erkennen können, ist, die Verteilung der Einkommen auf die Haushalte. Über eine "gerechte" Verteilung von Einkommen und Vermögen erlebt die Schweiz zurzeit eine intensive und zunehmend emotionale Debatte. Volksabstimmugen wie die 1:12, Mindestlohninitiative, Erbschaftssteuerinitiative etc. häufen sich. Gemäss der Denkfabrik Avenir Suisse (http://www.avenir-suisse.ch/uber-uns-2/) ist in kaum einem anderen Land die Verteilung der Einkommen so gleichmässig wie in der CH (die ärmsten 40% erhalten rund 20% des gesamten Einkommens). Mehr noch: Während sich die Einkommensschere in der 1980er-Jahren in den meisten westlichen Industriestaaten geöffnet hat, ist die Spreitzung der Einkommen in der Schweiz kaum gewachsen.
Die Verteilung der Einkommen kann mit der Lorenzkurve dargestellt werden. Auf der horizontalen Achse sind die addierten Prozentsätze der Haushalte und auf der vertikalen Achse die addierten Prozentsätze der Einkommen dieser Haushalte abgetragen. Wäre das Einkommen genau gleich verteilt, so müssten 10% der Haushalte genau 10% des gesamten Einkommens bekommen. Alle Punkte auf der diagonalen repräsentieren eine absolut gleichmässige Verteilung. Je "bauchiger" die reale Kurve wird, desto ungleicher sind die Einkommen verteilt. Ein Mass für die Ungleichverteilung ist der Gini-Koeffizienz. Er setzt die Fläche des "Bauches" der Lorenzkurve in Beziehung zur gesamten Fläche unter der Diagonalen.
Analyse der Verwendungsseite
Bei der Verwendungsseite steht die folgende Frage im Zentrum: Wie werden die erzielten Einkommen verwendet?
Grundsätzlich können Einkommen zum Konsum oder für Investitionen verwendet werden. Was geschieht mit Ersparnissen? Ersparnisse werden an diejenigen ausgeliehen, die zu wenig eigene Mittel erarbeitet haben, um ihre Investitionen zu finanzieren. Das heisst das schlussendlich immer so viel investiert wird, wie gesparrt wird. Falls Sparen und Investieren nicht gleich gross sind, treten Mechanismen auf, die wieder auf ein Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren hinwirken. Nehmen wir an, dass die Haushalte mehr sparen, als die Unternehmungen investieren wollen. Als Folge sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Das bedeutet, dass die Unternehmungen ihr geplantes Angebot nicht verkaufen können. Deshalb erzielen die Unternehmungen einen kleineren Gewinn, was ein Sinken ihrer Ersparnisse zur Folge hat. Weil sie nicht ihr ganzen Angbeot verkaufen können, nehmen ihre Lager zu, dieser Lageraufbau entspricht einer ungeplanten Investition. Als Folge der tieferen Nachfrage entstehen auch tiefere Einkommen der Haushalte (z.B. durch Entlassungen); mit abnehmenden Einkommen sinken aber auch die Sparrmöglichkeiten. Diese Prozesse führen dazu, dass die Lücke zwischen Ersparniss und Investitionen geschlossen wird (in einer offenen Volkswirtschaft können die inländischen Ersparnisse von den inländischen Investitionen abweichen, da im Ausland Geld angelegt/investiert werden kann). Diese Beispiel zeigt, dass Sparsamkeit nicht immer etwas Gutes ist. Dieses Phänomen wird als Sparparadoxon bezeichnet: "Mit steigender Ersparnis wird die Investitionstätigkeit der Unternehmen gebremst. Dadurch sinkt das Einkommen, worauf auch der Konsum und die Ersparnis vermindert werden". (In der VWL handelt es sich unter dem Begriff Investitionen immer um die Erstellung neuer Kapitalgüter (Gebäude, Maschinen oder Vorräte), und nicht um Aktien oder ähnliches).
Das Einkommen kann für folgende Zwecke verwendet werden:
- Konsum der privaten Haushalte und der POoE
- Konsum des Staates (Alle unentgeltlich abgegebenen DL wie Löhne für Lehrer und Polizisten / Sachkäufe (Ausnahmen Investitionsgüter und Transferzahlungen wie z.B. Arbeitslosenunterstützung, weil sie keine Produktionsleistung wiederspiegeln)
- Bruttoinvestitionen
- Nettoexporte
Von der Verwendungsseite her lässt sich das BIP folgendermassen errechnen: Privater Konsum + staatlicher Konsum + Bruttoinvestitionen + Nettoexporte
Die Verwendung des BIP im 2012: Nettoexporte 12%, Bruttoinvestitionen 20%, Konsum des Staates 11%, Konsum Haushalte und POoE 57%.
Da der grösste Teil in den privaten Konsum fliesst, muss dieser stimuliert werden um die Wirtschaft anzukurbeln.
Folgende wichtigen Erkenntnisse lassen sich aus der Verwendungsseite ziehen:
- Investitionsquote (Investitionen in % des BIP) --> für das Wirtschaftswachstum entscheidend. Je höher die Qutoe, desto grösser sind die Wachstumsmöglichkeiten in der Zukunft. Die Investitionsquote der CH: 24% (guter Wert)
- Die Konsumquote von 60% belegt, dass weniger als 2/3 der in der Schweiz hergestellten Waren und DL unmittelbar von privaten Haushalten und PPoE konsumiert wird. (Allerdings erfolgt ein Teil indirekt über den Staat)
- Zwischen Investition und Konsum besteht ein "Trade-off". Erhöht eine Volkswirtschaft die Investitionen, wird sie in Zukunft mehr Güter produzieren und konsumieren können. Dieses Wachsum ist aber nicht gratis zu haben. Un den zukünftigen Konsum steigern zu können, muss in der Gegenwart auf Konsum zugunsten von Investitionen verzichtet werden.
- Die Export- und die Importquote belegen die hohe Verflechtung der CH mit dem Ausland. Die Exportquote beträgt rund 50%, die Importquote 43%.
Zusammenfassender Überblick:
Der erweiterte Wirtschaftskreislauf
Um ein genaueres Bild der gesamtwirtschaftlichen Vorgänge zu erhalten, muss der Wirtschaftskreislauf erweitert werden:
(Muss nicht gezeichnet werden können in Prüfung)
Bei der Abbildung ist Folgendes zu beachten:
- Die Abbildung zeigt nur die Geldströme, die aus Güter- und Faktormärkten resultieren
- Der Sektor Ausland wird nur summarisch erfasst
- Der Bereich Vermögensveränderung ist kein Sektor, sondern wiederspiegelt eine buchhalterische Trennung, die das Erfassen von Ersparnisbildung und -verwendung bzw. der Investitionstätigkeit erlaubt
- Die punktierten Pfeile sind keine Transatkionen, sondern stellen der Übertrag an Salden dar
- Die Abschreibungen sind ein fiktiver Strom im Sinne, dass kein Geld fliesst. Hier ist nur ihr geldwerter Gegenstrom (Nettoinvestitionen = Bruttoinvestitionen abzüglich Abschreibungen) dargestellt
Die Schweiz revidierte im Herbst 2014 die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Durch die Revision wird das BIP um rund 2.5 % grösser (denn neu gelten z.B. Ausgaben für Forschung und Entwicklung als Investition, nicht mehr als Vorleistungen).
Grenzen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
Die Messung gelingt nur mit einiger Ungenauigkeit:
- Unzureichende Erfassung der Daten (Seit Sept. 2014 werden auch illegale Aktivitäten erfasst (Schwarzarbeit, Sex, Drogenhandel, Schmuggelgeschäfte); diese kann jedoch nur geschätzt werden
- Die VGR erfasst nur monetäre Flüsse. (Z.B. Kochen eines Kalbsbraten wird nicht in VGR erfasst da die Zubereitung als Eigenleistung nicht erfasst. Wird er aber im Restaurant bestellt, dann ist das Kochen im Preis enthalten und somit auch in der VGR)
- Problematische Bewertung der Leistungen ( Bsp. höhere Beamtenlöhne ist nicht mit besserer Leistung verknüpft)
- Internationale Vergleiche problematisch (Für Vergleiche ist eine einheitliche Währung erforderlich. Wechselkursschwankungen führen zu Verschiebungen in der Rangliste)
- Das BIP ist kein Messinstrument für Wohlfahrt und Lebensqualität (Es werden nur quantitativ messbare Leistungen erfasst. Qualitative Aspekte des Wirtschaftens werden in der VGR vernachlässigt. Z.B. BIP steigt bei einem Autounfall (Reparatur)aber die Lebensqualität (Einbusse) wird nicht berücksichtigt.
Die VGR ist nicht in der Lage, sämtliche wertschöpfende Leistungen vollständig zu erfassen und "richtig" zu bewerten. Das BIP ist zudem kein geeigneter Massstab zur Messung der Lebensqualität.
Ein Beispiel für einen ganzheitlicheren Wohlstandsindikator ist der Human Development Index der UNO, welcher das Einkommen, die Ausbildung und die Lebenswerwartung beinhaltet. Bisher konnte sich aber noch kein Ansatz richtig durchsetzen. Den auch im erweiterten Armaturenbret muss mit Zahlenmaterial gearbeitet werden, wofür es eigentlich kein Zahlenmaterial gibt.
Vom BIP zum Nationaleinkommen
Das Nationaleinkommen gibt Antwort auf die Frage der Höhe der Einkommen von in der Schweiz wohnhaften Personen. Es beruht auf dem Inländerprinzip - massgebend ist also der inländische Wohnsitz. Weil die Schweiz über ein sehr grosses Nettovermögen im Ausland verfügt, das jährlich hohe Erträge abwirft, ist das BNE im Normalfall höher als das BIP. 2008 waren infolge der Finanzkrise die Vermögenseinkommen aus dem Ausland so stark geschrumpft, dass das BIP grösser war als das BNE.
Prov. Daten 2012
| BIP | 591.9 |
| -Kapital- und Arbeitseinkommen an das Ausland | -97.1 |
| +Kapital- und Arbeitseinkommen aus dem Ausland | 117.2 |
| =Bruttonationaleinkommen (BNE) | 612 |
| -Abschreibungen | -106.9 |
| =Nettonationaleinkommen | 505.1 |
Das Konjunkturphänomen: Kurzfristige Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung
Das Erscheinungsbild der Konjunktur
Der Konjunkturverlauf ist die kurzfristige Betrachtung einer Entwicklung (immer auch "Messgerät" für Arbeitslosigkeit).
Konjunkturschwankungen sind Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials. Bei normalem Produktionsniveau beträgt der Auslastungsgrad der Produktionsanlagen in der Industrie ca. 85%.
Der typische Konjunkturzyklus sieht wie folgt aus:
- Phase 1: Hochkonjunktur/Boom (Kapazitätsauslastung liegt über Normalauslastung; Mitarbeiter leisten Überstunden)
- Phase 2: Konjunkturabschwung (Auslastung der Kapazitäten nehmen ab, liegen aber noch über dem Ø)
- Phase 3: Rezession/Depression (Tal der Tränen) (Kapazitätsauslastung unter der Normalkapazität; wenn diese Phase besonders stark oder lange ist spricht man von Depression (Faustregel Definition Depression: Rückgang reales BIP von mind. 10% oder Negativwachstum dauert mind. 3 Jahre / Rezession = Negativwachstum dauert zwei Quartale in Folge im Vergleich zum Vorjahr)
- Phase 4: Konkjunkturaufschwung
Die einzelnen Zyklen weichen in ihrer Dauer und Stärke teilweise sehr stark voneinander ab.
(Gerade=Auslastungsgrad des Produktionspotentials. --> nimmt zu, da BIP i.d.R. in CH zu nimmt. Wirtschaft hat immer innovativere Prozesse, Produkte etc.)
(Bei der Boom Phase besteht nach Lehrbuch Inflationsgefahr (teurere Preise aufgrund erhöhter Nachfrage). Zurzeit stimmt dies aber nicht mehr: wir hatten in den letzten Jahren trotz eines Wachstum von 2% Deflationstendenzen)
(muss gezeichnet werden können)
Trendwachstum = das langfristige Wachstum des Produktionspotentials.
Da in der Praxis die Messeung der Auslastung des Produktionspotentials schwierig; wird der Konjunkturverlauf anhand der Wachstumsrate des realen BIP gemessen. Real bedeutet, dass die Veränderungen des BIP, welche auf Preisveränderungen zurückzuführen sind, korrigiert werden. Die laufenden nominellen Grössen werden durch einen geeigneten Preisindex in preisbereinigte Grössen umgerechnet.
Die Konjunkturentwicklung in der CH:
(1. Erdölkrise 1973: Vietnamkrieg zu Ende. Sirien etc. griffen Israel an. Opec bestraffte Westen mit Erdölblockade. / 2. Erdölkrise 1982: Israel griff Libanon an. Man erwartete wieder Zusammenbruch. / Immobilienkrise 1990er Jahre: Zinsen konnten nicht mehr bezahlt werden, Banken sitzten auf schlechten Papieren. Einige Banken mussten schliessen. / Dotcom-Blase: Spekulationen auf grosse Internetfirmen (v.a. USA)
--> Nach der Krise ist vor der Krise! Schweiz ist sehr abhängig von den anderen Staaten.
Konjunkturindikatoren
Konjunkturindikatoren dienen als "Anzeiger" für den Konjunkturverlauf einer Volkswirtschaft.
Hauptindikator: Veränderung des realen BIP
Weitere:
- Gleichlaufende Indikatoren: Investitionen, Konsum, Exporte, Umsätze etc.
- Nachhinkende Indikatoren: Preise, Arbeitslosenquote, Löhne, Zinsen etc.
- Vorauseilende Indikatoren: Auftragseingang, Geldmenge, Konsumentenstimmung, Baukredite. Diese Indikatoren werden zu Prognosezwecken im Einkaufsmanagerindex sowie dem Konjunkturbarometer der KOF/ETH eingesetzt
Die Indikatoren unterscheiden sich in der Intensität. Schwankungen des privaten Konsum sind z.B. kleiner als z.B. in den Investitionen (Thema Einkommenelastizität). Branchen, in denen vorwiegend Investitionsgüter hergestellt werden (z.B. Maschinenindustrie), erfahren eine Rezession viel stärker als Beispielsweise das Gesundheitswesen. Die Branchenzusammensetzung ist deshalb mitentscheidend für die unterschiedliche Konjunkturempfindlichkeit von ganzen Regionen und Ländern.
Gründe für Konjunkturschwankungen
Konjunkturschwankungen lassen sich aus einem komplexen Zusammenspiel von Impulsen und Verstärkern erklären. Konjunkturschwankungen sind für eine Marktwirtschaft ein typisches Phänomen, da eine Vielzahl von individuellen Entscheidungen in einer arbeitsteiligen und international verflochtenen Volkswirtschaft schwer voraussehbare Reaktionen aller Wirtsschafssubjekte hervorrufen.
Verschieben sich Gesamtnachfrage- oder/und Gesamtangebotskurve, kommt es zu Veränderungen in der Produktion und damit zu Konjunkturschwankungen. Z.B. wenn das Preisniveau sinkt, ist das Geld im Portemonnaie mehr wert, die Konsumenten fühlen sich wohlhabender und kaufen mehr. Sinkt das Preisniveau, reagieren die Unternehmen mit kleinerer Produktion und weniger Beschäftigung. Eine Veränderung des Preisniveaus bewirkt also eine Bewegung auf der Kurve. Verändert sich nicht das Preisniveau, sonder die übrigen Einflussfaktoren, dann verschieben sich die Kurven. Beipiele:
Investitionen bewirken zwei Effekte:
- Einmal lösen sie einen Kapazitätseffekt aus, es werden Kapazitäten geschaffen, die das Potenzialwachstum mitbestimmen
- Im Zuge der Herstellung dieser Kapazitäten entsteht aber auch ein Einkommenseffekt, d.h. es entstehen Einkommen beim Produzenten, die in Nachfrage umgesetzt werden und somit die Potentialauslastung mitbestimmen.
Sind Einkommens‐ und Kapazitätseffekt nicht gleich hoch, gerät die Konjunktur in Schwankungen.
Konjunkturpolitik
--> Unser wichtigster Handelspartner ist DE. Wenns der Wirtschaft in DE nicht gut geht, haben wir ein Problem.
Die klassische Konzeption
Diese Auffassung herrschte bis Weltwirtschaftkrise 1930
Geht auf Adam Smith zurück. Vertraut in die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft. Deshalb soll sich der Staat von Eingriffen in die Wirtschaft (Nachwächterstaat) zurück halten.
-->Mehr Markt, weniger Staat!
Die keynesianische Konzeption
Geht auf JOHN MAYNARD KEYNES zurück. Vertraut nicht auf die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft. Erbringt den Nachweis eines Gleichgewichts bei Unterbeschäftigung. Daraus wird die Notwendigkeit von staatlichen Eingriffen (antizyklische Finanzpolitik) abgeleitet.
--> Mehr Staat, weniger Markt!!
(30er Jahre: Weltwirtschaftskrise,(Okt. 1929 crash for wall street); Banken und Unternehmen giengen Bakrott,hohe Arbeitslosigkeit und soziale Unruhe)
Einwände:
- Zeitverzögerungen (Time-Lags): Gefahr dass Konjunkturprogramme nicht rechtzeitig wirken (langwierigige Diagonose, Entscheidung, Umsetzung und Wirkung; in der Zwischenzeit kann sich die Konkunktur bereits verändert haben)
- Rückweg: Einmal gemachte Geschenke lassen sich nämlich nur äusserst mühsam zurückfordern (z.B. Steuererhöhung)
- Teilweise nicht zielgerichtete Massnahmen; Verteilung nach Giesskannenprinzip in inneffiziente Projekte und Branchen
- Probleme der Finanzierung der Defizite. Werden sie mittels Anleihen im Inland finanziert, erhöht sich das Zinsniveau. Durch den Zinsanstieg werden aber insbesondere Unternehmensinvestitionen verdrängt, weshalb eim Aufschwung nicht zustande kommen kann. Diese Verdrängung wird crowding-out-Effekt bezeichnet.
- Theorie der rationalen Erwartungen: Staatliche Eingriffe sind wirkungslos, weil die Wirtschaftsteilnehmer sie durchschauen und sich nicht in die Irre führen lassen.
Fiskalimpuls=Veränderung des strukturellen Saldos der Staatsrechnung im Verhältnis zum BIP. Zeigt die Wirkung (expansiv oder restriktiv) der Finanzpolitik an.
Die monetaristische Konzeption
Geht auf MILTON FRIEDMAN zurück. In der Geldmenge wird der entscheidende Einflussfaktor für den Konjunkturverlauf gesehen. Die Nationalbank muss deshalb versuchen, die Geldmenge auf das Wachstum des Produktionspotenzials auszurichten.
Wieder zurück zur klassischen Theorie: Mehr Markt, weniger Staat
(Stimmt im Moment nicht; Theorie nach Schulbuch veränderte sich)
Die angebotsorientierte Konzeption
Die Angebotsökonomen diagnostizieren schlechte Bedingungen für die Anbieter (zu hohe Kosten, Einschränkungen durch den Staat, zuviel Staatsinterventionen) und fordern in vielen Bereichen den Rückzug des Staates und mehr Marktwirtschaft (Deregulierungen, Privatisierungen, Senkung der Abgabenlasten, Verbesserung der unternehmerischen Rahmenbedingungen).
--> Haben viel von Milton Friedman übernommen
--> Vertrauen auf Selbstliberierung!
Lègere Vorschriften (z.B. in Bezug auf Eigenkapital) führten im 2008 zu vielen Untergängen (Banken etc.)
Konzept heute
Heute Mischung aus verschiedenen Elementen aus allen Konzepten. Keine Theorie ist wirklich richtig.
Grundsätzlich kann man sagen:
Kurzfristige konjunkturelle Störungen werden vorwiegend von der Nachfrage ausgelöst. Langfristige Störungen in der wirtschaftlichen Entwicklung haben ihre Ursachen vorwiegend auf der der Angebotsseite.
Die grosse Frage besteht weiterhin: Soll die Wirtschaftspolitik versuchen, Konjunkturschwankungen zu stabilisieren?
Der Staat wirkt heute wieder aktiver ein in die Märkte als noch vor 10 Jahren.
Wachstum: Langfristige Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung
Die Wachstumstheorie und -politik beschäftigt sich mit der langfristigen Entwicklung der Wirtschaft, gemessen an der Entwicklung des realen BIP pro Kopf. Dabei ist es wichtig, die Entwicklung des BIP pro Kopf zu betrachten. Denn wenn das BIP nur so stark wächst wie die Bevölkerung, dann kann sich der einzelne Bürger eines Landes trotz Anstieg nicht mehr/bessere Güter leisten. Im 1950 standen in der CH 24'000 Fr. pro Kopf zur Verfügung, 2013 waren es rund 69'000 Fr. Das Wachstum bietet folgende Vorteile:
- durch Produktion von mehr Gütern und DL können die Menschen ihre Bedürfnisse besser befriedigen (v.a. in armen Ländern)
- Bei Ländern mit hohem BIP pro Kopf geht es vor allem um die Qualität, nicht um die Quantität. Das Wachstum entspricht nicht der Anzahl, sondern dem Wert der produzierten Gütern - der Wertschöpfung. Z.B. energieeffizientere Kühlschränke, Biogemüse etc.
- Erhöhung der Nachfrage nach Arbeitskräfte. Die Arbeitslosigkeit wird gesenkt.
- Wirtschaftliches Wachstum erleichter die Lösung sozialpolitischer Probleme (Altersvorsorge, Einkommensverteilung usw.). Was einer Gruppe zusätzlich gegeben werden soll, braucht nicht anderen weggenommen werden, sondern kann aus dem Einkommenszuwachs abgezweigt werden. Hohe Wachstumsraten erlaben dem Staat die Erfüllung seiner Aufgaben, ohne dass er die Steuersätze erhöhen muss.
Einschub: Das langfristige ökonomische Denken wird im Alltag eher vernachlässigt. Wenn z.B. die Produktivität pro Jahr um 2% zunimmt, wird das von vielen als relativ kleine Veränderung aufgefasst. Wenig im Bewusstsein ist, dass eine Produktivitätserhöhung von 2% pro Jahr schon nach 36 Jahren zu einer Verdoppelung des Wohlstands eines Landes führt. Lnagfristig haben z.B. auch unterschiedliche Anzreize im Wirtschaftssystem enorme Folgen: Im Jahr 1990 war die Planwirtschaft der ehemaligen DDR im Vergleich zu der Marktwirtschaft Bundesrepublik rund dreimal weniger produktiv. Dreissig Jahre fehlender Anreize zur Motivation, Innovation und wirtschaftlichen Erfolg haben, kurzfristig kaum spürbar, zum langfristig gewaltigen Wohlstandsunterschied geführt.
Die Bestimmungsfaktoren des wirtschaftlichen Wachstum
Wirtschaftliches Wachstum kann durch eine quantitatvie Steigerung oder eine qualitative Verbesserung der Produktionsfaktoren Arbeit, natürliche Ressourcen, Realkapital oder Wissen erreicht werden. Dabei kommt dem Produktionsfaktor Wissen und der damit verbundenen Innovationskraft eine wachsende Bedeutung zu.
- Natürliche Ressourcen: Natürliche Ressourcen wie Erdöl sind verantwortlich für den Reichtum einzelner Nationen wie z.B. SaudiArabien. Aber sie sind keine Bedingung. Die Schweiz z.B. hat ein höhen BIP pro Kopf trozt nur sehr wenigen Ressourcen. Die Entdeckung neuer natürlicher Ressourcenvorkommen kann ebenso zur Beschleunigung des Wachstums führen.
- Arbeit: Das wirtschaftliche Wachstum pro Kopf kann auch durch einen Mangel an Arbeitskräften begrenzt werden. (z.B. Abnahme der Erwerbsbevölkerung bei einer wachsenden Gesamtbevölkerung)
- Realkapital: Ohne Investitionen kein Wachstum. (Investitionsquote = Anteil der Investitionen eines Landes in % des BIP)
- Wissen: Der Produktionsfaktor Wissen ist hauptverantwortlich dafür, dass ein stetiger Strom von Erfindungen zu einer ungeheuren Ausweitung der Produktionsmöglichkeiten geführt hat, sei das die Einführung der Dampfmaschine, der Bau der Eisenbahnen, die Erfindung von Elektrizität etc.
- Länderpolitische Rahmenbedingungen: geografische Lage, Rohstoffvorkommen, Nähe zu starken Volkswirtschaften, politische Stabilität, Rechtssicherhit, Infrastrukur, Bildungspolitik etc. (aufteilbar in gestaltbare und nicht gestaltbare Wachstumsfaktoren)
Ansatzpunkte für die Wirtschaftspolitik
Grundsätzlich kann eine Volkswirtschaft auf zwei Arten wachsen: entweder durch eine Eröhung der Arbeitsstunden oder durch eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität (Produktion pro Arbeitsstunde).
- Erwerbsquote=Verhältnis der Erwerbspersonen zur Bevölkerung im Alter von 15-64 Jahren --> z.B. Erhöhung Pensionierungsalter
- Sachkapital --> z.B. durch Erhöhung der Investitionsquote
- Humankapital --> z.B. durch Investitionen in Aus- und Weiterbildung
- Technik --> z.B. durch Investition in Forschung & Entwicklung
Die Wettbewerbs-, die Aussenwirtschafts-, die Bildungs-, die Innovations- und die Finanzpolitik lösen wesentliche Impulse auf das Wachstum aus.
Nachhaltige Entwicklung
Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) ist die Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. (Begriff kommt aus Forstwirtschaft)
Im Fokus der nachhaltigen Entwicklung steht u.a. der Umweltschutz; denn das Wachstum hat auch eine Schattenseite. Bei der aktuellen Bevölkerungszunahme (heute 7.2 Milliarden; gem. Schätzung der UNO 2050 9.6 Milliarden) stellt sich die Frage, ob das damit verbundene wirtschaftl. Wachstum nicht zwangsläufig zu einer Ausbeutung der natürlichen Ressourcen führt?
Eine saubere Umwelt ist ein Luxusgut mit einer Einkommenselatizität grösser als eins. Je höher der Wohlstand, desto mehr ist eine Volkswirtschaft bereit und in der Lage, die Aufwendungen für den Schutz der Umwelt zu erhöhen. Gegenwärtig leben wir so, als würden uns 1.5 Planeten Erde zur Verfügung stehen.
Beim Schutz der Umwelt liegt ein Marktversagen vor. Bei der Produktion und beim Konsum von Gütern fallen Kosten an, die nicht vom Verursacher, sondern von einer Gesellschaft getragenen werden müssen (externe Effekte). Die Konsequenz davon ist, dass davon "zu viel" produziert und konsumiert wird.
Zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung sollen die externen Kosten durch den Staat internalisiert werden. Dazu bieten sich z.B. Lenkungsabgaben (z.B. LSVA), die Besteuerung von externen Kosten, die Einführung von Umweltzertifikaten oder das Definieren von Eigentums-, Nutzungs- und Klagerechten an. Das Coase-Theorem deckt die letzte Aufzählung ab. Dank klar geregelten Eigentumsrechten können externe Effekte ausgebügelt werden.
(Durch Gebote und Verbote durch den Staat (z.B. Chemikalien in Waschmittel) werden Bürokratie-Kosten verursacht. Besser ist Selbstregulierung z.B. durch Labels wie MaxHavelaar oder BioSuisse. In gut entwickelten Volkswirtschaften wird für "gutes Gewissen" etwas bezahlt.
(Für die Messung der nachhaltigen Entwicklung kann das BIP nicht die alleinige Zielgrösse sein, weil es ausserökonomische Bedürfnisse ausblendet.)
Internationale und nationale Umweltpolitik
Weil viele Umweltprobleme einen globalen Charakter aufweisen (z.B. Klimaerwärmung), sollten auch die Schutzmassnahmen einen globalen Charakter haben. 1997 verpflichteten sich viele Industrieländer mit dem Kyoto-Protokoll zu konkreten Massnahmen gegen die Klimaerwärmung und Anfang 2005 trat das Kyoto-Protokoll formell in Kraft. Die Vereinbarung läuft weiter bis 2020.
Auch die Schweiz hat sich im Kyoto-Protokoll verpflichtet, den Austoss an Treibhausgasen wesentlich zu senken. Dazu wurde im 2008 eine Co2-Abgabe eingeführt (Lenkungsabgabe auf fossilen Brennstoffen), deren Einnahmen vollständig auf die Bevölkerung zurück verteilt wird. Im 2013 wurde zusätzlich ein "Klimarappen" im Co2-Gesetz verankert. Weiter hat der Bunderat und Parlament im 2011 einen Grundsatzentscheid für einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie gefällt. Die bestehenden 5 Kernkraftwerke sollen am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer stillgelegt und nicht durch neue Kernkraftwerke ersetzt werden. Dieser Entscheid erfordert einen sukzessiven Umbau des Schweizer Energiesystems. Hierfür hat der Bundesrat die Energiestrategie 2050 erarbeitet. http://www.bfe.admin.ch/themen/00526/00527/index.html?lang=de
Strukturwandel als Charakteristikum wirtschaftlicher Entwicklung
Die Komplexität des Strukturwandels
Die Entwicklung der Wirtschaft wird von einem Strukturwandel begleitet: Darunter versteht man insbesondere die Veränderung der Anteile von einzelnen Branchen und Sektoren in einer Volkswirtschaft, bezogen auf die Wertschöpfung und die Anzahl Arbeitsplätze. Die Bereitschaft zum Wandel ist der Schlüssel zur Zukunftssicherung.
Ein Strukturwandel ist neben den Konjunkturschwankungen und dem Wirtschaftswachstum das dritte Kennzeichen der wirtschaftlichen Entwicklung. Die wirtschaftspolitische Diskussion in schwierigen wirtschaftl. Zeiten wird oft von drei Lagern geprägt: Während das erste Lager den Kern der wirtschaftl. Probleme v.a. in einer konjunkturellen Schwäche ortet, diagnostiziert das zweite Lager primär grundlegende Struktur- und das dritte Wachstumsprobleme. Die Unterschiede in der Diagnose sind wichtig, weil auf ihrer Grundlage untersch. Therapien verordnet werden. Abgrenzung/Abhängigkeiten:
- Konjunkturschwankungen: Periodische Bewegungen der wirtschaftlichen Aktivität
- Strukturwandel: Dauerhafte irreversible Veränderung der Zusammensetzung, der Beziehungen der Teile in einer Volkswirtschaft zueinander
- Wachstum: Ist in der Regel mit einem Strukturwandel verbunden. Kann Folge oder Voraussetzung sein. Bsp. Veränderungen Qualifikationsniveau, Technologie
Ursachen
J. Fourastié hat 1949 eine Evolutionstheorie veröffentlicht, die für alle Länder einen Entwicklungsverlauf vorsieht, der folgendermassen skizziert werden kann: Zu Beginn der Industriealisierung eines Landes sind etwa 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, 10% in der Industrie und 10% im Dienstleistungssektor. Im Verlauf der Industriealisierung wächst der Beschäftigtenanteil im sekundären Sektor weitgehend zu Lasten des primären; im Zustand "der reifen Wirtschaft" aber beschäftigt der DL-Sektor gegen 80% aller Erwerbstätigen; während in den beiden anderen Sektoren nur je 10% tätig sind. Vergleicht man die Theorie mit der Wirklichkeit, stellt man eine grosse Übereinstimmung fest (in der CH sind heute schon ca. 75 % im 3. Sektor tätig, ca. 22% im 2. und nur noch 3% im 1.). Als Ursachen des Strukturwandels gelten die Nachfrage-, und Angebotsdynamik sowie die Veränderungen in den Rahmenbedingungen. Die hauptsächliche Triebkraft ist der technische Fortschritt.
- Nachfragedynamik: Mit steigendem Einkommen verändert sich die Nachfrage nach Güter und DL nicht gleichmässig. Nahrungsmittel, Autos, Bekleidung etc. erreichen eine mengenmässige Sättigungsgrenze. Dagegen expandieren die Nachfrage nach DL wie Reisen, Theaterbesuche, Schönheitspflege etc. (DL haben eine hohe Einkommenselastizität im Gegensatz zu Nahrungsmittel und anderen Konsumgütern). Es fliesst nur noch ein geringer Teil des Portemonnaies in den 1. Sektor. --> Maslow
- Angebotsdynamik: Sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Industrie konnte die Arbeitsproduktivität durch den technischen Fortschritt massiv gesteigert werden. Es werden deshalb immer weniger Arbeitskräfte gebraucht, um dieselbe Menge an Produkten zu erzeugen. Die Möglichkeiten zur Steigerung der Arbeitsproduktivität im DL-Bereich scheinen begrenzt zu sein, zumindest in den Bereichen, in welchen die Persönlichkeit des Dienstleistenden eine zentrale Rolle spielt (z.B. Coiffeur, Lehrer).
- Veränderte Rahmenbedingungen: Auch die Globalisierung wirkt sich auf den Strukturwandel aus: die sinkenden Kosten der Internationalisierung ermöglichen die Wahl des günstigsten Standorts für jede einzelne Komponente eines Produkts (z.B. Verwaltung in CH, Call-Center in Indien, Produktion in China, Forschung in USA). Auch die nationale und regionale Wirtschaftspolitik wirkt sich stark aus: z.B. durch Föderungsmassnahmen, Subventionen, Wettbewerbsbeschränkenden Bestimmungen etc.
Strukturwandel in der Schweiz
Der Strukturwandel betrifft nicht nur die Sektoren, auch die Branchen werden erfasst:
Folgendes kann daraus abgeleitet werden:
- Wächst die Produktivität, steigt im Allgemeinen auch die Wertschöpfung (höhere Produktivität=höhere Wettbewerbsfähigkeit)
*Nur wenn die Wertschöpfung stärker steigt als die Produktvität, werden in dieser Branche mehr Erwerbstätige benötigt
Die strukturellen Veränderungen sind irreversibel.
Der Industrieanteil in der Schweiz ist robust. Misst man die Insdustrieproduktion pro Kopf, steht die CH mit 12'400 US-Dollar einsam an der Spitze, weit vor den zweitplatzierten Japan (8'600) oder Deutschland (7'700). Diese hohe Wertschöpfung der Industrie in der CH ist zu einem grossen Teil der Produktion von hochwertigen Gütern, bei denen die Innovation eine bedeutende Rolle spielt, wie Medizinaltechnik, Pharmazeutika, Luxusuhren etc. Aber auch eine konsequente Markenpflege, die es zusammen mit einer weit getriebenen Autmoatisierung erlaubt, trotz hohen Arbeitskosten in der CH zu produzieren. Trotz dem ist dem wird die CH von der Deindustrialisierung geprägt. Zwar ist der Wertschöpfungsanteil nur wenig zurückgegangen, aber die Beschäftigungsbilanz ofenbart den Strukturwandel.
--> in der CH wird der 2. Sektor (Produktion) vom Staat gefördert. (Gefahr von Know how Verlust bei Auslagerungen der Produktionen ins Ausland)
Strukturwandel als Herausforderung für Unternehmen, Staat und Gesellschaft
Besonders für die wirtschaftlich stark mit dem Ausland verflochtene Schweiz wird der sektorale und branchenmässige Strukturwandel von den Veränderungen im internationalen Umfeld mitgeprägt. Obwohl die Bewältigung des Strukturwandels primär Aufgabe der Unternehmen ist, wird auch die Politik gefordert. Arten der Strukturpolitik:
- Strukturerhaltung (Strukturwandel abschwächen, z.B. mittels Direktzahlungen, Subventionen und Marktabschottungsmassnahmen)
- Strukturanpassung (Strukturwandel erleichtern)
- Strukturgestaltung (in gewünschte Richtung steuern, z.B. staatliche Förderung von Forschung & Technologie in ausgewählten Bereichen, Subventionierung des Umweltschutz etc. Bsp. Käse Markt ist seit ein paar Jahren offen)
Die Frage welches Verhalten das Richtige ist wird kontrovers beurteilt.
Erfolgsfaktoren
Die Erhöhung der Innovationsfähigkeit, der Förderung des Wettbewerbs, die Verbesserung der Standortqualität sowie Anpassungen und Verbesserungen im Bildungssystem sind wichtige Erfolgsfaktoren zur Bewältigung des Strukturwandels, die im Kontrast zu gewissen Verhaltensmustern und Werten stehen.
Einige volkswirtschaftliche Problemstellungen
Geld, Geldpolitik und das Problem der Inflation
Was ist Geld? Geld wird nicht einfach als der Gesamtbestand von Bar- und Buchgeld bei allen Wirtschaftssubjekten definiert. Die Geldbestände der Banken scheiden dabei aus (u.a. um Doppelzählungen zu vermeiden). Zur Geldmenge gehören demnach die Geldbestände des Publikums (Haushalte, Unternehmungen und Staat).
Unterschieden werden vier Geldmengen:
Aus der Sicht des Publikum:
- M1: Geld im engeren Sinn ist alles, womit wir jederzeit bezahlen können. Dazu gehören das Bargeld, die Sichtguthaben und die Einlagen auf Transaktionskonten des Publikums bei Banken und Post. Die Zahlungsmittelfunktion des Geldes als Abgrenzugskriterium ist massgebend.
- M2: M1 plus Spareinlagen (Wertaufbewahrungsfunktion) davon ausgenommen sind die 2. und 3. Säule (kein Substitut für Zahlungsmittel)
- M3: M2 plus Termineinlagen (z.B. Kassenobligationen, Anleihen etc.)
- Aus der Sicht der SNB: Geld welches sie der Wirtschaft zur Verfügung stellt und sie direkt kontrollieren kann (SFr-Noten die sie in den Umlauf setzt und Sichteinlagen der Banken bei ihr).
Das Verhältnis zwischen dem Bargeld und den Sichtguthaben/Transaktionskonti beträgt in der CH etwa 1:9, was die Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs aufzeigt.
Entstehung von Geld
Geld entsteht nicht durch das Drucken von Noten durch die SNB! Die Noten zählen erst zur Geldmenge wenn sie über den Schalter der SNB-Hauptkasse zu den Banken gelangen (Notenbankgeldmenge), bzw. wenn sie in die Hände des Publikums geraten (Geldmenge M1). Demnach entsteht Geld aus einem Tauschgeschäft, an dem eine inländische Bank beteiligt ist. Bei diesem Tauschgeschäft wird etwas, was Nichtgeld ist, gegen Geld getauscht (Monetisierungsfunktion). Beispiele:
- Die Nationalbank kauf von einer Geschäftsbank eine Million Dollar: Die Geschäftsbank überweist der SNB die eine Million Dollar, die Nichtgeld sind, und bekommt den Gegenwert in SFr. auf dem Girokonto gutgeschrieben. Die Sichtguthaben der Bank steigen, das bedeutet einen Anstieg der Notenbankgeldmenge. Die M-Geldmengen bleiben unverändert.
- Die Nationalbank gewährt einer Geschäftsbank einen Kredit gegen Wertschriften als Pfand: Die Geschäftsbank tritt an die SNB eine Sicherheit ab (Nichtgeld) und erhält dafür Geld in der Form von Sichtguthaben. Auch in dieser Form steigt die Notenbankgeldmenge, die M-Geldmengen bleiben unverändert.
- Eine Bank gewährt einen Kredit: Die Bank schreibt den Betrag ihrem Kunden auf seinem Bankkonto gut. Als Sicherheit erhält sie z.B. das Pfandrecht auf der Liegenschaft (Nichtgeld). Die M-Geldmengen steigen.
(Durch Umkehrung der Transaktionen wird Geld vernichtet, also z.B. wenn ein Kredit an die Bank oder an die SNB zurückbezahlt wird).
Wie beim letzten Beispiel ersichtlich, ist die Bank bei der Geldschöpfung beteiligt. Diese Vermehrung der Geldmenge durch das Kreditschöpfungspotential der Geschäftsbanken wird als Geldschöpfungsmultiplikator bezeichnet. Ein Beispiel dazu: Sie gründen eine Bank und der erste Kunde, Kunde A, eröffnet ein Girokonto und zahlt 500'000.-- in Noten ein. Kunde B plant eine Investition und möchte einen Kredit aufnehmen. Sie behalten eine Sicherheitsreserve von 10% und gewähren B einen Kredit von 450'000.--. Die Geldmenge ist nun auf 950'000.-- gestiegen. So wird das Spiel immer weiter fortgesetzt und die Geldmenge erhöht sich immer weiter. Der Prozess endet erst, wenn der Gesamtwert der Gelder, die den Reserven zufliessen, den ursprünglichen Anstieg der Notenbankgeldmenge kompensiert. Der Geldschöpfungsmultiplikator kann deshalb wie folgt berechnet werden: 1/Reservesatz. Im Beispiel beträgt der Reservesatz 10%, der Multiplikator somit 10. Aus einer Bargeldeinlage von 500'000.-- entsteht eine Geldmengenerhöhung von 5 Mio Fr.
Diese Geldschöpfung der Geschäftsbanken hat zur Folge, dass wenn alle Bankkunden gleichzeitig ihr Geld zurück möchten, sie nicht in der Lage wären, ihrer Auszahlungspflicht nachzukommen. Weil die Banken mehr Sichtguthaben schöpfen als sie Bargeld haben, hat der Staat zahlreiche Regulierungen erlassen, um Bankenkrisen möglichst zu vermeiden.
Die Schweizerische Nationalbank
Einige Facts:
- Gründung 1906
- Rechtsform AG, zu 2/3 im Besitz von Kantonen und Kantonalbanken, 1/3 Privat (unabhängig vom Bund)
- Die SNB umfasst drei Departemente: http://www.snb.ch/de/iabout/snb/org/id/snb_org_org
- Bankrat (Legislative): Der Bankrat beaufsichtigt und kontrolliert die Geschäftsführung der Nationalbank. Er besteht aus 11 Mitgliedern. 6 Mitglieder, darunter der Präsident und der Vizepräsident, werden vom Bundesrat und 5 von der Generalversammlung gewählt.
- Direktorium (Exekutive): Das oberste geschäftsleitende und ausführende Organ der Nationalbank ist ein 3-köpfiges Direktorium. Das Direktorium wird vom Bundesrat gewählt, ist aber in der Führung der Geldpolitik autonom. Präsident Thomas Jordan, Mitglieder Fritz Zurbrügg und Jean-Pierre Danthine (wird am 1.7.15 durch Andrea Maechler ersetzt, welche die erste Frau im Direktorium wird)
- hat Notenmonopol (CHF)
- arbeitet nicht gewinnorientiert. Darf höchstens eine Dividende von 6% des Aktienkapitals ausschütten. Soweit der Gewinn die Dividende übersteigt, kann er zu 1/3 an Bund und zu 2/3 an Kantone ausbezahlt werden
- Öffentlicher Auftrag: "Die SNB führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient. Sie soll die Preisstabilität gewährleisten, dabei den konkunkturellen Entwicklungen Rechnung tragen und zur Stabilität des Finanzsystems beitragen"
- Typische Positionen der Nationalbankbilanz: Aktivseite: Der Anteil der Devisen (Fremdwährungen) beträgt über 90% (510 Milliarden, vorwiegend Wertpapiere in Euro und Dollar). Gut 39 Milliarden ist der Wert des Goldes, welches die SNB in Form von Barren und Münzen im In- und Ausland gelagert hat. Eine wichtige Stellung nehmen auch die Repo-Geschäfte ein. Ende 2014 weist zwar die SNB-Bilanz keine Repo-Geschäft aus, aber sie sind das wichtigste geldpolitische Instrument der SNB. Passivseite: Der Notenumlauf weist mit rund 67 Milliarden Fr. den Wert der von der Nationalbank ausgegebenen Banknoten aus. Die Guthaben der Banken auf den Girokonten (rund 328 Milliarden) dienen der Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Diese Girokonten bilden die Grundlage für die geldpolitische Steuerung der SNB. http://www.snb.ch/de/iabout/snb/annacc/id/snb_annac_balance
- Geldpolitische Instrumente: Keine direkte Einflussmöglichkeit hat die SNB beim Notenumlauf, da dieser durch die Bargeldhaltung und Zahlungsgewohnheiten der Haushalte und Unternehmen angepasst wird. Hingegen kann die SNB bei den Girokonten der Banken Einfluss ausüben. An dieser Position wird angesetzt. Die tägliche Steuerung erfolgt in zwei Schritten: Im ersten Schritt werden die Veränderungen der Giroguthaben ohne Zutun der SNB möglichst genau prognostiziert (z.B. Bezug und Rückzahlung von Krediten). Im zweiten Schritt werden die geldpolitischen Instrumente so eingesetzt, dass sie den gewünschten Stand erreichen. Wenn die SNB die Versorgung der Wirtschaft mit Geld erhöhen will, gewährt sie den Banken Kredit zu attraktiven Zinsen. Den Gegenwert schreibt sie auf ihrem Girokonto gut. Diese Gutschrift benützen die Banken ihrerseits zur Gewährung von Krediten und setzen den Geldschöpfungsmultiplikator in Gang. Das wichtigste Instrument:
-->Repo (Repurchase Agreement): Bei diesem Geschäft kauft die Nationalbank von einer Bank Wertpapiere und vereinbart, dass die Bank diese Wertpapiere nach einer bestimmten Zeit wieder zurücknimmt. Die Laufzeiten des Repos liegen zwischen einem Tag und wenigen Monaten. Für die Laufzeit des "Darlehens" verlangt sie einen Zinssatz. Durch die Höhe und Attraktivität des Zinssatzes kann sie das Geldschöpfungspotential der Banken beeinflussen. Weitere Instrumente: Negativ-Zinsen (Wenn der geldpolitische Zins bereits bei null liegt, aber die Geldpolitik weiter gelockert werden soll, kann die Zentralbank die Zinsen in den negativen Bereich senken. Der von der SNB am 18. Dezember 2014 beschlossene Negativzins für Sichtguthaben auf ihren Girokonten von -0,25% diente dazu, das Halten von Frankenanlagen weniger attraktiv zu machen und damit den Mindestkurs zu Euro(galt vom 6. September 2011 bis 15. Januar 2015) zu unterstützen), Devisengeschäfte (Unter Devisen versteht man in einem offiziellen Verbreitungsgebiet einer Währung Forderungen, die auf andere Währungen lauten), Wertschriften in CHF, SNB-Bills (Schuldverschreibung zur Abschöpfung von Liquidität, wegen starkem Franken seit 2011 nicht mehr eingesetzt)
- Geldpolitik: In der Geschichte der Geldpolitik zeigten sich drei grundsätzlich unterschiedliche Strategien: Die Geldpolitik orientiert sich an Geldmenge, an Wechselkursen oder an Inflationsprognosen. Das seit anfangs 2000 gültige geldpolitische Konzept der SNB stützt sich auf drei Pfeiler ab:
- Die Entscheide werden auf Inflationsprognosen für die nächsten 3 Jahre abgestützt
- dafür verfolgt sie ein Inflationsziel von max. 2% (=Preisstabilität)
- Zur Umsetzung der Geldpolitik wird täglich ein Zinszielband für den Dreimonatszinsatz für Frankenanlagen (Libor) festgelegt. (momentan 0.25 - -1.75)
(bis am 15.1.15 galt zusätzlich ein Mindestkurs von 1.20 pro Euro)
Geldpolitik in stürmischen Zeiten
Im 2008 und 2009 wurde die Weltwirtschaft von einer Krise erfasst. Der ursprüngliche Krisenherd war der Immobilienmarkt in den USA. Eine sehr expansive Geldpolitik mit tiefen Zinsen und hohen Kapitalzuflüssen ab 2001 verursachte einen unverhätnismässigen Anstieg der Immobilienpreise. Als sich bei den Häuserpreisen eine Trendwende abzeichnete, platze die Immobilienblase und löste ein Kurszerfall der Wertpapiere aus, welche auf den Hypotekarschulden beruhten. In der Folge brachen auch die Aktienmärkte ein, die Zukunftsaussichten wurden schwarz und schwärzer. Einige Banken gingen Konkurs oder drohte zumindest Konkurs. Die Wirtschaftskrise manifestierte sich 2009 in einer Rezession, in deren Folge viele Staaten der Konjunktur mit erheblichen Ausgabenerhöhungen wieder auf die Beine helfen wollten. Der Welthandel erholte sich tatsächlich wieder, allerdings stiegen die Schulden aufgrund der Konjunkturprogramme derart stark, dass einigen Ländern, wie z.B. Griechenland, Irland oder Portugal der Staatbankrott drohte.
Auf die dramatischen Verschlechterungen der Finanz- und Wirtschaftslage reagierten die Notenbanken weltweit mit einer Lockerung der geldpolitischen Zügel, indem sie Leitzinsen auf historische Tiefstände senkten. Als die Zinssätze bei null angelangt waren, hatten sie keine Möglichkeit mehr, die Geldmenge über den "Preis des Geldes" zu steuern. Da die Finanz- und Wirtschaftskrise aber noch nicht entschärft war, kamen unkonventionelle geldpolitische Massnahmen zum Einsatz. Einige Notenbanken begannen Staats- und Unternehmensanleihen zu kaufen um auch die langfristigen Zinsen zu senken. Man spricht bei diesen Massnahmen von quantitativer Lockerung der Geldpolitik ("quantitative easing").
(Die wichtigsten Zentralbanken: FED=Amerika, EZB=Europäische Zentralbank, BOJ=Japan)
Auch die SNB reagierte auf die Krise mit einer beispielslosen Lockerung der Geldpolitik. Die folgen dieser Politik machen sich an verschiedenen Orten bemerkbar: Zinssenkungen/Negativzinsen, Anstieg der Devisen in der Bilanz, Risiko von Kursschwankungen auf Devisen (Verluste der SNB z.B. im 2010 und 2013), Anstieg der Geldmenge (z.B. Notenbankgeldmenge erhöhte sich von 2007 bis 2013 um rund 700%, M1 verdoppelte sich).
Wirkungen der expansiven Geldpolitik
Bislang galt der Grundsatz: Wenn die Notenbanken die Zinsen senkt und das Geld damit günstiger wird, gibt das der ganzen Wirtschaft einen Schub. In der letzten Krise hat dieser Grundsatz aber nicht mehr so Lehrbuchmässig funktioniert. Die Schwierigkeiten:
- Liquiditäts- und Investitionsfalle: Wenn die Zinsen schon tief sind, kann es passieren, dass das Geld liquid gehalten wird oder dazu benutzt wird Schulden zurück zu bezahlen und nicht investiert wird. In der Liquiditätsfalle kommt der Anstieg der Notenbankgeldmenge gar nicht richtig in der Realwirtschaft an. Teilweise reichen auch die Banken die Liquidität nicht weiter, weil sie aufgrund der Rezession das Ausfallrisiko als zu hoch einschätzt oder weil sie höhere Eigenkapitalanforderungen erfüllen müssen. Vorsichtige Banken bleiben also lieber auf ihren Reserven sitzen, anstatt diese auszuleihen. Man sprich von einer Kreditklemme.
- Kleiner Multiplikator: Wenn das Kreditvolumen nicht wie erwartet ansteigt und die Menschen ihr Geld nicht für zusätzlichen Konsum ausgeben, dann fällt der Geldschöpfungs- und der Einkommensmultiplikator entsprechend klein aus. Die Theorie der rationalen Erwartungen unterstellt, dass die Menschen ihre Erwartungen in voller Kenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge bilden, sich also nicht systematisch täuschen lassen. Rechnen sie infolge der expansiven Geldpolitik langfristig mit Preissteigerungen, werden sie den aktuellen Konsum nicht erhöhehn.
- Deflationsgefahren: Die bisher aufgeführen Gründe können dazu führen, dass die Lockerung der Geldpolitik über die Abfolge von verschiedenen Schritten nicht wie erwartet zu steigenden Preisen führt, sondern eine Preisspirale (Deflation) nach unten auslöst. Wenn es der Geldpolitik eben nicht gelingt, die Nachfrage zu beleben, bleibt der Druck zur Senkung der Preise bestehen.
Zusammenfassend gesagt kann eine expansive Geldpolitik kurzfristig helfen, eine Rezession zu überwinden, wobei obige Hindernisse zu berücksichtigen sind. Langfristig bleibt eine expansive Geldpolitik ohne reale Effekte auf das Produktionsniveau, bewirkt aber mit einiger Wahrscheinlichkeit einen Anstieg des Preisniveau. Geldpolitik ist nicht allmächtig. Wachstums- und Strukturprobleme können nicht durch die Geldpolitik gelöst werden.
Ein Beispiel: Eine wichtige Ursache der letzten Rezession war die expansive Geldpolitik der Notenbanken und die eingesetze Medizin gegen die Rezession war dieselbe, welche die Krise verursacht hat....
Inflation
Hauptursachen für Inflation sind eine übermässige Ausdehnung der Geldmenge, ein Nachfrageüberschuss und steigende Produktionskosten.
Von importierter Inflation spricht man dann, wenn sich ausländische Preissteigerungen durch Einfuhren auf das Inland übertragen werden.
Die Folgen der Infaltion sind:
- Ungerechte Einkommens- und Vermögenumverteilungen: Hauptbenachteiligte sind die Gläubiger (z.B. Sparer), da der Wert der Forderungen immer wie mehr abnimmt. Bevorteiligt sind alle, die Geld aufgenommen haben, da sich die Schulden verkleinern. Ein weiterer Verteilungseffekt betrifft den Realwert der Steuerschulden. Die Inflation bringt den Steuerzahler in höhere Steuerklassen (Erhöhung der Löhne), deshalb steigt der Realwert ihrer Steuerzahlung bzw. das reale verfügbare Einkommen sinkt; man spricht in diesem Fall von kalter Progression.
- Marktverzerrungen, Effizienzverluste, ineffiziente Allokation der Ressourcen
Die Philipps-Kurve stellt eine entgegengesetzte Beziehung (Trade off) zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation dar. Heute nicht unbedingt mehr so und wenig mehr relevant.
Die Senkung der Inflationsrate ist nicht gratis zu haben. Eine restriktive Geldpolitik (Geldmenge reduzieren) bewirkt einen Nachfragerückgang mit der Gefahr einer Rezession. Je weniger die Preise auf den Nachfragerückgang reagieren (z.B. aufgrund von Wirkungsverzögerungen, Indexmechanismen wie Lohnindexierung an LIK, regulierten Preisen welche sich nicht frei auf dem Markt bilden oder Kartellabsprachen), desto schmerzhafter und langwieriger ist der Prozess der Inflationsbekämpfung.
Deflation / Disinflation
Deflation ist das Gegenstück zur Inflation. Deflation bedeutet einen generellen Rückgang des Preisniveaus über längere Zeit. Bei Deflation sinken die Preise, der Wert des Geldes steigt.
Seit der Finanzkrise im 2008 (globaler Einbruch der Nachfrage, Rückgang der Rohstoffpreise, weltweite Überkapazitäten etc.) und des Euros haben wir Deflationstendenzen (zurzeit 0.5-0.6%).
Die Umverteilungswirkungen gehen zu Lasten der Schuldner und zu Gunsten der Gläubiger. Deshalb will niemand Geld aufnehmen und investieren. Und weil alle Sachwerte ständig billiger werden, kauft niemand mehr als unbedingt nötig.
Die Nationalbank hat aufgrund der Deflationsgefahren auf eine Nullzinspolitik umgestellt.
Nicht zu verwechseln ist die Deflation mit der Disinflation: Unter einer Disinflation versteht man eine Verlangsamung des Preisanstiegs. Eine Disinflation bezeichnet somit eine Verminderung der Inflation.
Landesindex der Konsumentenpreise
gilt als "Fiebermesser der Inflation".
Der LIK misst die durchschnittlichen Preisveränderungen eines repräsentativen Korbes von rund 1050 Waren und Dienstleistungen (aus 12 Hauptgruppen), die von Haushalten zu Konsumzwecken gekauft werden. Steigt das Preisniveau sinkt der Wert des Geldes. Ein sinkender Geldwert bedeutet Inflation.
Die Hauptgruppen/Gewichtung des LIK:
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 10.4%, Alkoholische Getränke/Tabak 1.8%, Bekleidung und Schuhe 3.7%, Wohnen und Energie 24.9%, Hausrat und laufende Haushaltsführung 4.5%, Gesundheitspflege 14.9%, Verkehr 11.6%, Nachrichtenübermittlung 2.7%, Freizeit und Kultur 10.2%, Erziehung und Unterricht 0.8%, Restaurants und Hotel 8.5%, Sonstiges 5.5%.
Nicht alle Ausgaben, die in einem Haushalt anfallen, fliessen in die Berechnung des LIK ein. Dabei fehlen insbesondere die direkten Steuern, die Prämien für Sozialversicherungen, die Motorfahrzeugsteuer und Haftpflichtversicherung ebenso wie Krankenkassenprämien, obwohl diese Ausgaben ca. 37% aller Ausgaben eines Haushalts ausmachen. Der Grund dafür liegt darin, dass sich der LIK am "privaten Konsum" der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung orientiert. Deshalb werden nicht die Krankenkassenprämien gemessen, sondern z.B. die Preise für Medikamente, die Arzt- und Spitalkosten. Auch Preisänderungen bei Vermögenswerten wie z.B. Aktien und Immobilien fliessen nicht in den LIK. Er stellt somit die Entwicklung der Preise der für die Konsumenten bedeutsamen Waren und DL dar und nicht die Entwicklung der Lebenshaltungskosten.
Das Bundesamt für Statistik führt jährlich eine Verbrauchserhebung und Neugewichtung anhand einer Stichprobe bei rund 4'000 Haushalten durch. Die in der Zwischenzeit stattfindenden Veränderungen der Konsumgewohnheiten, z.B. aufgrund neuer Güter, werden nicht erhoben. Auch Qualitätssteigerungen der Produkte werden nicht berücksichtig.
Der LIK hat eine hohe Bedeutung, da die Renten, Budgets vom Staat, Löhne etc. an ihn gekoppelt sind. (Teuerungsausgleich=Beibehalten der Kaufkraft)
In den letzten Jahren hat sich im Zusammenhang mit der Frage, welches denn der richtige Massstab für die Teuerung sei, der Begriff der Kerninflation in den Vordergrund gedrängt. Ziel der Kerninflation ist es, die Preisentwicklung jener Güter zu erfassen, welche die Nationalbank mit ihrer Geldpolitik auch beeinflussen kann. (Inflation hautps. ohne Miete und Energie und Nahrungsmittel)
Das Problem der Arbeitslosigkeit
Das Gut welches am Arbeitsmarkt gehandelt wird ist die Arbeitskraft der Menschen. Der Preis der dafür bezahlt wird ist der Lohn. Der Arbeitsmarkt ist jedoch kein Markt wie jeder andere. Er zeichnet sich durch folgende Besonderheiten aus:
- heterogenes Angebot --> jede Arbeitskraft ist ein Individuum mit unterschiedlichen Eigenschaften
- Teilnahme am Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer "überlebenswichtig"
- Beeinflussung der vertraglichen Abmachungen durch Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände sowie von zahlreichen Gesetzen (z.B. Kündigungssperrfristen Militär, Krankheit, Mutterschaft) --> sehr regulierter Markt
- Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist eine abgeleitete Nachfrage, weil sie von der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen abhängt
- Die Beziehung zwischen Anbieter und Nachfrager ist sehr eng
Das klassische Modell des Arbeitsmarktes
Die von links unten nach rechts oben verlaufende Kurve stellt das Angebot an Arbeitskräften dar. Die Opportunitätskosten für Freizeit steigt bei steigenden Löhnen an, deshalb auch die Nachfrage nach Arbeit. Wer zum Lohn im Marktgleichgewichtspreis (L1, M1) nicht zur Arbeit motiviert werden kann, ist freiwillig arbeitslos (lebt von anderen Einnahmequellen wie z.B. Eltern oder Partner).
Die Nachfragekurve verläuft entgegengesetzt. Ein Unternehmer fragt alle Arbeitskräfte nach, deren Wertschöpfung die Lohnkosten übersteigen. Je kleiner der Lohn, desto grösser ist deshalb die Anzahl Beschäftigter.
Bei flexiblen Löhnen gibt es im klassischen Arbeitsmodell keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit.
Würde man den Lohn nun „künstlich“ anheben, etwa durch einen gesetzlichen Mindestlohn, dann entstünde eine Lücke, weil immer nur die „kürzere“ Seite zum Zuge kommt. Das ist beim Lohn L2 die Nachfragekurve. Die als „Arbeitslosigkeit“ markierte Differenz beschreibt den Angebotsüberhang an Arbeitskräften..
Das keynesianische Modell des Arbeitmarktes
Die keynesianische Witschaftstheorie interpretiert Arbeitslosigkeit als die Folge von mangelnder Nachfrage auf den Gütermärkten. Löhne und Gehälter sind nicht nur Kosten, sondern auch Einkommen und damit reale Kaufkraft. Wenn allen Arbeitnehmern einen tieferen Lohn ausbezahlt wird, sinkt auch die Konsumgüternachfrage. Wenn der Rückgang der Konsumnachfrage nicht durch eine Erhöhung der Investitionen, der Exporte und der Staatsnachfrage kompensiert wird, kommt es zu einem Rückgang der Gesamtnachfrage mit Auswirkungen auf die Preise, Zinsen etc. Eine Rezession mit deflationären Folgen ist nicht auszuschliessen. Zudem zweifeln Keynesianer an der Lohnflexibilität, wie sie im klassischen Arbeitsmarktmodell angenommen wird. Lohnrigidäten (Lohnstarre) führen bei Störungen am Arbeitsmarkt zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Gründe für starre Löhne:
- Institutionelle Faktoren: Gesetzliche Mindestlöhne, Arbeitsmarktregulierungen wie Kündigungs- oder Sozialplanvorschriften sowie flächendeckende Gesamtarbeitsverträge
- Das "Insider-Outsider-Modell": "Insider" (Arbeitsplatzbesitzer vertreten durch Gewerkschaften setzten Lohnerhöhungen für sich durch, anstatt durch Lohnkürzungen den "Outsidern" (Arbeitslosen) eine Chance auf einen Arbeitsplatz zu eröffnen. Für die Unternehmen lohnt es sich nicht, auf die tieferen Lohnforderungen der Arbeitslosen einzugehen, weil sie in ihre Beschäftigten investiert haben (Einarbeitung, Weiterbildung etc.)
- Die Effizienzlohntheorie: Grundlegend für die Effizienzlohntheorie ist, dass die Produktivität eines Beschäftigten positiv vom gezahlten Lohn abhängt (Motivation). Zudem erhält eine Unternehmung, die mehr Lohn zahlt, mehr Bewerbungen und kann aus den qualifiziertesten Bewerbern aussuchen. Weiter muss sie weniger Kündigungen entgegen nehmen und kann so Such-, Einstellungs- und Weiterbildungskosten sparren.
Typen von Arbeitslosigkeit
- Friktionelle Arbeitslosigkeit: Für die Wirtschaftspolitik unproblematisch. Ursachen: saisonale Nachfrageschwankungen (z.B. im Tourismus oder Landwirtschaft) oder in Stellenwechseln und damit verbundenen Suchprozessen
- Konjunkturelle Arbeitslosigkeit: Arbeitslosigkeit infolge Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Temporär.
- Strukturelle Arbeitslosigkeit: Ursachen: Anpassungen der Produktionsstruktur und Produktionstechniken. Diese setzen eine neue Qualifikation der Arbeitgeber voraus (z.B. PC-Kenntnisse). (Mismatch-Arbeitslosigkeit: In der Schweiz sorgt seit einer Zeit der schweinbare Wiederspruch zwischen steigender Erwerbslosgikeit einerseits und erhöhter Erwerbstätigkeit andererseits für Irritationen. Öknomen sprechen von Mismatch-Arbeitslosigkeit. Die Erwerbslosen erfüllen das Anforderungsprofil der Arbeitgeber nicht, weshalb sie auf ausländische Erwerbstätige zurückgreifen).
- Sockelarbeitslosigkeit: Jeder konjunkturelle Einbruch ruft einen Anstieg an Arbeitslosen hervor, der am Ende der anschliessenden Erholungsphase einen Restbestand, einen Sockel an Arbeitslosen, zurücklässt. Sockelarbeitslosigkeit ist also jenes Niveau der Arbeitslosigkeit, das in konjunkturneutralen Phasen besteht. Sie setzt sich aus der friktionellen und strukturellen Arbeitslosigkeit zusammen.
Die Beveridge-Kurve
Die Beveridge-Kurve (nach William Henry Beveridge) ist ein einfaches ökonomisches Modell, das a) den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen zeigt und b) friktionelle und konjunkturelle Arbeitslosigkeit gegenüberstellt.
Die vertikalen Achse misst die offenen Stellen. Auf der horizontalen Achse wird die Anzahl der Arbeitslosen eingetragen. Alle Punkte, die auf der Winkelhalbierenden liegen, zeichnen sich dadurch aus, dass in genau gleich großem Umfang Arbeitslosigkeit und offene Stellen auftreten. Alle Punkte auf dieser Geraden entsprechen der Sockelarbeitslosigkeit (friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit). Punkte auf der Beveridge-Kurve rechts der Winkelhalbierenden stellen Ungleichgewichte dar, in welchen Stellenmangel vorherrscht (konjunkturelle Arbeitslosigkeit), Punkte links der Winkelhalbierenden dagegen kennzeichnen Ungelichgewichte mit Stellenüberhang.
Die Beveridge-Kurve für die Schweiz
Ursachen für Zunahme der Sockelarbeitslosigkeit
In einem flexiblen Arbeitsmarkt sollte es gar nicht zu einer unfreiwilligen Arbeitslosigkeit kommen. Die Sockelarbeitslosigkeit nimmt jedoch stetig zu. Gründe dafür:
- Regulierungen des Arbeitsmarktes
- Rasanter Strukturwechsel (je mehr z.B. die technologische Entwicklung zum Verlust von Arbeitsplätzen für Unqualifizierte führt, desto mehr verlieren Unqualifizierte ihre Stelle und finden keine neue Beschäftigung mehr).
Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
Leider gibt es zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit kein allgemein gültiges Rezept. Je nach Analyse fällt die Therapie anders aus. Zudem spielen Wertvorstellungen eine Rolle, so dass auch Empfehlungen von Ökonomen unterschiedlich ausfallen können. Die Bekämpfung kann direkt auf dem Arbeitsmarkt oder indirekt auf dem Gütermarkt ansetzen:
Ansatzpunkte auf dem Gütermarkt
- Stärkung der Wettbewerbskraft (Befreiung der Volkswirtschaft von all jenen Schutzzäunen, Verboten und weiterem protektionistischen Ballast, die den Marktkräften hinderlich sind)
- Erhöhung der Standortattraktivität (politische und monetäre Stabilität, ein ungehinderter Markzutritt gegen aussen, gute Infrastruktur, Rechtssicherheit, niedrige Steuern, gutes Aus- und Weiterbildungssystem)
- Steigerung der Innovationsfähigkeit und der Produktivität durch die Unternehmer
- Beschäftigungsprogramme: Staatliche Ausgabenerhöhung, Steuererleichterung etc. (mit Vorsicht: mögliche prozyklische Wirkung)
Ansatzpunkte auf dem Arbeitsmarkt
- Flexibilität des Arbeitsmarktes: „Mehr Markt für den Arbeitsmarkt“, weniger gesetzliche Regelungen wie verbesserter Kündigungsschutz
- Bildungspolitik: Lebenslanges Lernen
- Arbeitszeitverkürzungen: „Wenn nicht mehr alle Arbeit haben muss eben die verbleibende Arbeit auf mehr Hände verteilt werden“. Geteilte Meinungen zu diesem Thema, da Arbeitsvolumen kein Kuchenstück ist, welches einfach umverteilt werden kann (Themen Erhöhung Lohnstückkosten, Lohnrückgänge für Arbeitnehmer).
- Ausländerpolitik: Je stärker die Zuwanderer Substitute für die vorhanden Arbeitskräfte sind, um so bedrohlicher erscheinen sie; sind sie dagegen Komplemente, so helfen sie mit, die Produktivität und damit auch die Entlohnung der Einheimischen zu steigern.
Begriffe, Quoten, Statistiken
- Arbeitslos: Als arbeitslos werden die Personen erfasst, die bei der Arbeitsverwaltung als arbeitslos registriert sind. (Arbeitslose sind nicht gleich Erwerbslose)
- Stellensuchende: Als Stellensuchende gelten neben den registrierten Arbeitslosen auch eingeschriebene Stellensuchende, die entweder nicht sofort vermittelbar sind und/oder über Arbeit verfügen (Beschäftigungsprogramme, Umschulung, Zwischenverdienst etc.)
- Erwerbsperson: Die Erwerbspersonen umfassen das Arbeitskräfteangebot – also Erwerbstätige, registrierte und nicht registriere Arbeitslose im Alter zwischen 15-64 Jahren
- Arbeitslosenquote: Arbeitslose in % der Erwerbspersonen. Die Quote wird monatlich vom SECO erfasst. Für internationale Vergleiche ungeeignet.
- Erwerbslosenquote: Erwerbslose in % der Erwerbspersonen. Wird vom Bundesamt für Statistik mittels Arbeitskräfteerhebung (SAKE) ermittelt. Es gelten alle Personen zwischen 15-64 als erwerbslos, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren, in den vergangenen vier Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären. Für internationale Vergleiche geeignet.
- Erwerbsquote: Erwerbspersonen in % der Bevölkerung (15-64 Jahre). Diese Quote zeigt, wie viel Prozent einer Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter entweder eine Stelle haben oder eine suchen. Die Differenz zu 100% sind die Nichterwerbspersonen (Personen die nicht arbeiten wollen oder können, z.B. aus Krankheitsgründen)
- Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige in % der Bevölkerung (15-64 Jahre). Die Erwerbstätigenquote zeigt, wie viel Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Arbeitsprozess integriert sind.
- Statistik der Erwerbstätigen des Bundesamt für Statistik: personenorient, d.h. jede erwerbstätige Person wird einmal erfasst (auch wenn sie zwei Jobs hat). Als Erbwerbstätig gilt, wer mind. 1 Std./Woche einer bezahlten Arbeit nachgeht oder unentgeltlich in einem Familienbetrieb tätig ist. --> liefert strukturelle Infos
- Beschäftigungsstatistik des Bundesamt für Statistik: Stellenorientiert, d.h. jede besetzte Stelle wird erfasst. Die Beschäftigten werden anhand des Beschäftigungsgrades unterteilt. –> liefert konjunkturelle Infos
Die Arbeitsmarktentwicklung in der Schweiz
- 1920-1945: Hohe Arbeitslosigkeit infolge Wirtschaftskrisen
- 1646-1973: Praktisch keine Arbeitslosigkeit; die herrschende Knappheit an Arbeitskräften wurden im Ausland kompensiert.
- 1974-2010: Die Jahre sind gekennzeichnet durch einen strukturellen Umbruch und einen tendenziellen Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit.
In den 90er Jahren hat sich der Arbeitsmarkt verändert. Im Unterschied zu früheren Wirtschaftskrisen führen nämlich seither vergleichsweise moderate Rückgänge der Erwerbstätigen zu einem erheblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Gründe dafür liegen vorwiegend bei folgenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt:
- Ausländerpolitik: In früheren Rezessionsphasen waren ausländische Arbeitskräfte stark überproportional von Beschäftigungseinbussen betroffen. Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutete die erzwungene Rückkehr ins Herkunftland. Die Schweiz exportierte ihre Arbeitslosen. In den 80er und 90er Jahren stieg die Anzahl der Niedergelassenen von 30% auf 60% an. Heute haben wir mit der EU ein Personalfreizügigkeitsabkommen, über dessen Ausgestaltung zurzeit neu verhandelt wird.
- Frauenrolle: In Rezessionsphasen erfüllten früher die Frauen - ähnlich wie die Ausländer - eine Pufferfunktion. Die Pufferfuktion ist mit der steigenden Erwerbsquote der Frauen und dem steigenden Bildungsgrad im Laufe der Zeit verschwunden.
- Arbeitslosenversicherung: In der Schweiz wurde 1977 die Arbeitslosenversicherung obligatorisch. Dies machte die Existenz der Arbeitslosigkeit sichtbar.
Trotz diesen Veränderungen ist die Erwerbslosenquote mit 4% im Vergleich zum Ausland (EU-Durchschnitt 10%) relativ tief. Dies dank einer zurückhaltenden Regulierung von Arbeitsverhältnissen, gesunden Staatsfinanzen, einem guten Bildungssystem sowie einer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, welche der Eingliederung in den Arbeitsmarkt höchstmögliche Priorität einräumt.
Lohnniveau
Die Löhne und der Lebensstandart sind im letzen Jahrhundert so stark gestiegen, weil die Produktivität massiv gesteigert werden konnte. Die Unterschiede in der Arbeitsproduktivität sind auch für die Lohndifferenz zwischen den Branchen mitentscheidend. Löhne wiederspiegeln Knappheitsverhältnisse, deshalb können diese bei aussergewöhnlichen Begabungen wie Sportler oder Schauspieler sehr hoch ausfallen.
Auch bei Managerlöhnen werden Knappheitsverhältnisse wiederspiegelt. Jedoch sind hier einige Marktunvollkommenheiten zu beobachten: So herrscht beispielsweise zwischen Managern und Eigentümern eine asymmetrische Informationsverteilung bezüglich der Arbeitsproduktivität der Manager, was dazu führt, dass die Manager den Lohn zu ihren Gunsten beeinflussen können. Zudem ist für einen funtkionierenden Markt hohe Transparenz eine wichtige Voraussetzung, die im Managermarkt nicht gegeben ist.
Trends
- In der Schweiz gibt es immer mehr Frauen, die einen Beruf ausüben
- Teilzeitarbeit nimmt zu - Wöchentliche Arbeitszeit nimmt an
- Löhne steigen und werden flexibler
- Starke Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte
Das Problem der Staatsverschuldung
Für die wachsenden Staatsausgaben gibt es vielfältige Bestimmungsgründe:
- Die öffentlichen Aufgaben und damit Ausgaben sind im Vergleich zur Theorie des "Nachtwächterstaats" in der Mitte des letzten Jh. angestiegen.
- Die Möglichkeit der Erhöhung der Arbeitsproduktivität im öffentlichen Bereich sind bescheidener als in den anderen Wirtschaftsbereichen, was eine überdurchschnittliche Kostenentwicklung verursacht.
- Macht, Prestige und ein hohes Einkommen erhält der Beamte der ein hohes Budget verwaltet und dieses jährlich ausdehnen kann
- Als weitere Bestimmungsgrösse werden die privaten Einkommen angesehen. Denn die öffentlichen Leistungen sind tendenziell einkommenelastischer als private Güter. Mit steigendem Einkommen steigt die Nachfrage nach Staatsleistungen überproportional an.
Die Staats- und Fiskalquote
Die Messung der Staatsaktivität geschieht üblicherweise an der Entwicklung der Ausgaben. Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte haben sich seit 1990 beinahe verdoppelt. Aussagekräftiger wird die Entwicklung der Ausgaben, wenn man sie in Beziehung zum BIP setzt. Daraus ergibt sich die Staatsquote. Die Staatsquote der CH beträgt rund 33%, was im internationalen Vergleich einem tiefen Wert entspricht.
Die zunehmenden Staatsausgaben bleiben nicht ohne Konsequenzen auf die Staatseinnahmen. Zur Messung der Höhe der Steuerbelastung einer Volkswirtschaft wir häufig die Fiskalquote (Steuern und Solzialversicherungsbeiträge in % des BIP) betrachet. Sie bewegt sich auf stabilem Niveau bei 28.4% (internationaler Ø ca. 35%) (ohne KK und berufliche Fürsorge).
Rechnet man die Fiskalquote in Anzahl steuerpflichtige Tage um, benötigt der durchschnittliche Steuerzahler in der CH gut 100 Tage zur Erfüllung seiner jährlichen Steuer- und Sozialversicherungspflicht (TAX-I / Tax Inderdependece Day).
Über die optimale Höhe der Staatsquote wird politisch diskutiert. Eine Staatsquote von 0 - keine staatlichen Leistungen - wäre für die Ansiedlung von Unternehmen genauso wenig attraktiv wie eine Staatsquote von 100%, was eine völlige Enteignung bedeuten würde.
Staatsausgaben und -einnahmen
Den dominierenden Anteil an den Bundesausgaben nehmen die Sozialversicherungen ein. Die wichtigste Einnahmequelle ist die Mehrwertsteuer. Der Bundeshaushalt ist ein eigentlicher Transferhaushalt, da die Ausgaben im Bundeshaushalt der Schweiz grösstenteils Subventionen sind (die subventionierten Aktivitäten bewirken positive externe Effekte für die Allgemeinheit wie Bildung, Forschung, Landwirtschaft etc.)
Die Entwicklung
Der Bundeshaushalt wird sowohl Einnahmen- wie auch Ausgabenseitig von der konjunkturellen Entwicklung beeinflusst. Eine wirtschaftliche Talfahrt hinterlässt jeweils bei den Einnahmen deutliche Spuren; insbesondere bei der MwSt. Die Ausgaben des Bundes reagieren mit einer gewissen Verzögerung, weil verschiedene Ausgaben Indexgebunden sind (z.B. Personalausgaben, Renten), oder sie erhöhen sich in wirtschaftl. schwierigen Zeiten wie z.B. Arbeitslosenentschädigungen. Solch konjuntkurelle Defizite sind unproblematisch, weil sie in besseren Zeiten von selber wieder verschwinden. Sie können gar als Stabilisatoren wirken.
Weit problematischer sind die strukturellen Defizite. Diese weisen auf eine dauerhafte Überlastung des Haushalts mit nicht finanzierten Ausgaben hin und lassen sich nur durch Ausgabekürzungen oder Steuererhöhungen beseitigen.
Punkto Verschuldung in Prozent des BIP (Schuldenquote) belegt die Schweiz im internationalen Vergleich einen sehr guten Platz.
Gefahren Staatsverschuldung
Die Staatsverschuldung hat in den vergangenen Jahren in beinahe allen entwickelten Volkswirtschaften der Welt massiv zugenommen (Mit Ausnahme der CH). Die Schulden wurden zum Normalfall und dienen nicht nur der Finanzierung von Investitionen oder um nach keynesianischem Muster vorübergehend ein Konjunkturtief zu überwinden. Einzelne Staaten konnten im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Zahlungspflichten nur dank "Rettungsschirmen", d.h. Krediten der EU und des internationalen Währungsfonds nachkommen.
Der Staat hat zwei Möglichkeiten zur Finanzierung der Ausgaben. Entweder er finanziert diese durch eine Steuererhöhung oder mach ein Defizit und finanziert es mit einem Kredit (Kreditaufnahme bei der Nationalbank oder Ausgabe von Staatsobligationen). Attraktiv macht das Defizit die Tatsache, dass diejenigen die es in Kauf nehmen, nicht die gleichen sind, die die Schuld in Zukunft zurück zahlen müssen. Die Zahlungsverpflichtung wird auf zukünftige Generationen verlagert.
Gefahren der Staatsverschuldung:
- Höhere Zinsen (Beschafft sich der Staat seine Ausgabenüberschüsse am Kapitalmarkt, erhöht sich die Geldnachfrage und löst damit einen Zinsdruck nach oben aus.)
- Inflation (bei Beschaffung des Geldes bei der SNB und damit durch Ausweitung der Geldmenge)
- Verdrängungseffekt (Crowding-out) privater Institutionen (Der Staat tritt auf dem Kapitalmarkt als Konkurrent zu Unternehmen und Haushalten auf, es besteht die Gefahr dass der Staat als Schulder vorgezogen wird)
- Wirtschaftswachstum wird geschwächt (Je höher die Verschuldung, je höher die zu bezahlenden Zinse, je tiefer das verfügbare Geld für Staatsaufgaben)
Insgesamt wird durch eine hohe Verschuldung der Handlungsspielraum des Staates geschmälert und ein Teufelskreis kann ausgelöst werden (jede Erhöhung ist mit einer neuen Zinslast verbunden, die zu einer neuen Verschuldung und wiederum zu einer höheren Zinslast führt).
Insgesamt ergibt sich eine instabile Situation die längerfristig nicht durchzuhalten ist und irgendwann im Bankrott enden (wenn keine Kredite mehr aufgenommen werden können). Intensive Verhandlungen mit den Gläubigern können vorerst dazu führen, dass die Zinszahlungen und die Schuldentilgungen ausgesetzt und erstreckt werden. Im Extremfall münden die Verhandlungen in einem teilweisen oder vollständigen Schuldenerlass (haircut). Weil sich die Schulden nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland auftürmen, ist dieser Staatsbankrott von einem Ruin der eigenen Währung begleitet, der zu eienr Währungssanierung führen muss. Die neue Währung beträgt dann nur noch einen Bruchteil der alten und wird nicht selten mit einem neuen Namen versehen. Der bankrotte Staat kann nun versuchen, wieder von vorne zu beginnen, i.d.R. begleitet von strengen Auflagen des Internationalen Währungsfonds IWF.
Richtlinien für die Staatsverschuldung
Eine Staatsverschuldung ist zwar immer mit Risiken verbunden, trotzdem gibt es Gründe für den Staat sich zu verschulden. So kann es aus Gründen der Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung durchaus angebracht sein, in einer schlechten Wirtschaftslage höhere Ausgaben zuzulassen und dafür Kredite aufzunehmen. Diese Idee wird in der Schweiz durch die sogenannte Schuldenbremse gestärkt, die in der Verfassung verankert ist: Während einer Rezession sind Staatsdefizite zugelassen oder sogar erwünscht, während in einem konjunkturellen Aufschwung Staatsüberschüsse erzielt werden müssen. Über einen gesamten Konjunkturzyklus müssen Staatseinnahmen und -ausgaben also ausgeglichen sein. Die zweite wesentliche Rechtfertigung für Staatsverschuldung ist die Finanzierung von Investitionen, weil diese in Zukunft zu Wachstum führen und Erträge generieren. Obwohl es keine numerisch fixe Höhe der Staatsverschuldung und der Staatsdefizite gibt, die man unter allen Umstände als Gefahrengrenze bezeichnen könnte, sind doch einige Richtlinien zu beachten:
- Goldenen Finanzierungsregel: Die Budgetdefizite sollten die Höhe der Staatsinvestitionen nicht übersteigen.
- Die Schuldenquote sollte langfristig kontant sein (In wichtiger Faktor ist ein ausgeglichener Primärhaushalt (Saldo der Staatsrechnung ohne Zinszahlung). In diesem Fall bleibt die Schuldenquote stabil, vorausgesetzt, der Zinssatz ist nicht höher als die Wachstumsrate des BIP)
- Die Ausgaben sollten im Gleichschritt mit dem Wirtschaftswachstum zunehmen
Man unterscheidet zwischen impliziter und expliziter Staatsverschuldung: Die implizite Staatsverschuldung umfasst zusätzlich zur expliziten Verschuldung auch die nicht gedeckten wahrscheinlichen zukünftigen Verpflichtungen des Staates wie insbesondere nicht finanzierte Rentenansprüche aus Sozialversicherungen. Sie ist meist ein vielfaches der expliziten Verschuldung. Die Berechnung beruht allerdings auf Annahmen und Schätzungen.
Das Problem der Sozialpolitik
Fragen um die "gerechte" bzw. gleichmässige Verteilung von Einkommen sind aktuell und populär. In der CH gab es dazu 2013 u. 2014 gleich drei Volksabstimmungen: die "Abzocker-Initiative", die 1:12-Initiative und die Mindestlohn-Initiative.
Die primäre Einkommensverteilung (Verteilung vor Eingriffen des Staates durch Steuern oder Soz.-versicherungen) der Schweiz ist im internationalen Vergleich relativ ausgeglichen; so wie fast in keinem anderen Land:
| Schweiz | Deutschland | Schweden | USA | OECD (Org. für wirtsch. Zusammenarbeit und Entwicklung, 34 Mitgliedstaaten) | |
|---|---|---|---|---|---|
| Gini-Koeffizient | 0.33 | 0.42 | 0.7 | 0.45 | 0.41 |
(Bei einem Koeffizienten von null wären die Löhne vollständig gleich verteilt (Einheitslohn); bei 1 würde 1 Person alles verdienen).
Die Lorenzkurve stellt die persönliche Einkommensverteilung grafisch dar. Zu beachten ist, dass dies eine statische Betrachtung ist. Würde die Lorenzkurve die Lebenseinkommen darstellen, würde sie wesentlich gleichmässiger ausfallen.
Die Ungleichheit wird v.a. durch die unterschiedlichen Arbeitsproduktivitäten verursacht. je grösser die Wertschöpfung pro Arbeitsplatz, bzw. pro Arbeitsstunde, desto höhere Löhne können ausbezahlt werden.
Die Gerechtigkeit der Verteilung wird politisch sehr unterschiedlich beurteilt. Beurteilt man die Einkommensverteilung nach der Leistungsgerechtigkeit, so ist eine Verteilung nach der Produktivität als "gerecht" einzustufen. Allerdings löst diese Gerechtigkeitsvorstellung das Problem nicht, dass gar nicht oder nur beschränkt leistungsfähige das Existenzminimum selbst nicht erzielen können. Diesem Einwand kommt die Bedarfsgerechtigkeit entgegen. Gemäss dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit hat jeder Mensch unanbhängig von seiner Leistungsfähigkeit ein Anrecht auf ein angemessenes Einkommen. Diese Gerechtigkeitsvorstellung beinhaltet die Definitions-Probleme in Bezug auf die Höhe eines bedarfgerechten Entgelts und damit zusammenhängend die möglichen negativen Auswirkungen auf die Produktivität. Leistungsgerechtigkeit und Bedarfsgerechtigkeit wiederspiegeln den Zielkonflikt zwischen Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit. Eine zu weit gehende Sozialpolitik reduziert die Leistungsanreize und den Wohlstand insgesamt, ein zu geringer Wohlstand kann zu gesellschaftlichen Spannungen führen.
Als Mittel der Einkommensverteilung setzt der Stadt hautpsächlich folgende Massnahmen ein:
- Progressive Einkommensteuer
- Sozialversicherungen
- Subventionen
Die sekundäre Einkommensverteilung (nach den staatlichen Eingriffen) ist gleichmässiger als die primäre. Sie belastet vor allem den Mittelstand und entlastet die untersten Einkommensklassen.
Die Sozialversicherungen der Schweiz
Bis nach dem zweiten Weltkrieg hatte die Sozialpolitik in der Schweiz eine geringe Bedeutung. Sie beschränkte sich im Wesentlich auf eine Fürsorge für in Not geratene Menschen. Die Zeit des grossen Wirtschaftswachstums nach dem Weltkrieg begünstige dann aber den Aufbau eines Sozialversicherungssystems, dass sich vor dem internat. Vergleich nicht zu scheuen braucht:
Die Entwicklung der Sozialausgaben und -einnahmen
Die Ausgaben und Einnahmen der Sozialversicherungen, welche der sozialen Sicherheit, dem Risikoausgleich und der Einkommensverteilung dienen, unterliegen einem dauernden Wachstum:
Die Berufliche Vorsorge, die AHV und Krankenkassen sind die wichtigsten Zweige des Systems, indem sie 80% der Einnahmen auf siche vereinigen.
Aussenwirtschaftstheorie und Aussenwirtschaftspolitik
Die internationale Arbeitsteilung
Die Zahlungsbilanz: Erfassung der Auslandsverflechtung
Das In- und Ausland ist stark miteinander verflechtet. So essen wir z.B. Lachs aus Kanada, während Japaner ihre Ferien bei uns in der Schweiz machen.
Grundsätzlich können Leistungstransatkionen (Güterhandel, Handel mit DL, Arbeitsleistungen etc.) sowie Finanztransaktionen (Direktinvestitionen, Kredite etc.) unterschieden werden. Diese zwei grundsätzlichen Typen von Transaktionen unterteilen die Zahlungsbilanz in zwei Teilbilanzen: Die Leistungsbilanz und die Kapitalverkehrsbilanz. Die Leistungsbilanz nimmt alle Leistungstransaktionen auf. Die Kapitalverkehrsbilanz umfasst sämtliche Finanztransaktionen. Wie in anderen Bilanzen auch, wird in der Zahlungsbilanz jede Transaktion entweder auf der Soll- oder der Habenseite verbucht.
Der Saldo der Leistungssbilanz zeigt an, ob wir im Verkehr mit dem Ausland mehr eingenommen als ausgegeben haben. Erzielt ein Land einen Leistungsbilanzüberschuss, sind ihm mehr Devisen zugeflossen, als es für die Bezahlung seiner Importe benötigt. Hat andererseits ein Land mehr importiert als exportiert, hat es zu wenig Deviseneinnahmen erzielt, um alle Importe aus dem laufenden Handel zu finanzieren.
Der Saldo der Kapitalverkehrsbilanz zeigt an, ob wir gegenüber dem Ausland ein Guthaben aufgebaut oder uns verschuldet haben. Weist die Kapitalverkehrsbilanz ein Defizit aus, heisst das, dass unsere Guthaben gegenüber dem Ausland gestiegen sind. Umgekehrt signalisiert uns ein Überschuss in der Kapitalverkehrsbilanz, dass wir uns im Ausland verschuldet haben.
Die Zahlungsbilanz als Ganzes ist immer ausgeglichen (Der Saldo der Leistungsbilanz entspricht dem Saldo der Kapitalverkehrsbilanz - mit umgekehrten Vorzeichen). Der in der Leistungsbilanz erfasste Strom an Waren und DL ist untrennbar mit den Finanzierungsströmen in der Kapitalverkehrsbilanz verbunden. Denn der Wert z.B. eines gelieferten Autos und die Bezahlung müssen überein stimmen. Beide Positionen werden jedoch in verschiedenen Teilbilanzen gebucht. Überschüsse oder Defizite können also nur bei Teilbilanzen auftreten. In Wirklichkeit gelingt es den Statistikern jedoch nicht, alle Transaktionen mit dem Ausland lückenlos zu erfassen, so dass in den Zahlungsbilanzen ein Restposten (statistische Fehler und nicht erfasste Transatkionen) eingefügt wird, der die Zahlungsbilanz zum Ausgleich bringt.
Ein Leistungsbilanzüberschuss ist genau so wie ein -defizit an sich weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, aber insofern interessant, als er ein Pendat in einem entsprechenden Kapitalexport bzw. -import hat. Einer Gläubigerposition steht immer eine Schuldnerposition gegenüber.
Dies ist auch der Grund, weshalb in der Wirschaftspolitik ein aussenwirtschaftliches Gleichgewicht - im Sinne einer ausgeglichenen Leistungsbilanz - als Zielsetzung definiert ist.
Die Leistungsbilanz der Schweiz
Die Vermögensübertragungen (Schuldenerlass und Finanzhilfegeschenke durch den Bund, private Vermögensübtertragungen sowie immaterielle Vermögensgüter) werden separat ausgewiesen:
Vermögensübertragungen (in Mrd. Fr.) -1.9
Die CH als rohstoffarmes Land ist einerseits auf Importe angewiesen, andererseits ist der Export für den Wohlstand der CH von zentraler Bedeutung:
- Die Handelsbilanz: Mit ihrem Güterexportvolumen gehört die Schweiz weltweit zu den grossen Exportländern. Seit 2001 weist die Handelsbilanz einen Überschuss aus.
- Die DL-Bilanz: Auch mit den DL-Exporten gehört die CH - dank Banken, Versicherungen und Fremdenverkehr - in der Weltrangliste zu den Top 20.
- Die Bilanz der Arbeits- und Kapitaleinkommen (neu Primäreinkommen): Weil mehr ausländische Grenzgäger in der CH arbeiten als umgekehrt, zahlt die CH mehr Arbeitseinkommen an das Ausland als ihr von dort zufliessen. Da die Schweiz aber über ein grosses Auslandvermögen verfügt, fliessen ihr jährlich so viele Kapitalerträge zu, dass das Defizit bei den Arbeitseinkommen deutlich überkompensiert wird
- Die Bilanz der laufenden Übertragungen (neu Sekundäreinkommen): Sie ist vor allem deshalb defizitär, weil ausl. Arbeitskräfte Überweisungen in ihre Heimatländer vornehmen. Ein zweiter Grund sind die Übertragungen der Sozialversicherungen für Ausländer.
Gesamthaft können wir festhalten, dass die Schweiz im Geschäft mit dem Ausland weltmeisterlich ist: Sie nahm in den letzten 10 Jahren durchschnittlich 50 Milliarden Fr. jährlich mehr ein, als sie ausgab. Dies ist wie oben ersichtlich hautpsächlich auf die Kapitalerträge aus dem Ausland und die Dienstleistungsexporte zurück zu führen. Trotzdem ist die CH mit einem Marktanteil von ca. 2% am Welthandel ein kleiner Spieler.
Die Kapitalbilanz der Schweiz
Bemerkung: Mitte 2014 wurde die Zahlungsbilanz auf den neuen Standard des IMF umgestellt. An der Stelle der Kapitalverkehrsbilanz tritt neu die Kapitalbilanz und statt von Kapitalexporten und -importen spricht man neu von Nettozugang von Aktiven bzw. Nettouzugang von Passiven. Der Saldo des Kapitalverkehrs wird als Finanzierungssaldo bezeichnet.
Wie oben gesehen, fliessen der CH aus der Leistungsbilanz per Saldo jedes Jahr erhebliche Mittel zu. Was tut die Schweiz mit diesen Mitteln? Auskunft darüber gibt die Kapitalbilanz. Sie zeigt, in welchen Formen die Überschüsse im Ausland angelegt sind:
Nach Berücksichtigung all dieser Positionen sollte der Saldo der Kapitalverkehrsbilanz spiegelbildlich dem Saldo der Leistungsbilanz entsrpechen. Da aber die Datenerhebung für die Kapitalverkehrsbilanz auf relativ wackeligen Füssen steht (Meldungen der Unternehmungen und der Banken an die SNB), geht die Rechnung nie auf. Zum Ausgleich wird deshalb eine letzte Position in die Kapitlaverkehrsbilanz eingefügt:
Restposten + 10.2
Somit präsentiert sich die Zahlungsbilanz folgendermassen (in Mrd. Fr.):
+85.9 Saldo Leistungsbilanz
-4.5 Saldo Vermögensübertragungen
-91.6 Saldo Kapitalverkehrsbilanz
+10.2 Resposten (statistische Fehler)
=0 Zahlungsbilanz
Zusammenfassend gesagt, kann die Schweiz als traditionelles Kapitalexportland betrachtet werden. Denn die Kapitalverkehrsbilanz weist seit der ersten Erfassung 1984 stets ein Defizit aus, d.h., dass die Guthaben der Schweiz im Ausland jährlich zunehmen. Angelegt sind diese Guthaben insbesondere in ausländischen Wertschriften und ausländischen Unternehmen.












